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Wedel-Schulauer Tageblatt

17. Dezember 2017 | 17:35 Uhr

Wedel : Herzprobleme: Hilfe per Handy-App

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Infarkt oder nicht? Wedeler Kardiologe Jens Beermann entwickelt das System „Cardiogo“. Facharzt kann online konsultiert werden.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Wedel | Nicht nur für alle, die schon mal einen Herzinfarkt überlebten, ist es ein gruseliges Gefühl: Man wacht nachts auf mit Druck auf der Brust. Die Unsicherheit bringt Unruhe: Gefährlich? Muss ich den Notarzt rufen? Oder sind es nur die Nachwirkungen von der doch ein bisschen zu üppigen Schlemmerei im Restaurant? Der Wedeler Kardiologe Dr. Jens Beermann hat jetzt gemeinsam mit Kollegen, der Agentur Lukas Linnemann Rosinski und Programmierern eine Alternative zum Notruf 112 für Gesundheitsbewusste bereit gestellt: Die App „Cardiogo

Wer ein Smartphone besitzt, soll mit „Cardiogo“ an 365 Tagen im Jahr einen Kardiologen konsultieren können, ihm seine Probleme nennen – und gleich mit einem EKG Verdachtsmomente auf Krankheiten überprüfen. Es ist ein online verfügbarer kardiologischer Bereitschaftsdienst.

Basis bildet eine digitale Krankenakte, in der sämtliche Vorerkrankungen, die Medikation, Befundberichte und viele weitere Informationen gesammelt sind. Wird der Bereitschafts-Kardiologe angerufen, schlägt er diese digitale Krankenakte auf – und sei es mitten in der Nacht. Mehr Informationen würde ein Haus- oder Facharzt von „nebenan“ auch nicht haben, bevor er in persönliche Gespräch einsteigt. Die Krankenakte ist natürlich für alle anderen geheim und der Bereitschaftsarzt sieht sie auch nur dann, wenn der Patient das frei gibt.

Im Anschluss fragt der Mediziner nach Symptomen und wertet die Daten aus, die ihm der Patient aktuell liefert. Mit einem kleinen mitgelieferten EKG-Gerät kann der Patient selbst Aufzeichnungen seiner Herzfunktion machen und per Bluetooth sofort über sein Smartphone an den Arzt übertragen, der somit in Echtzeit über die Werte informiert ist.

Krankenakte wird online aktualisiert

„Auf dieser Grundlage trifft der Bereitschaftsarzt die Entscheidung, ob er Entwarnung geben kann, ob er den Patienten zur Kontrolle zu weiteren Untersuchungen zu seinem Hausarzt oder Kardiologen schickt oder ob ein akuter Notfall mit Rettungswageneinsatz erforderlich ist“, erklärt Dr. Beermann. Falls doch Not am Mann oder Frau ist, bleibt der „Cardiogo“-Kardiologe so lange am Telefon, bis der Notfall-Kollege mit dem Rettungswagen eintrifft.

„Wichtig ist dabei, dass die Krankenakte immer auf dem neusten Stand ist“, sagt der Wedeler Kardiologe. Und wie ist das zu gewährleisten? „Dafür sorgt das Mitglied selbst. Denn er oder sie hat selbst das größte Interesse daran.“ Medizinisches Wissen ist dafür nicht notwendig, sondern zum Start nur das Ausfüllen eines – natürlich digitalen – Fragebogens, wie man es vom analogen Klemmbrett in den Praxen her kennt. Und alle weiteren Arztbriefe, Laborergebnisse und dergleichen werden mit der Kamera des Mobil-Telefones abgeknipst und hochgeladen.

Für Beermann liegen die Vorteile des Systems auf der Hand. Mitglieder sollen selbst mitten in der Nacht oder weit weg von zu Haus einen kundigen Arzt konsultieren können. So sollen Ängste schnell genommen oder bei Bedarf rasch Hilfe geholt werden können. Für die Gemeinschaft der Krankenversicherten könne dieses System viel Geld ersparen, da der Betrieb erheblich günstiger ist als wenn bei jeder Unsicherheit gleich ein mehrere Tausend Euro teurer Rettungswagen- und Notarzteinsatz anlaufe, so der Wedeler Kardiologe.

Für die Mitglieder hat der Service allerdings seinen Preis. 175 Euro kostet „Cardiogo“ im Monat. Schließlich steht ständig Fachpersonal zur Verfügung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für dieses Angebot bisher nicht.

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