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Wedel-Schulauer Tageblatt

23. September 2017 | 07:53 Uhr

Im Wald die letzte Ruhe finden

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Neues Angebot der Kirchengemeinde: Unter dem Titel „Dem Leben ganz nah“ sind im Moorreger Friedhofswald Beerdigungen möglich

Der Boden ist wunderbar weich und elastisch, der würzige Kiefernnadel-Duft umhüllt jeden Besucher und die Baumriesen bilden mit ihrem grünen Geäst ein heimeliges Zelt der Geborgenheit. Auf diesem Fleckchen Erde in freier Natur seine letzte Ruhe zu finden ist erst seit kurzem möglich. Unter dem Titel „Dem Leben ganz nah“ bietet die Kirchengemeinde Moorrege-Heist auf dem Friedhof hinter der St.-Michael-Kirche Beerdigungen im Friedhofswald an.


Ein Rundweg für 20 000 Euro


Nachdem in der Vergangenheit nach dieser Beerdigungsform gefragt worden war, überlegten die Verantwortlichen nicht lange. „Das können wir einrichten, wir haben so einen Wald“, sagte Pastorin Vivian Reimann-Clausen in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Denn auf dem etwa vier Hektar großen Friedhof befindet sich auch ein Waldstück mit altem Baumbestand, im Wesentlichen Kiefern. Der Kirchengemeinderat fand die Idee gut. „Die Politik war ebenfalls begeistert“, sagte Pastor Stefan Weißflog. Und gab Geld. Denn damit auch Ältere und Menschen mit Behinderung diesen Teil des Friedhofs nutzen können, wurde ein Rundweg angelegt. Kosten: etwa 20 000 Euro.

Auch in Appen und Bönnigstedt gibt es Friedhofswälder. „Dort haben sie aber nicht einen so schönen alten Baumbestand, das hier ist einmalig“, erklärte Weißflog nicht ohne Stolz. „Dieser Wald bleibt Wald, aber man kann trotzdem durchgehen.“

In diesem Teil des Friedhofs sind ausschließlich Beisetzungen in biologisch abbaubaren Urnen möglich. Es darf kein Stein gesetzt werden, aber es wird am Baum ein Namensschild mit Geburts- und Sterbedatum befestigt. Das Schild ist aus dunklem Kunststoff, damit es optisch nicht auffällt, aber für die Angehörigen erkennbar ist. Im Kirchenbuch werden die exakten Koordinaten notiert, wo das Gefäß in den Boden eingelassen wurde.

Es gibt nicht nur Einzelbestattungen, auch Familienbäume sind vorgesehen. Und Sogar Reservierungen sind möglich. „Wir gucken noch, welcher Bedarf besteht“, so Reimann-Clausen. Viele ältere Menschen scheuen sich davor, ihren Körper nach dem Tod verbrennen zu lassen. Aus religiöser Sicht spricht nach Auffassung der Pastorin nichts gegen eine Einäscherung: „Die Seele ist unantastbar, der Körper gehört für mich ins Diesseits.“ Der Friedhofswald ist übrigens nicht nur für Moorreger eine Option – jeder darf sich dort beerdigen lassen. >

www.kirche-moorrege-heist.de

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