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„Ich dachte, man wäre hier freizügiger“ : „Ich dachte, man wäre hier freizügiger“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

„Es war ein außergewöhnlicher Abend, den ich mir so vorgestellt habe. Wenn auch mit mehr Gästen“, sagte Andrea Koehn, Leiterin der Stadtbücherei.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 13:00 Uhr

Wedel | „Sind sie schon schockiert? Haben sie die Bilder noch nicht verschreckt“, fragte Fotograf Michael Tank jeden Besucher, der die Stadtbücherei Wedel betrat. Viel zu tun hatte er allerdings nicht, denn gerade einmal zehn Gäste waren in den Rosengarten gekommen. „Es war ein außergewöhnlicher Abend, den ich mir so vorgestellt habe. Wenn auch mit mehr Gästen“, sagte Andrea Koehn, Leiterin der Stadtbücherei. „Natur & Erotik“ lautete die Fotoausstellung, die mit einer Lesung von Klaus Koch eröffnet wurde.

Pilze, die wie Hintern oder Penisse aussehen, Astgabelungen, die den Schambereich einer Frau nachbilden, oder Pflanzen, die sich wie Menschen mit einander verbinden – Tank hat verschiedenste skurrile Dinge in der Natur fotografiert. Präsentiert wurde beides von den Künstlern in einer Mischung aus Lausbubencharme und Altmännergespräch.

„Ich bin nicht abgehauen“, sagte Tank, der die Bühne kurz vor Beginn noch einmal verlassen hatte. Koch konterte: „Ich dachte schon, dich hat die Sittenpolizei verhaftet. Was die Natur so treibt, ist schon seltsam.“ Koehn zeigte per Beamer die Fotos, die Tank geschossen hatte, Koch las die Texte, zumeist Aphorismen, die in seinem 19. Buch „Erotik des Waldes“ den jeweiligen Aufnahmen zugeordnet wurden. „Wir machen das das erste Mal in der Form“, sagte Koch und ergänzte lachend: „Das kann nicht klappen.“ Tat es aber. Auch wenn Tank die Dialoge teilweise als schleppend empfand, wirkte es für die Zuhörer nicht so. Tank und Koch stellten die Idee zu dem Projekt und ihre Eindrücke bei den Fotos im lockeren Austausch und manchmal auch Schlagabtausch vor. Es war launig, lustig und – abgegesehen von der eigenen Fantasie bei einigen Fotos – wenig erotisch.

„Wenn man mit anderen durch den Wald geht, sieht es keiner, aber er“, lobte Koch die besonderen Fähigkeiten seines künstlerischen Gegenparts. Dieser berichtete wie er drei Wochen gebraucht habe, um ein Foto zu schießen, weil das Licht nie stimmte. „Da ging das Schreiben der Gedichte schneller“, scherzte Koch, der seine Arbeit ebenso erläuterte: „Aphorismen müssen mit einem Nackenschlag sein. Sonst könnte ich ja die Nationalhymne neu schreiben.“

Auch wenn viel gelacht wurde, wurde es am Ende des Abends noch einmal ernst. „Ich bin vom Wedeler Abend schockiert“, sagte Tank. „Ich dachte, man wäre hier freizügiger. Aber dennoch muss ich sagen, dass es klein, aber dafür fein war.“ Koch pflichtete ihm lachend bei: „Es war eine nette Plauderstunde und für die Schweinereien war er verantwortlich. Oder ihre Fantasie.“

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