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Wedel-Schulauer Tageblatt

18. Oktober 2017 | 18:59 Uhr

Hetlingen : Hiobsbotschaft folgt auf Premiere

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Laienspielbühne Hetlingen sorgt mit „De 75. Geburtsdag“ für Theatervergnügen. Doch dem Ensemble droht das Aus.

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2015 | 16:00 Uhr

Hetlingen | Mit einem Lustspiel voller derber Heiterkeit hat die Laienspielbühne Hetlingen auf Plattdeutsch einen Schwank auf die Bühne gebracht, der das Premierenpublikum köstlich amüsierte. Flott inszeniert wartete die Marschvariante von „De 75. Geburtsdag“ mit einer starken Ensembleleistung auf, die dem hohen Besuch vom Landesverband Amateurtheater alle Ehre machte. Eine Hiobsbotschaft gab es tags drauf: Theaterchef Jens Körner kündigte wegen personeller Schwierigkeiten das Aus für die Theatertruppe an.

Omas (Gerlinde Körner) 75. Geburtstag wird im Hause Breemeier zur Tour de Force. Sie redet nicht mit Opa (Heiko Koopmann) und der schon gar nicht mit ihr. Stattdessen lässt er lieber die Wildheit des Alters raushängen und treibt damit Schwiegertochter Luise (Sabine Holm) in den Wahnsinn, die nur hofft, die Familie beherrschen zu können, wenn Pastor (Julius Körner, 16 Jahre) und Bürgermeister (Jasper Holm) zu Gast sind. Statt eine Hilfe zu sein, genießt Ehemann Jochen (Jens Körner) lieber die Trunkenheit.

Paraderolle für Gerlinde Körner als Oma

Tochter Birgit (Antonia Schrader, 14 Jahre) hat für den Unsinn daheim ohnehin wenig übrig und Freundin Rosa Häßlich (Kerstin Strohsal) macht ihrem Namen nicht alle Ehre und bringt das Blut der Breemeier-Männer zum Kochen.

Mit dem Florett wird im Hause Breemeier nicht gekämpft. Umso gefälliger, wie rasant die Hetlinger den Reigen aus grellen Derbheiten und heiteren Späßen auf die Bühne brachten. Wenn Opa vergrellt, ohne ein Wort zu sagen, den ganzen Weg durchs Esszimmer marschiert, ist das der Gipfel seiner Diplomatie. „Ich bin 77“, ist sein Mantra und der Titel genüsslich ausgelebter Alterssenilität, deren Unverfrorenheit Koopmann mit Hingabe nachgeht.

Omas Zunge hütet sich vor gar nichts – Gerlinde Körner in einer Paraderolle. Nur der eine hochdeutsche Satz ist holprig: „Tugend ist das höchste Gut, was ein Mädchen haben tut“, sagt Oma zur Enkelin. Schraders reife Bärbeißigkeit ist fürs Plattdeutsche wie gemacht und entgeht jedem Klischee eines schnippischen Mädchens.

Weitere Vorstellungen finden am Freitag und Sonnabend, 27. und 28.  März, um jeweils 19.30 Uhr sowie am Sonnabend, 28. März, um 15.30 Uhr statt – ab 14.30 Uhr gibt es dann in der Mehrzweckhalle Hetlingen, Hauptstraße 65, Kaffee und Kuchen. Karten kosten für  Erwachsene acht Euro, Kinder bezahlen drei Euro. Die Tickets gibt es in der Raiffeisenbank Hetlingen, Hauptstraße 25, oder  bei Wanda Koskowski, Telefon (0151) 75016481. In Holm ist die Apotheke „Alte Schmiede“, Hetlinger Straße 1, Anlaufstellen, in Wedel Juwelier Schubert, Bahnhofsstraße 50.

Sabine Holm händelt die umwogte Schwiegertochter als sicheren Hafen der Szenen. Jens Körners Energie lässt Promille pulsieren. Sein Abrutschen von der Türklinge, Knallen gegen den Türrahmen und unverzügliches Davonschweben ist ein kleines Glanzstück – solange die Kulissen weiterhin halten.

Julius Körner verdient sich als Pastor mit seiner ätherischen Nettigkeit ein Stipendium am evangelischen Seminar. May-Amelie Holms Gastauftritt ließ die Herzen der Damen im Publikum höher schlagen und Kerstin Strohsal parierte die Wollust der Männer mit Nonchalance. Der größte humoristische Coup gebührte jedoch Jasper Holm: im Duett mit Koopmann als einfliegendem Bürgermeister und verhindertem Schwadroneur am Rand der Verzweiflung.

Vor der Vorstellung erbrachte die Laienspielbühne ihren Tribut an den Landesverband Amateurtheater, der durch Jutta Misfeldt und Rainer Kowalik vertreten war. Jede Truppe will der Verband dieses Jahr einmal besuchen. Für die mitgebrachte Truhe, deren Inhalt im Oktober im Rahmen der Wedeler Theatertage versteigert wird, gaben die Hetlinger ihren „Diamanten“ her, der 2012 in „Diamantenroulette“ im Mittelpunkt stand.


 

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