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Wedel-Schulauer Tageblatt

24. August 2017 | 03:46 Uhr

Moorrege : Handwerksburschen auf der Walz

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Tischlergeselle Paul Stäcker und Zimmermann Felix Kölln wollen auf die drei Jahre lange traditionelle Wanderschaft gehen

Ferne Länder sehen, Kollegen bei der Arbeit über die Schulter schauen und Botschafter des deutschen Handwerks sein – Paul Stäcker (19) und Felix Kölln (21) haben sich viel vorgenommen. In etwa drei Wochen gehen der Tischlergeselle aus Appen und der Uetersener Zimmermann auf traditionelle Wanderschaft, die Walz. Doch schon vorher haben sie sich als Botschafter ihrer Zünfte bewährt: In der Gemeinschaftsschule Moorrege (GemsMo) warben sie vor Neunt- und Zehntklässlern für die Ausbildung im Handwerk.

Es muss nicht immer Abitur sein. Das jedenfalls meint Arne Claußen. Der langjährige Vertrauenslehrer wird nicht müde, bei der Schüler- und Elternschaft für eine Lehre zu werben. Dass sein Ex-Schüler Paul die Tischlerprüfung im Sommer als Kreisbester bestand, freute ihn sehr. Telefonisch gratulierte er und griff sofort zu, als der Appener ihm anbot, vor Schülern zu sprechen.

Neben Materialkunde und dem Vorführen von Werkzeugen stand auch ein Bericht über die geplante Wanderschaft auf dem Lehrplan. Die Walz interessierte die Schüler ganz besonders. Stäcker und Kölln waren in ihrer schwarzen Kluft gekommen, die sie extra anfertigen ließen. Kosten pro Ausstattung: 700 Euro. Das erste Jahr wollen die beiden in Deutschland verbringen. Zu Fuß oder per Anhalter geht es von Ort zu Ort, öffentliche Verkehrsmittel sind verpönt. Während dieser Zeit tragen sie einen Schlapphut. „Der Hut steht für Freiheit“, erklärte Kölln. Und weil sie ja relativ dumm seien, haben sie das breitrandige Modell gewählt, frei nach dem Motto: Die Erde ist eine Scheibe. Erkenntnis bringe das zweite Jahr. Symbolisch setzen die Gesellen bei ihrem Europa-Trip dann eine schwarze Melone auf, als Zeichen „die Erde ist rund“. Per Flugzeug geht’s dann nach Übersee. Und zwar mit Zylinder auf dem Kopf. „Das bedeutet: Wir sind auf Brautschau“, erklärte Kölln augenzwinkernd. Ob sie wirklich eine Schöne aus Australien, Neuseeland oder Japan mit in den Kreis Pinneberg bringen werden, darüber wollen sie nicht spekulieren.

Eins aber steht fest: Beide wollen die Walz unbedingt durchhalten, den 50-Kilometer-Bannkreis um ihr Zuhause drei Jahre und einen Tag nicht durchbrechen. Ohne Handy-Kontakt und finanzielle Unterstützung von zu Hause. Kölln: „Die Walz ist eine Jahrhunderte alte Tradition, die muss erhalten bleiben.“ Und Stäcker ist sich sicher, dass sie es schaffen: „Wir haben die beste Ausbildung der Welt, wir bekommen überall Arbeit.“

 

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