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Wedel-Schulauer Tageblatt

19. Oktober 2017 | 16:29 Uhr

Historisches Gemäuer zum Verlieben

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Heringsgang 1 - 4Schlichtes Reihenhaus mit Charme

Vielen ist das Haus Heringsgang 1  -  4 unbekannt, obwohl sie täglich an dem etwas abseits der viel befahrenen Mühlenstraße liegenden Gebäude vorbei kommen: Versteckt neben der westlichen Seite der Altstadtschule steht eine Augenweide historischer Bauten Wedels und gibt Zeugnis über das einstige Wohnen in der Stadt rund um den Roland. In dem schlichten Reihenhaus mit vier Wohnungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das erst 1987 entkernt und von Grund auf modernisiert wurde, leben heute vier Familien. Die Familie von Wolfgang Reddig (Foto) ist eine von Ihnen. Mit seiner Frau und Kindern ist er gleich nach dem Umbau hier eingezogen. „Uns hat es spontan gefallen, deswegen haben wir richtig darum gekämpft, einziehen zu dürfen“, erinnert sich der Alt-Wedeler. Auch wenn man sich platzmäßig wegen der Kinder etwas einteilen musste, war es für Reddigs immer ein heimatlicher Ort.

Verständlich, denn das Gebäude hat Charme und ist ein Objekt zum Verlieben. Seine alten Klinkersteine strahlen Beständigkeit und Sicherheit aus und hinter den Fenstern vermutet man Wärme und Gemütlichkeit. Vermutlich gehörte es einst als Inst- oder Gesindehaus zur Mühle und gab Familien Heimstatt, die in der alten Mühle oder dem Bauernhof auf dem „Englischen Berg“ arbeiteten.

1890 kaufte der Großvater seiner heutigen Besitzerin Martina Köhler, der Schlachter Martin Struckmeyer das Gebäude vom Heringsfischer Willewer. Man kann vermuten, dass daher auch sein Name rührt. Die Struckmeyers, eine alte Wedeler Familie und Schlachter seit vielen Generationen, wollten seinerzeit ihrer damaligen Gaststätte einen Saalbau hinzufügen, weiß Köhler. Allerdings kam es dazu wohl nicht. Das Haus blieb weiterhin Wohnstätte und wurde immer weiter vererbt. Sogar die Bombardements des zweiten Weltkriegs überstand der Bau ohne Schaden. „Rundherum ist alles abgebrannt, nur die alte Kate ist unversehrt geblieben“, lacht die rüstige Rentnerin Köhler. Erst 1986 gab die Stadt grünes Licht, das alte Gebäude mit Fördermitteln für rund eine Million Mark zu sanieren.

Ausführender Maurermeister war Olaf Svenson, weiß Bewohner Reddig noch. „Der hatte viel zu tun. Das war ja fast eine Ruine hier“, erinnert er sich. Das gesamte Gebäude musste entkernt, neue Flächen geschaffen werden. Der Keller wurde ausgehoben, das Dachgeschoss komplett ausgebaut. Dachfenster und Gauben sorgten für mehr Licht in den oberen Etagen.

Ziel der Planer war es, zu große Gegensätze zwischen äußerer Form und innerer Aufteilung zu vermeiden. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und daher sollten möglichst viele Stilelemente erhalten bleiben. Alte Balken wurden abgerundet, historische Türblätter und Ofenluken wieder verwendet. Heute ist das Äußere des Hauses fast unverändert so wie damals, nur das Innere mit zeitgemäßer Haustechnik ausgestattet.

Reddig und seine Familie haben es nie bereut, an den Heringsgang gezogen zu sein. „Es ist schön und ruhig hier“, so Reddig, „und trotzdem ist man gleich in der Stadt oder am Bahnhof.“ Und nachdem die Kinder ausgezogen sind, haben er und seine Frau etwas mehr Platz für sich.

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