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Jugenddiakon Christian Weber : „Ich werde Wedel vermissen“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Jugenddiakon Christian Weber geht nach zehn Jahren neue Wege. Der Abschiedsgottesdienst findet am 31. August in der Immanuelkirche statt.

Wedel | „Ich werde Wedel vermissen“, sagt Christian Weber. „Und sogar Holm“, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Als Jugenddiakon hat er fast zehn Jahre an der Elbe gearbeitet. Auch der große Fluss wird ihm fehlen. „Und die Marsch, die Kindergottesdienste, Hamburg, der Regen, die Immanuelkirche, die kunterbunte Kinderkirche, der Hafen, die Vogelstation, Steyer, der Kinderarzt und und und...“ Die Liste ist lang. Trotzdem hat Weber gute Gründe Wedel zu verlassen. Für ihn und seine Familie geht es gen Heimat.

Doch wie kam der Bielefelder überhaupt in die Rolandstadt? Nach seinem Studium der „Sozialpädagogik und Sozialarbeit“ war Weber gerade mit seiner Ausbildung zum Diakon fertig. Im Sommer 2004 hieß es dann Bewerbungen schreiben. „Und ich wusste: Wenn ich jetzt nicht aus Bielefeld rauskomme, dann nie“, so der 36-Jährige. Den Hamburger Raum habe er schon immer faszinierend gefunden. Die Stellenausschreibung der Wedeler Kirchengemeinde fand er im Internet. „Da war die Frist aber gerade abgelaufen.“ Doch das war kein Hindernis. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Kirchenbüro hieß es: „Schicken Sie ihre Bewerbung.“ Dann ging alles ganz schnell. Innerhalb von einem Tag sammelte er alle Unterlagen zusammen, wieder zwei Tage später kam der Anruf: eine Einladung zum Bewerbungsgespräch. „Eine Woche später war ich zum Vorstellen hier“, erinnert sich Weber. Im Herbst 2004 fing er dann als Jugenddiakon bei der hiesigen Gemeinde an. Er bewies, wie wichtig die Stelle ist, und bekam nach kurzer Zeit einen unbefristeten Vertrag.

Ab September arbeitet Weber im 260 Kilometer entfernten Leopoldshöhe, eine Kleinstadt am Rand von Bielefeld. Es gehört zum Kreis Lippe, seine Heimat. Auch seine Ehefrau Silke kommt dorther. „Wir haben uns mit 16 auf einer Kirchenfreizeit kennen gelernt“, so Weber. Die drei gemeinsamen Töchter – Ruth (6), Rebekka (3) und Ronja (1) – kamen Jahre später im Kreis Pinneberg zur Welt. „Wedel hat uns als Familie sehr geprägt“, resümiert Weber. Doch das Timing für den Ortswechsel passt: In Leopoldshöhe wird die älteste Tochter dieser Tage eingeschult. Und die Lippische Landeskirche bietet einen besseren Tarifvertrag. Nach Gründen Wedel zu verlassen gefragt, sagt Weber: „Familien wie wir sind hier scheinbar politsch nicht gewollt, zumindest was die Mieten und die Immobilienpreise angeht. Wir hängen als Familie dazwischen, Unterstützung ist meistens nur an Hartz IV gekoppelt.“ Und fügt hinzu: „In Leopoldshöhe sind die Mieten günstiger, die Stadt familienfreundlicher. Und die Eltern von meiner Frau und von mir sind auch wieder näher, zirka 30 Minuten .“

Seinen Job in Wedel hat er gern gemacht. „Kinder gehören zur Gemeinde dazu, sie sind die Zukunft. Wenn wir ihnen keinen Raum geben, schießen wir uns selbst ins Bein“, so der Diakon.

Zwei Mal im Jahr organisierte er die Wedeler Kinderbibelwoche. Er initiierte 2005 die regelmäßigen Jugendgottesdienste. Und unterrichtete leidenschaftlich die pubertierenden Konfirmanden. Aber vor allem: Er ist und war immer stolz auf seine Jugendlichen. Ein Beispiel ist der Abschlussgottesdienst zum 700-Jahre-Jubiläum des Kirchspiels. „Wir haben darüber gesprochen, was wir zum Jubiläum beitragen wollten. Die Jugendlichen waren sofort dabei, wollten nichts Geringeres als einen Abschlussgottesdienst organisieren“, sagt Weber immer noch beeindruckt. „Als wir dann alle im Kreis standen und im Kanon gesungen haben, standen mir die Tränen in den Augen.“ Da wusste er schon, dass er bald geht. Webers Stelle ist derzeit noch ausgeschrieben. „Und das in vollem Umfang“, sagt Weber. „Das ist auch eine Bestätigung für meine Arbeit.“

Der Abschiedsgottesdienst für den Jugenddiakon findet am 31. August in der Immanuelkirche statt. „Ich werde sicher heulen“, sagt er. Bei den Kindern dürfte es die ein oder andere Träne geben. Denn auch die Wedeler werden Weber sicher vermissen. Und sogar die Holmer.

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erstellt am 21.Aug.2014 | 15:30 Uhr

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