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Wedel-Schulauer Tageblatt

21. August 2017 | 20:23 Uhr

„Ich drehe mich nur im Kreis“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

MS-Kranker fordert mehr Unterstützung von Krankenkasse

Der Wedeler Felix Schnor ist auf den Rollstuhl angewiesen, um sich fortzubewegen. Vor einem Jahr wurde ihm seine handbetriebene Zugmaschine gestohlen und damit auch ein Großteil seiner Mobilität. Von der Krankenkasse bekam er keine neue erstattet. Nach einem Kassenwechsel im März ist er noch unzufriedener. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich nie gewechselt“, so der 39-Jährige.

Schnor leidet seit 25 Jahren Jahren an Multiple Sklerose (MS). Seit drei Jahren lebt er in Wedel. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt er. Viele Wedeler kennen Schnor. Er ist bei den Grünen aktiv, singt im Chor und spielt Theater. Außerdem arbeitet er – trotz seines Handicaps – als Klettertrainer in der Hamburger Sternschanze. Doch eines erschwert ihm den Alltag: Sein Rollstuhl. Denn seine rechte Hand ist durch seine Krankheit stark sklerosiert, das Nervengewebe ist vernarbt und die Hand daher kaum noch beweglich. Es fällt ihm schwer, sich mit nur einer funktionierenden Hand in seinem Rollstuhl fortzubewegen. „Ich drehe mich quasi nur im Kreis, wenn ich fahren will“, sagt Schnor. Deswegen sei er oft auf die Hilfe von Freunden oder Fremden angewiesen. Eigentlich bräuchte er wieder eine handbetriebene Zugmaschine. Schnor ist seit zirka sieben Jahren größtenteils auf den Rollstuhl angewiesen. Die Maschine ist bis heute verschollen.


„Behinderte werden zu schnell abgeschrieben“


Kürzlich wechselte er von der Krankenkasse DAK zur IKK in der Hoffnung, dann wieder eine handbetriebene Zugmaschine zu bekommen. Die DAK ließ den alten Rollstuhl abholen. Er bekam von der IKK einen neuen. Der wäre nun für einen Handbetriebaufsatz geeignet, doch Schnor wird dieser verwehrt. „Ich finde das unmöglich“, sagt die Wedelerin Ursula Kieselmann, Bekannte von Schnor. „Menschen mit Behinderungen werden zu schnell abgeschrieben“, so die Krankenpflegerin.

Die IKK hat nach Beantragung des Handantriebs den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) beauftragt, die Sachlage zu prüfen. In dem MDK-Schreiben heißt es: „Der Zusatzantrieb für einen manuellen Rollstuhl gehe über den von der gesetzlichen Krankenversicherung zu versorgenden äußeren Nahbereich hinaus.“ Langfristig wäre außerdem ein elektrischer Rollstuhl oder ein elektrischer Zusatzantrieb sinnvoller als die Zugmaschine. „Die Krankenkasse darf nichts bezahlen, was aus medizinischer Sicht eine falsche Versorgung darstellen würde“, sagt Peter Rupprecht, Pressesprecher der IKK Hamburg, auf Anfrage dieser Zeitung. Schnor hat Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt. Mit der Zugmaschine trainiere er seine Hände besser und sei mobiler.

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