Das Sonntagsgespräch : „Ich will die Batavia über Wasser halten“

Hannes Grabau wandelte die Batavia zum Theatershiff um.
Hannes Grabau wandelte die Batavia zum Theatershiff um.

Heute mit Hannes Grabau (Käpt’n des Theaterschiffs Batavia).

shz.de von
19. Juli 2015, 15:00 Uhr

Wedel |  Das Theaterschiff Batavia dürfte in der Metropolregion so ziemlich jeder kennen. Im Sonntagsgespräch erklärt Käpt’n Hannes Grabau unter anderem, wie das Hausboot zum Theaterschiff wurde.

Was ist das Besondere an der Batavia?
Hier erwartet einen Kultur und Natur pur. Wir liegen mitten zwischen Wiesen, auf beiden Seiten grasen Schafe. Es gibt Möwen, Enten und Reiher. Und mittendrin liegt die Batavia  – prall gefüllt mit Kultur. Dazu kann man hier den schönsten Sonnenuntergang der Welt  genießen.

Fällt viel Arbeit an, um das Schiff instand zu halten?
Das ist im Prinzip die Hauptaufgabe. Am Schiff geht ständig etwas kaputt, so dass immer etwas zu tun ist. Um alles zu erhalten, ist viel Liebe und Intelligenz erforderlich. Die Batavia ist über 100 Jahre alt und es gammelt an allen Ecken und Enden. Deshalb brauchen wir viel Farbe, Holz und Eisen, um alles zu erhalten und arbeiten dafür acht Stunden pro Tag.

Die Batavia ist schon seit mehreren Jahrzehnten in der ganzen Metropolregion bekannt. Gibt es Aufführungen oder Auftritte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Fast jedes Kind aus der Gegend kennt ja Lolli Molli, eine Figur die ich in den Siebzigern erfunden habe. Auch Pippi Langstrumpf führen wir seit 26 Jahren ohne Unterbrechung auf. Deshalb liegt mir das Kindertheater schon sehr am Herzen. Aber auch für Erwachsene hatten wir schon richtige Knaller. Rockkonzerte, Folk, Lesungen, Theateraufführungen - wir haben schon alles präsentiert. Für mich ist ohnehin jede Vorstellung wie eine Premiere, weil es immer anders und aufregend ist. Es passiert ständig etwas Neues und man lernt nie aus. So habe ich mir sagen lassen, dass beispielsweise die deutsche Folklore mit deutschen Volksliedern wieder stark im Kommen ist.

Sind Sie selbst ein heimatverbundener Typ?
Ich fühle mich dort wohl, wo ich gerade bin. Das muss nicht unbedingt hier sein. Das schließt aber nicht aus, dass ich meine Heimat liebe. Wedel hat so viele Facetten, dass man sich schnell heimisch fühlt. Und die Batavia ist ein fester Bestandteil dieser Heimat.

Können Sie sich ein Leben ohne die Batavia vorstellen?
Nur sehr schwer. Ich bin 75 Jahre alt und es ist eine Gnade, dass ich hier noch arbeiten kann und Zufriedenheit finde. Zufriedenheit bedeutet auch Glück.

Was haben Sie auf der Batavia noch alles vor?
Ich will sie über Wasser halten, damit sie weiter schwimmt. Dazu wollen wir noch viele tolle Vorstellungen inszenieren. Es wird immer schwieriger, gute Stücke zu finden, die zu uns passen. Besonders qualitativ hochwertige Komödien sind rar. Das nächste größere Projekt wird übrigens der „Urfaust“ sein. Solche Aufführungen sind nur dank der tollen Schauspieler möglich, mit denen wir schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten.

Ursprünglich haben Sie die Batavia als Hausboot erworben. Wieso wurde sie zum Theaterschiff?
Eigentlich wollte ich auf dem Schiff wohnen, um von dort aus mein Leben zu gestalten. Als dann aber 1972/1973 die erste Energiekrise kam, waren die Treibstoffkosten plötzlich so hoch, dass die Batavia als reines Hausboot nicht mehr zu bezahlen war. Deshalb mussten Alternativen her. Da ich am Theater arbeitete und Seemann von Beruf war, kenne ich mich mit Kultur und Schiffen aus. Ich überlegte mir, wie ich diese Fähigkeiten zusammenbringen kann und eröffnete ein Theaterschiff. Das sorgte erst einmal für helle Aufregung. Da ich schon immer mit verrückten Ideen aufgefallen war, dachten die meisten: „Jetzt ist er endgültig übergeschnappt.“

Sie hatten schon einmal eine Vereinsgründung angeregt, um den Betrieb des Theaterschiffs dauerhaft sicherzustellen. Ist das immer noch eine Option?
Im Moment nicht. Ich hatte schon einmal versucht, so etwas zu organisieren. Das hat leider nicht geklappt. Deshalb müsste ein neuer Anstoß von außen kommen. Kaufen kann man die Batavia aber nicht, höchstens geschenkt bekommen. Die Batavia ist schließlich ein Kunstwerk, das in der gesamten Bundesrepublik einmalig ist. Vielleicht gibt es ja jemanden, der etwas von der Materie versteht und dieses Kunstwerk erhalten kann.

Hannes Grabau (75) kaufte die 1892 gebaute Batavia 1972. Seit 1974 liegt das Schiff im Wedeler Auhafen vor Anker. Weit mehr als 1000 Theaterstücke und Konzerte wurden dort bisher veranstaltet. Mit Unterstützung seiner Frau Angelika Strub hat der Käpt’n so den gesamten Kreis kulturell geprägt.
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen