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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. August 2017 | 21:03 Uhr

Wedel : „Hauptsache etwas Schwarzes“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Das Stück „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ hat auf dem Theaterschiff Batavia Premiere gefeiert. Zehn weitere Veranstaltungen sind geplant.

Wedel | Darf man bei einer Spendensammlung für Afrika eine Afrikanerin auf der Bühne präsentieren? Das diskutierten bei der Premiere von „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ die Darsteller Andrea Schultze, Thomas Glashoff, Ursel Grabbert, Tim Feindt, Evi Albrecht und Lorenz Schmidt auf der Batavia. Die Schauspieler verkörpern in der Komödie von Ingrid Lausund eine Gruppe, die für eine Benefizveranstaltung probt.

„Heiko Westermann? Der braucht doch selbst Benefiz. Ich dachte, wir reden von Prominenten“, kommentierte Schultze den Vorschlag, den ehemaligen HSV-Verteidiger, der mittlerweile im spanischen Sevilla sein Geld verdient, als Aushängeschild zu gewinnen. Die Herren schlugen „Valerie“ vor. Diese sei berühmt und schwarz. „Wir können doch keine Schwarze ausstellen. Außerdem ist Valerie quasi Afrowedelerin“, entrüstet sich die im Stück politisch überkorrekte Albrecht und ergänzte: „Hauptsache etwas Schwarzes auf der Bühne.“ Die Idee wird schnell gestrichen. Auch weil Valerie vielleicht „nicht schwarz genug“ sei.

Fünf Gutmenschen wollen eine Wohltätigkeitsveranstaltung auf die Beine stellen, um für eine Schule in Guinea-Bissau zu sammeln. „Benefiz legt nah, dass wir an ihr Geld wollen. Da haben sie recht“, so Feindt. Sein Tipp an das Publikum: „Nehmen sie einen Zehn-Euro-Schein aus ihrer Geldbörse, halten sie diesen in der linken Hand und werfen Sie das Portemonnaie dann mit der rechten Hand auf die Bühne. Dann sind sie das Problem schon mal los.“ Das Ziel der Darsteller war gleich, die Umsetzung verschieden. Dabei entbrannte auf der Bühne eine Diskussion um Mitleid, Solidarität und politische Korrektheit bis hin zu einer zynischen Debatte über den Wert eines Menschen. Die Darsteller zeigten den schmalen Grat zwischen „professioneller“, „echter“ und peinlicher Betroffenheit.

So kommentierte Schultze einen Weinkrampf von Albrecht, während sie den Brief eines afrikanischen Mädchens verlas: „Was weinst du in meinen Beitrag? Das war so nicht abgesprochen.“ Schmidt versuchte sein Konzept durchzusetzen: Humor. Selbst, wenn es nicht angebracht war: „Jedes Jahr sterben dort 80 Millionen Menschen. Wow. Das sind ganz schön viele. Einmal im Jahr ist Deutschland weg.“ Skurril wirkten die Diskussionen, ob ein Junge ohne Eltern oder ein Mädchen ohne Arme es mehr verdient habe, unterstützt zu werden. Oder doch eine missbrauchte 14-jährige?

Das Stück, das im Dezember und Januar noch zehnmal auf der Batavia zu sehen ist – Eintritt: 16 Euro –, spielte mit Betroffenheit, Political Correctness und billigem Spott über „Gutmenschen“. Immer wieder stand die Frage im Raum: Darf man jetzt lachen? Die Darsteller überzeugten in ihren Rollen und brachten trotz der humoristischen Präsentation die Probleme Afrikas dennoch verständlich rüber.

Am Ende der Komödie wartete die Realität: Eine Sammelbox am Ausgang war ebenso echt wie die Schule in Afrikas hungerndem Westen, für die die Spenden bestimmt sind.

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erstellt am 23.Nov.2015 | 00:32 Uhr

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