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Wedel-Schulauer Tageblatt

16. August 2017 | 19:37 Uhr

Vorstoss : Grüne wollen Tempo 50 im Canyon

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ist das der Abschied von der Schnellstraße?

Wedel/Rissen | Nachdem in den beiden Vorjahren Ideen der Bezirksversammlung Altona, einen Blitzer auf der B431 in Richtung Wedel vor dem Rissener Canyon einzurichten, gescheitert waren, unternahmen die Grünen nun den dritten Anlauf. „Der Canyon wird zur Belastung“ hatte die Fraktion ihren „Dringlichen Antrag“ an die Bezirksversammlung Altona betitelt. Klare Forderung: Die Innenbehörde wird aufgefordert, die Anordnung für den Canyon auf Tempo 50 zu reduzieren. Zudem soll die Verwaltung zwei Blitzer am Beginn und Ende der jetzigen Tempo-80-Zone einrichten.

„Es gibt keinen Grund auf einer so kurzen Strecke von etwa zwei Kilometern so schnell zu fahren“, sagte Eva Botzenhart, stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende. 50 Stundenkilometer würden für weniger Lärm und Emissionen sowie für einen stetigen Verkehrsfluss sorgen. „In Wirklichkeit wird deutlich schneller gefahren, als es die Anordnung vorsieht“, so Botzenhart. „Drastische Geschwindigkeitsüberschreitungen sind an der Tagesordnung. Unfälle mit Verletzten oder sogar Toten sind keine Seltenheit“, sagte Botzenhart.

Mit Zahlen belegen konnte sie die Begründung nicht. „Das wurde mir von Anwohnern berichtet. Recherchiert habe ich das nicht“, räumte sie auf Nachfrage unserer Zeitung ein. Dafür betonte sie die Gefährdung von Passanten und Radfahrern – vor allem im Kreuzungsbereich. „Da sind einige Anwohner auf uns zugekommen“, sagte Botzenhart.

Die aktuellen Zahlen sprechen eine andere Sprache. Laut Axel Bastian, Leiter Prävention und Verkehr im Polizeikommissariat 26, wurden im Canyon von Januar 2014 bis 11. März 2017 29 Verkehrsunfälle verzeichnet. Bei sieben seien 14 Personen verletzt worden, drei davon schwer. Tote gab es nicht. Zu den Unfallursachen sagte Bastian: „In neun Fällen wurde eine überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit als unfallursächlich vermerkt.

Unfallzahlen und Tempo laut Polizei nicht auffällig

„Die Unfalllage hat sich nicht signifikant geändert und entspricht dem Niveau vergleichbarer Hauptverkehrsstraßen“, hieß es bereits 2016 in der Stellungnahme der Polizei. Zudem hätten 24 mobile Geschwindigkeitsmessungen 2015 Überschreitungen auf einem „leicht erhöhten Niveau“ ergeben, die aber Messungen auf vergleichbaren Straßen entsprechen. Schlussfolgerung daher: „Die Erkenntnisse rechtfertigen derzeit keine Errichtung einer stationären Geschwindigkeitsmessanlage.“

„Nicht die Grünen, sondern deren Beobachtungen und Anträge werden zur Belastung“, kritisierte Tim Schmuckall, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, die Pläne. Er erinnerte an die Widmung der B  431 als Schnellstraße. „Damit wurde ein Kompromiss mit den Bürgern geschaffen, um eine leistungsfähige Alternative zur Beruhigung des Ortskerns zu schaffen“, sagte Schmuckall und ergänzte an Botzenhart gerichtet: „Wenn Sie das Tempo reduzieren, erreichen Sie nur, dass Sie Verkehre haben, wo Sie sie nicht wollen. Ihr Antrag ist ziemlicher Mumpitz.“ Botzenhart war schon während der Sitzung zurückgerudert und hatte vorgeschlagen, den Antrag erneut im Verkehrsausschuss zu beraten.

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erstellt am 05.Apr.2017 | 16:00 Uhr

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