Emissionen : Heizkraftwerk Wedel: Anwohner reichen Klage ein

Nachbarn wollen Auswurf unterbinden. Vattenfall: Keine bleibenden Schäden durch Partikel.

shz.de von
29. November 2017, 12:30 Uhr

Wedel | Nächste Eskalation im Streit um Partikelauswurf durch das Vattenfall-Heizkraftwerk Wedel: Freitag haben Anwohner Klage beim Oberverwaltungsgericht Schleswig auf Unterbindung der Emissionen eingereicht. Dies teilte Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“, mit.

Darüber hinaus habe der Anwalt, der die Anwohner vertritt, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) aufgefordert einen bestehende Anordnung zu vollziehen. Demnach dürfe es laut Lueckow keine Anhaftungen von Partikeln mehr geben, die nur mit erheblichem oder professionellem Reinigungseinsatz entfernt werden können.

Tatsächlich habe das Ausmaß der Verschmutzungen zugenommen, so Lueckow. Immer wieder würden sie Schadensmeldungen von farblichen Veränderungen sowie Beschädigungen an Lacken von Autos, die in Kraftwerksnähe abgestellt sind, erreichen. Auch ihr eigener Wagen sei voller Ätzflecken, sagt die BI-Sprecherin.

„Das geht doch überall hin, auf Spielplätze, Sandkästen“, so Lueckow. Erst im Sommer habe die Stadt den Sand auf Spielplätzen in der Kraftwerksumgebung ausgetauscht. „Und nun kommt aus der Anlage etwas raus, was Autolack komplett zerlegt.“

Vattenfall hat sich gestern in einem Anwohnern-Anschreiben zu dem Thema erklärt. Laut dem Kraftwerks-Betreiber hätten Maßnahmen zur Emissionsminderung dazu geführt, dass Schäden auf Autos und Glasdächern vermieden werden. „Leider wurde in den letzten Wochen der Eindruck erweckt, dass sehr wohl Schäden an Autos aufgetreten sind, die angeblich durch Partikel verursacht wurden. Aus unserer Sicht ist dies nicht der Fall“, schreibt Vattenfall.

Der Energie-Konzern verweist zudem auf ein Tüv-Gutachten in Abstimmung und mit Überwachung durch das LLUR vom Oktober. Danach hätten Sachverständige trotz „extremen Mengen-Bedingungen“ keine bleibenden Schäden auf Lack- und Glasoberflächen sowie auf Terrassendielen durch Partikel aus dem Kraftwerk festgestellt.

Trotz intensiver Bemühungen könne auch künftig ein Partikelauswurf nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, so Vattenfall. Der Kraftwerk-Betrieber bietet daher den Anwohnern an, er werde „auch zukünftig unbürokratisch verfahren, wenn Ihre Terrasse oder Ihr Auto von Gipspartikeln verschmutzt werden“.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen