Kirche Holm : Im Kloster etwas für die Seele tun

Susanne Schmidtpott nimmt mit dem „Sabbatical“ eine dreimonatige Auszeit.
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Susanne Schmidtpott nimmt mit dem „Sabbatical“ eine dreimonatige Auszeit.

Pastorin Susanne Schmidtpott nimmt für drei Monate beim ersten Ferien-Abendgottesdienst Abschied von ihrer Gemeinde.

shz.de von
21. Juli 2015, 16:00 Uhr

Holm | Der erste musikalische Abendgottesdienst im Holmer Gemeindehaus war für Susanne Schmidtpott eine Herzensangelegenheit. „Den wollte ich mir nicht entgehen lassen“, sagte die Pastorin. Für sie war es die vorerst letzte Andacht bis zum Martinsfest. „Es fühlt sich schon irgendwie komisch an, den letzten Gottesdienst bis November zu halten“, sagte Schmidtpott am Sonntag. Vom 1. August bis zum 1. November ist sie im dreimonatigen Sabbatical. Der erste Teil gehört der Familie, den zweiten will sie im Kloster Schwanberg verbringen.

„Mein jüngstes Kind zieht bei mir aus und nach England. Ich habe selten Zeit, so etwas zu begleiten“, erläuterte Schmidtpott. Sie wolle beim Umzug ihrer 19-jährigen Tochter nach Southampton helfen. Kartons packen und Unnötiges aussortieren. Zudem sei die Zeit notwendig, um Haus und Leben neu zu ordnen: „Ich muss mich daran gewöhnen, dann alleinstehend zu sein und allein zu leben.“

In der freien Zeit wolle sie das nachholen, was oft zu kurz komme, aber beiden wichtig sei, so Schmidtpott: gemeinsam kochen, backen und essen. „Zudem hat sich meine Tochter einen Besuch bei den romantischen Nächten in Hagenbecks Tierpark gewünscht“, sagte Schmidtpott. Je nachdem wie der Umzug laufe, richte sich danach ihr Besuch im Kloster Schwanberg, das die Pastorin 2005 erstmals besuchte.

„Ich war dann immer wieder mal am Wochenende oder für Kurzbesuche dort. Diesmal fahre ich aber nicht als Tourist hin, sondern werde mitarbeiten“, so die Holmer Pastorin. „Mitleben auf Zeit“ heißt das Angebot, bei dem Gäste vier Stunden pro Tag mitarbeiten – in der Küche, im Garten oder wo helfende Hände benötigt werden. Darüber hinaus zahlt Schmidtpott Kostgeld. „Ich hätte auch acht Stunden arbeiten können, um dort kostenlos zu leben, aber das war mir dann zu viel“, sagte sie und ergänzte: „Aber ich finde es schön, mal körperlich zu arbeiten. Da sieht man, wenn man fertig ist.“ Zudem nehme sie an den Tagesgebeten teil. Im Kloster bestehe die Möglichkeit mit anderen Menschen zu reden oder für „ganz viel Stille“.

Selbstauferlegtes Computerverbot

Schmidtpott hat sich selbst ein Computerverbot auferlegt. „Der bleibt zu Hause und WLAN gibt es vor Ort nicht. Ich verzichte bewusst auf den Computer und der wird mir wirklich sehr fehlen“, so die Pastorin. Doch ein wenig schummelt sie dabei schon, um mit ihrer Tochter in Kontakt zu bleiben: „Mein Smartphone kommt mit und hat eine Flatrate. Irgendwie wird das schon gehen.“ Besonders schwer werde es der Holmerin fallen, die Kinderbibelwoche zu verpassen. „Auch Erntedank wird eine spezielle Zeit für mich“, sagte die Pastorin, die seit 15 Jahren in ihrem Dorf tätig ist und ihre Gemeinde nie länger als sechs Wochen allein gelassen hat.

Schmidtpotts Ziel im Kloster: „Ich will mich selbst sortieren und darauf schauen, was wirklich wichtig ist.“ Für sie sei das Sabbatical keine berufliche Weiterbildung: „Ich kann meinen Beruf nicht von meinem Menschsein trennen. Ich gehe dort nicht hin, um etwas für meinen Beruf zu lernen, sondern meiner Seele etwas Gutes zu tun.“

In den kommenden zwei Wochen wartet aber noch viel Arbeit auf Schmidtpott, die sich als Vorsitzende des Personalausschusses um 60 Mitarbeiter kümmern muss: „Da sind noch einige Personalfragen zu klären.“ Im Gemeindebrief bat Schmidtpott: „Bis dahin bitte ich Sie herzlich, auch wenn ich in Holm sein sollte, helfen Sie mir, meine Auszeit auch als solche zu erleben.“ Sie ist sich sicher: „Das ist schwer, weil sich viele Beziehungen in der Gemeinde und privat überschneiden. Da werde ich auch beim Brötchenholen angesprochen, ab wann die Konfirmandenanmeldungen beginnen.“

Ab 1. November ist Schmidtpott wieder im Amt

Vertreten wird Schmidtpott von Angela Heine, Pastorin im Vertretungspfarramt. Um ihre Wohnung kümmert sich ihre älteste Tochter, die Semesterferien hat. Am 1. November ist sie offiziell wieder im Amt. „Passenderweise ist es ein Sonntag, aber ich denke, den Gottesdienst werde ich noch nicht leiten, sonst müsste ich vorher schon wieder arbeiten und mit den Vorbereitungen beginnen“, sagte Schmidtpott.

Den ersten musikalischen Abendgottesdienst begleitete der Bläserkreis der Christuskirche. „Dass mehr Gemeindemitglieder als Bläser gekommen sind, stimmt mich sehr fröhlich“, sagte Schmidtpott in ihrer Begrüßung. Eine große Verabschiedung hielt sie für unangemessen. Ebenso das Sabbatical thematisch in den Gottesdienst einfließen zu lassen. Daher sagte sie kurz: „Mal gucken, wie ich es ohne Sie aushalte.“

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