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Wedel-Schulauer Tageblatt

21. Oktober 2017 | 13:02 Uhr

„Ich verliere einen loyalen Freund“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Reino Timm, Vize-Leiter des Wedeler Polizeireviers, geht mit 62 Jahren in den Ruhestand / Frank Lassen wird Nachfolger

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Die Stimmung im Haselauer Café Hof Mühlenwurth war von Wehmut geprägt. Nach 43 Jahren sagte Polizei-Urgestein Reino Timm Tschüss. Der Vize-Chef des Polizeireviers Wedel geht mit 62 Jahren in den Ruhestand. Unter den etwa 40 Gästen, alles langjährige Weggefährten, war auch sein Nachfolger: Der bisherige Leiter der Polizeistation Uetersen, Frank Lassen, der heute in der Rolandstadt seinen Dienst antritt. „Die Verabschiedung geht mir emotional sehr nahe“, verriet Revierleiter Torsten Schmidt. Timm sei ein Unikat, eine echte Marke, treu und berechenbar. „Ich verliere einen äußerst loyalen, geradlinigen und einzigartigen dienstlichen Freund“, betonte Schmidt.

Mit seiner launigen Laudatio brachte Schmidt nicht nur den Scheidenden, sondern auch alle Gäste zum Lachen und zeichnete anekdotenreich den Werdegang Timms nach. Mit 19 Jahren absolvierte der eine dreijährige Ausbildung in der Bereitschaftspolizeiabteilung in Eutin. Nach einem Zweijährigen Intermezzo bei der Einsatzhundertschaft Eutin inklusive Bäderdienst bei der Polizei in Grömitz, war Timm ab 1977 bei der Polizeistation Uetersen im Streifendienst.


Aufstieg in den gehobenen Dienst


Doch er wollte mehr, wagte den Aufstieg in den gehobenen Dienst und machte eine dreijährige Ausbildung an der Verwaltungsfachhochschule in Altenholz. Nach dem Aufstieg arbeitete er zwei Jahre in der Einsatzleitstelle in Pinneberg. Danach gestaltete Timm ein Vierteljahrhundert lang die Geschicke der Polizei in Uetersen, bevor er 2008 als Vize-Chef nach Wedel ging. „Nur 26 Tage nach dem Wechsel hat Reino eine seiner dienstlichen Visionen als Power-Point-Datei mit musikalischer Hinterlegung dargeboten“, verriet Schmidt. Die Umsetzung habe allerdings gedauert, witzelte der Polizeichef, denn die von Timm vorausgesagte Zusammenlegung der Stationen Uetersen und Tornesch erfolgt erst heute – also genau am ersten Tag von dessen Pension.

Die Timm’sche Vision sei im Übrigen ein schönes Beispiel für den Facettenreichtum seines Vizes, erläuterte Schmidt. Dieser sei einerseits erzkonservativ, auf der anderen Seite Neuerungen gegenüber nicht nur aufgeschlossen, sondern ein echter Vordenker mit klaren und präzisen Abwägungen gewesen. Wer die Berufung Polizei nur als Job ansah, habe es bei Timm nicht leicht gehabt. „Die dienstliche Pflicht stand unzweifelhaft vorne“, lobte Schmidt.

Und immer wieder zog Schmidt zum Vergnügen aller den Vergleich zwischen Timm und Otto von Bismarck, bezeichnete ihn als dessen Reinkarnation. „Neben optischen Parallelen kommt man auch sonst an Vergleichen nicht vorbei“, scherzte er. Bismarck sei auch eine Persönlichkeit mit verschiedenartigen Facetten gewesen.

Um Timm besser verstehen zu können, habe er sich die Bismarck-Biografie von Eberhard Kolb gekauft, so Schmidt. Und zitierte daraus: „Sein Ehrgeiz strebte mehr danach zu befehlen als zu gehorchen.“ Passend dazu denn auch sein Geschenk: Eine Zehn-Euro-Münze mit dem Konterfei des ersten Reichskanzlers und ein Buch mit dem Titel „Goodbye Bismarck.“

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