Haidehof-Plan: „Wir sind entsetzt“

Die neuen Eigner wollen aus dem Haidehof einen ökologischen Agrarhof machen, der alle Sparten der Landwirtschaft vereinen und Mustercharakter haben soll.
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Die neuen Eigner wollen aus dem Haidehof einen ökologischen Agrarhof machen, der alle Sparten der Landwirtschaft vereinen und Mustercharakter haben soll.

Frühere Eigner sehen rechtliche Hürden für Agrarbetrieb

shz.de von
17. Mai 2018, 16:00 Uhr

Ein Agrarbetrieb mit Nutztierhaltung, Bienenweide, klimawandel-optimierten Bäumen, Gemüse und Stauden, der alle Sparten der Landwirtschaft synergetisch vereint, das Ganze nach dem Prinzip Ornamental Farming, bei dem neben dem Ertrag auch Wert auf die Ästhetik von Nutz- und Anbauflächen gelegt wird: Sie haben große Pläne, die Projektentwickler um Henning Breimann, Mitinhaber des Haidehofs im Nordosten Wedels. Nicht minder groß sind die Zweifel, die Professor Lutz Fischer und seiner Frau Karin Sievert-Fischer an dem Großprojekt haben, bei dem sie mittendrin sind. Ungewollt.

Die Eheleute haben den Haidehof lange als Gestüt und Reiterhof betrieben, bis sie das 23-Hektar-Areal 2013 an Breimann verkauften, ausgenommen ihr eigenes Wohnhaus mit 2,3 Hektar Grundstücksfläche. Stets seien sie davon ausgegangen, dass der Reitbetrieb, den sie mit viel Engagement zu einem der schönsten Reitplätze der Region ausgebaut hätten, bleibt. Doch nach zwei Jahren verschwanden die Pferde. Stattdessen gibt es Pläne, über die Fischer und Sievert-Fischer nur den Kopf schütteln können: „Wir sind entsetzt.“

Entsetzt, weil sie fürchten, dass der „landschaftlich wunderschöne“ Hof zu einem gewerblichen Großprojekt verkommt. Nichts anderes lesen sie aus dem jüngst vorgestellten Masterplan für das Areal heraus (wir berichteten). Und das, so die Einschätzung der früheren Eigner, könne kaum mit den Anforderungen an Bauvorhaben im Außenbereich einhergehen, der zudem Landschaftsschutzgebiet ist.

Wie sensibel das Thema Bauen im Außenbereich ist, weiß das Ehepaar spätestens seit etwa zehn Jahren. Seinerzeit wollten sie einen Altenteil errichten, hatten bereits die Fläche abstecken lassen. Doch die Stadt habe den Bau abgelehnt – eben mit Hinweis auf die besonderen Bedingungen für das Areal.


Ein Kritikpunkt ist Verkehr

Entsprechend skeptisch betrachten Fischer und Sievert-Fischer die geplante Reanimation des früheren Versorgungshofs, die Breimann und Architekt Heiner Limbrock mit dem Masterplan vorgelegt haben. Aus diesem gehe klar hervor, dass auf gewerblichen Handel, auf Lieferung und Verkauf von Fremdprodukten, gezielt werde, so Fischer. „Dieser Handel setzt natürlich zwangsläufig laufenden Verkehr voraus.“ Gleiches gelte für den Bau einer Brennerei, einer Bäckerei, einer Imkerei und anderer Erzeugereinheiten. Fischers Einschätzung: Dieses Konzept werde zu Restaurationsbetrieben und Parkplätzen in größerem Stil führen. Tatsächlich sind knapp 60 Parkplätze für Mitarbeiter und knapp 100 weitere, die auch für Maschinen genutzt werden sollen, bereits im Plan vorgesehen.

Dass die angedachte Ansiedelung unterschiedlicher Gewerke mit Paragraph 35 des Baugesetzbuchs vereinbar ist, der das Bauen im Außenbereich regelt, bezweifelt Fischer. Ebenso Versuchsküche, Workshops, Schulungen und Seminare. Mindestens problematisch für den Außenbereich nennt Fischer ein Großgewächshaus für Bäume und eine Multifunktionshalle sowie den Rangierraum für landwirtschaftliche Fahrzeuge, von denen ebenfalls im Masterplan die Rede ist. Zudem fänden sich an zahlreichen Stellen Hinweise auf größere Gebäude, ohne dass allerdings Maße angegeben würden. Nicht zuletzt blicken die Haidehof-Anwohner auch mit Sorge auf die Allee mit teils mehr als 100 Jahre alten Bäumen, die von der Ecke Wespenstieg / Moorweg zum Hof führt. Der Masterplan zeigt an dieser Stelle ein dreireihiges Band kleiner Kugelgewächse: „Man wird sich doch nicht von diesen riesigen alten Bäumen trennen wollen“, sagt Sievert-Fischer.

Im jüngsten Planungsausschuss war das Echo auf den Haidehof-Masterplan grundsätzlich positiv. Nur vereinzelt kamen skeptische Einwürfe, eben was Verkehr und die Allee (Grüne) sowie die Dimension der Tierhaltung (Linke) angeht. Ausschusschef Michael Schernikau (CDU) wies indes auch darauf hin, dass eben die planungsrechtliche Prüfung noch ausstehe.

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