Theaterplatz : Ideen für Wedels letztes Filetstück

Die Überlegungen für eine Bebauung des Theaterplatzes nehmen Fahrt auf.
Die Überlegungen für eine Bebauung des Theaterplatzes nehmen Fahrt auf.

Verwaltung, Politik und Bürger wollen gemeinsam herausfinden, wie der Platz genutzt werden kann.

shz.de von
23. August 2018, 12:00 Uhr

Wedel | Über kleine Hügel und durch Senken, die nach kräftigem Regenfall auch schon mal länger unter Wasser stehen, suchen Autofahrer täglich nach der letzten freien Parklücke. Auf Wedels Filetgrundstück, dem Theaterplatz, drängeln sich die Autos. Noch. Hier könnten auch gut Wohnungen entstehen, Nachverdichtung ist das Stichwort. Oder Räume für eine gewerbliche oder kommunale Nutzung – ein Kino gar? Die Ideen sind vielfältig, der Gestaltungswille von Politik und Verwaltung angekurbelt.

Besonders spannend an dem innerstädtischen Großprojekt sind die Eigentumsverhältnisse. Das Filetstück ist städtischer Grund. Und deswegen soll es diesmal andersherum gehen. Nicht ein Investor gibt die Möglichkeiten vor. Verwaltung, Politik und Bürger bestimmen gemeinsam in einem offenen Verfahren die mögliche Nutzung. „Uns geht es vor allem darum, mit den Bürgern zu entwickeln, was wir da wollen“, erläutert Wedels Bauamtschefin Gisela Sinz die Herangehensweise der Stadt. Nicht nur auf Investoren reagieren, sondern selbst agieren, sei die Devise.

Das hat sich Wedels Jugendbeirat zu Herzen genommen und ist mit einem Traumthema nach vorne gestürmt. „Ich möchte ein Kino in Wedel“ steht auf den Zetteln, für die fleißig Unterschriften gesammelt werden. Auf dem Hafenfest unterzeichneten knapp 300 Angesprochene die Forderung.

Gewerbe, Wohnraum und kommunale Nutzung

Im neuen Schuljahr würden die Klassen der weiterführenden Schulen systematisch durchkämmt, kündigt Vorsitzender Aaron Bolandi an. Politisch will der Jugendbeirat bei CDU und Grünen andocken. „Die hatten das beide im Wahlprogramm stehen“, stellt Bolandi klar.

Olaf Wuttke, Grünen-Fraktionschef in Wedel, bestätigt das. „Wir haben im Planungsausschuss noch nicht viel über Inhalte gesprochen“, schränkt er allerdings ein. Den Grünen schwebe ein höheres Gebäude vor, das gewerblichen und kommunalen Gebrauch und Wohnungen im oberen Bereich sowie eine Tiefgarage bereithält. „Eine Mischung in der Art“, sagt Wuttke. „Darunter fällt dann auch das Kino.“ Auch die Initiative Kino in Wedel müsse neben dem Jugendbeirat frühzeitig miteinbezogen werden. Da es bei den Planungen um Bedarfe geht, möchten die Grünen zudem das Fahrradchaos vor dem S-Bahnhof miteinbezogen wissen. Die Umspannsituation hinter dem Theater zum Bahnhof hinüber habe die Bahn bereits so umgestaltet, dass die Leitungen nicht mehr behindern, weiß Wutte. „Das war praktisch ein Gefallen der Bahn.“

„Vor fünf Jahren kam das Thema schonmal auf“, bestätigt CDU-Fraktionschef Michael Kissig die Nachfrage zum Thema Kino. Mit ihrem jüngsten Ratsherren Julian Fresch hätten Wedels Christdemokraten den ganz kurzen Weg zum Jugendbeirat. Fresch stand dem Gremium als Vorsitzender vor. Beim Standort sei die CDU aber nicht festgelegt. Auch das Gelände der niedergebrannten Disco an der Rissener Straße könne er sich als Kino-Lokation vorstellen. Die Fraktion habe sich allerdings, so betont Kissig, noch nicht zum Thema Theaterplatz beraten. Trotzdem gab der Fraktionsvorsitzende noch eine Idee preis: die für eine Anbindung von Theaterplatz und S-Bahnhof. „Uns schwebt da eine relativ einfache Lösung vor“, sagt Kissig. Ein ebenerdiger Zugang am Bahnhofkopf.

Workshop für die Öffentlichkeit

Wenn man den Prellbock drei Meter Richtung Hamburg verschiebt, könnten Fußgänger und Radfahrer passieren ohne die Schienen zu kreuzen. Für die Bahn sei dann der Bahnsteig zu kurz. Aber da finde sich vielleicht eine Lösung.

Den Prozess selbst gestalten: Bauamtsleiterin Sinz erklärt, wie der Weg zu einer Investorenausschreibung jetzt weitergeht. Zusammen mit der Hamburger Bürogemeinschaft Cappel und Kranzhoff wurde bereits eine Bestandsaufnahme angefertigt, die gemeinsam mit Expertengesprächen mit Behörden und Kreis als Grundlage für eine SWOT-Analyse dient. Das strategische Planungsinstrument stellt die Chancen, Schwächen und Risiken eines Projekts heraus und wird der Politik zeitnah vorgestellt, erläutert Sinz. Eine Lenkungsgruppe legt daraufhin erste Rahmenbedingungen fest. Nach den Herbstferien wird die Öffentlichkeit mit einem Workshop eingebunden. Anwohner und Eigentümer, aber auch jeder Wedeler, der Interesse hat, ist eingeladen mitzumachen und seine Vorstellungen einzubringen. Eine zweite Lenkungsgruppe wertet die Ergebnisse aus. Vorzugsvarianten werden dann wieder in den Ausschüssen diskutiert.

Sinz betont, dass es der Verwaltung auf einen offenen Prozess ankomme. Allerdings seien auch hierbei Rahmenbedingungen zu beachten. Nicht nur das Ärztehaus, auch die Stadt benötigten die Parkplätze.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen