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SHMF-Premiere im Forum : Im Kinderkonzert lassen Daniel Hope und Sebastian Knauer den Zauber von Musik spüren

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Unter dem Motto „Mr. Hope, wann darf ich klatschen?“ wollten der südafrikanisch-britische Geiger Hope und der Hamburger Pianist Knauer jungen Zuhörern „Appetit auf klassische Musik machen“.

Wedel | Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals war hoher Besuch nach Wedel ins Johann-Rist-Forum gekommen. Schulleiter Bertram Rohde begrüßte die Weltklassse-Musiker Daniel Hope und Sebastian Knauer, die unter dem Applaus der rund 300 Zuhörer dynamisch die Bühne betraten. Etwas war allerdings anders als sonst, wenn klassische Musiker auftreten: Die Zuhörer waren erstaunlich jung. Neben Großeltern und Eltern rutschten viele aufgeregte Kinder ab sechs Jahren auf den Stühlen herum.

Und das hatte seinen Grund: Unter dem Motto „Mr. Hope, wann darf ich klatschen?“ wollten der südafrikanisch-britische Geiger Hope und der Hamburger Pianist Knauer jungen Zuhörern „Appetit auf klassische Musik machen“ und erklären, wann man klatscht und wann nicht. „Das ist ziemlich schwer zu beantworten“, gab Daniel Hope eingangs zu. Auf keinen Fall sollte man aber mitten im Stück klatschen oder auch nicht sofort nach einer ganz traurigen Stelle. Am besten sei es aber auf jeden Fall, Musik nicht nur zu hören, sondern zu erleben – möglichst in einem so schönen Konzertsaal wie dem Johann-Rist-Forum.

Der Einstieg war gut gewählt. Die bekannte Kindergeschichte „Ferdinand, der Stier“ von Munro Leaf, die auch verfilmt wurde, zog die Kinder sofort in ihren musikalischen Bann. Knauer las jeweils ein Stück der Geschichte vor und Hope setzte dann das Geschehen auf der Violine in Musik um. So konnten die Kinder direkt eine Verbindung zwischen Inhalt und Musik herstellen und erlebten tatsächlich die Musik.

Ferdinand übt friedlichen Widerstand

Viele reagierten mit Gelächter und vor Spannung angehaltenem Atem während der dynamischen Fortissimo-Passagen. Die Geschichte handelt von einem jungen Stier, der keine Lust hat zu kämpfen, sondern lieber auf der Wiese liegt und den Duft der Blumen genießt. Nur einmal wird er wild, als ihn eine Biene sticht. In dem Moment sieht ihn dummerweise ein Stierkämpfer und nimmt ihn mit in die große Arena nach Barcelona. Doch dort ist Ferdinand gar nicht mehr wild und aggressiv. Stattdessen legt er sich in den Sand und schnuppert in Richtung der Blumen im Haar der jungen Frauen im Publikum. Der Torero kann ihn nicht reizen und gibt schließlich frustriert auf. Sein sanftes Wesen rettet Ferdinand also das Leben und er darf wieder nach Hause auf seine Blümchenwiese. Ein schönes Beispiel für den Erfolg friedlichen Widerstands.

Hope gelang es wunderbar, die unterschiedlichen Szenen und Stimmungen der Geschichte musikalisch zu präsentieren. Man sah und spürte förmlich den jungen Stier wild herumspringen oder sanft genießen und den Torero ihn zuerst temperamentvoll zum Kampf animieren und schließlich frustriert aufgeben. Für den Spitzenmusiker war es natürlich kein Problem mit wilden Stakkati und langen, weichen Bögen kontrastreiche Stimmungen zu erzeugen.

Die beiden Künstler erzählten dann abwechselnd lustige, kleine Geschichten über erlebte Missgeschicke und Ärgernisse bei Konzerten. Da ging es um Flügel, die drohten von der Bühne zu rollen, um laut klingelnde Handys oder Tablets, mit denen während des Konzerts sogar geskypt wurde. Auch klappernde Klimaanlagen und lautes Schnarchen haben die beiden schon erlebt. Das junge Publikum reagierte auf die anschaulichen Schilderungen mit spontanem Gelächter und hörte voller Spannung den Ausführungen zu.

Kleine Anekdoten über die Künstler

Aber auch die Musik kam nicht zu kurz. So nahmen Hope und Knauer die Zuhörer mit auf eine kleine Weltreise, nach Spanien, Norwegen und in die USA. Auf der Violine und dem Flügel erweckten sie sowohl die facettenreichen, lebensfrohen Canciones Populares von Manuel de Falla zum Leben als auch die melancholischen Stücke von Edvard Grieg und das temperamentvolle „I got Rhythm“ von George Gershwin. Zwischendurch immer aufgelockert durch kleine Anekdoten über die Künstler und ihr Umfeld. Zum Schluss durften alle Kinder auf die Bühne kommen, während die beiden Musiker unter anderem einen wilden Hexentanz spielten. Insgesamt war das Konzert eine gelungene Veranstaltung mit einem wunderbaren Konzept, um Kinder für klassische Musik zu begeistern.

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erstellt am 12.Jul.2017 | 12:00 Uhr

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