Wedels großem Denker zu Ehren : Gründung der Johann-Rist-Gesellschaft

In der Rolandstadt kann man jetzt bereits auf dem „Johann-Rist-Weg“ wandeln, der auch am Lieblingsplatz des Geistlichen am Elbufer vorbeiführt. Matthias Dworzack (v. l.), Erhard Felske und Arno Schöppe wollen die Öfffentlichkeit vor allem mit der Vielseitigkeit von Rists geistigem Schaffen bekannt machen.
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In der Rolandstadt kann man jetzt bereits auf dem „Johann-Rist-Weg“ wandeln, der auch am Lieblingsplatz des Geistlichen am Elbufer vorbeiführt. Matthias Dworzack (v. l.), Erhard Felske und Arno Schöppe wollen die Öfffentlichkeit vor allem mit der Vielseitigkeit von Rists geistigem Schaffen bekannt machen.

Die eigentliche Gründung soll im Herbst erfolgen. Konzerte, Vorträge und Konferenzen über den Pastor sind geplant.

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10. Juli 2015, 12:15 Uhr

Wedel | Es ist nicht mehr der gleiche Blick auf die Elbe, wie ihn noch Johann Rist im 17. Jahrhundert hatte. Kein Kraftwerk, kein Willkomm Höft verstellte damals die Aussicht, wenn der gelehrte Pastor auf dem Hügel saß, den er selbst nach dem antiken Musenberg „Parnaß“ nannte. Ein inspirierendes Panorama ist es dennoch. Gerade für Arno Schöppe, Matthias Dworzack und Erhard Felske. Das Trio hat große Pläne, um Rists Andenken verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Das gewählte Mittel: die bevorstehende Gründung einer Johann-Rist-Gesellschaft. Der Rat hat bereits grünes Licht gegeben, die Rolandstadt wird dem Verein als förderndes Mitglied symbolisch beitreten.

„In Wedel ist viel dafür getan worden, das Werk von Johann Rist darzustellen und zu würdigen. Über Wedel hinaus ist die Wirkung dieser Bemühungen aber begrenzt“, betont Felske. Von einer angemessenen Würdigung des Lebenswerks des klugen Geistlichen soll umgekehrt auch die Kommune profitieren. Schöppe: „So wie der Michel ein Wahrzeichen von Hamburg ist, könnte Rist eines für Wedel werden.“

Um das zu erreichen, haben die drei viel vor. Konzerte, Vorträge, Konferenzen und Festivals schweben den Gesellschaftsgründern vor. Dazu könnten Kurse über Rists Werke an der Musikschule oder Workshops zu Literatur und Theater an anderen Bildungseinrichtungen der Rolandstadt kommen.

Rists Interessen bekannter machen

Die Veranstaltungen sollen auch dazu dienen, das weite Spektrum von Rists Interessen bekannter zu machen. Der Pastor verfasste nicht nur seine berühmten geistlichen Gedichte an und schrieb Kirchenlieder. Er beschäftigte sich darüber hinaus mit Mathematik, Chemie, Theologie und Botanik. Rists enorme Vielseitigkeit sei den Gesellschaftsgründern bei der 700-Jahr-Feier der Immanuelkirche, wo der Pastor wirkte, bewusst geworden. 2013 fand zudem eine internationale Tagung in Hamburg statt. Schöppe, Felske und Dworzack knüpften bei dieser Gelegenheit auch Kontakte zu Johann Anselm Steiger, Professor für Kirchengeschichte in Hamburg. Steiger wäre bereit, im Beirat der Gesellschaft zu wirken. Die offizielle Gründung soll im Herbst erfolgen, so Felske. Die Mitgliederversammlung würde dann den Vorstand wählen. Felske: „Wir haben bereits einige Kandidaten.“ Über die ersten konkreten Veranstaltungen beraten die drei Initiatoren derzeit intensiv.

Angesichts der schwierigen Haushaltslage wird es allerdings wohl vorerst bei der weitgehend moralischen Unterstützung der Stadt bleiben. Bis zu 100 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr sei man bereit zu zahlen, mehr jedoch nicht. Die Rist-Gesellschaft muss daher an anderen Stellen Fördergelder und Sponsoren auftreiben. Vielleicht finden Schöppe, Felske und Dworzack Inspirationen, wenn sie vom „Parnaß“ auf den weiten Strom der Elbe blicken.

Johann Rist wurde am 8. März 1607 im heutigen Hamburger Stadtteil Ottensen geboren. Er besuchte das Johanneum in Hamburg, später das Gymnasium illustre in Bremen. Er studierte Theologie in Rostock und Rinteln. 1635 wurde er Pastor in Wedel. Rist gilt als bedeutenster protestatischer geistlicher Dichter des 17. Jahrhunderts. Er schrieb Gedichte und Texte für kirchliche Lieder. Das Weihnachtslied „Brich an, du schönes Morgenlicht“ wurde im Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach vertont. 1660 gründete er den Elbschwanenorden, eine Gesellschaft, die sich der Pflege der deutschen Sprache widmete. Beim Einfall der Schweden verlor Rist durch Plünderungen seine wertvolle Bibliothek und im Zweiten Nordischen Krieg 1658 noch einmal alles Hab und Gut. Der Pastor starb am 31. August 1667 in Wedel.
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