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Wedel-Schulauer Tageblatt

14. Dezember 2017 | 05:45 Uhr

Wedel : Große Strahlkraft der Schachblume

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Botanikfreunde reisen zum traditionellen Fest aus ganz Deutschland nach Hetlingen. 116.000 Blüten zu bewundern.

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Das Purpur und Weiß des Hetlinger Schachblumenfests am alten Elbdeich hat gestern Liebhaber aus Nah und Fern angelockt. Zwar war die Blüte nicht so üppig wie in den vergangenen Jahren. Der Trend spricht aber für das Naturschutzprojekt.

Seelenruhig hockte Jürgen Bitzer am Rand der Schachblumenwiese und wartete, bis er die richtige Perspektive gefunden hatet. Der 82-Jährige aus Kempten war mit Ehefrau Ursula eigens für die Liliengewächse aus dem Allgäu nach Hetlingen gekommen. Vier Tage wollte sich der passionierte Naturfotograf in der Marsch den bedrohten Raritäten hin. Ihre Blüte ist kurz. Zum Gedeihen braucht es Naturbelassenheit. „Ich bin erstaunt und erfreut, wie viele Blumen es sind“, sagte Bitzer. Vergangene Woche hat sich das Mitglied Deutscher Tierfotografen noch die Schachblumen-Population im Hessischen Sinntal angesehen. Dort gebe es nur etwa 20 Prozent so viele Exemplare wie in Hetlingen.

Dabei ist es ein schwaches Hetlinger Jahr, wie Jochen Steinhardt-Wulff weiß. Der Experte der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Haseldorfer Marsch (Arge), die die 60.000 Quadratmeter große Fläche betreut, zählt jedes Jahr auf einem 56 Quadratmeter kleinen Stück die Anzahl und rechnet hoch. 108  hat er dafür gezählt. Schätzungsweise seien es diesmal also 116.000 Blumen. Vergangenes Jahr hatte es mit etwa 240.000 mehr als doppelt so viele gegeben. Dennoch stimme der Trend und weise auf die nachhaltige Wirkung des Schutzprojektes hin: In den 1990er-Jahren hatte Steinhardt-Wulff noch beständig weniger als 100 Schachblumen gezählt. Das Interesse am Fachwissen des Haseldorfers war groß. Elke Bartels aus Bargteheide erklärte er, warum niemand die Liliengewächse erforscht: Vom Samen bis zur Blüte dauert es vier Jahre – zu viel Aufwand für eine Diplomarbeit. Warum es keine Mischformen von Weiß und Purpur gibt? Man weiß es nicht. Auch der Einfluss des Wetters auf die Schwankungen und den Zeitpunkt der Blüte liege im Dunkeln. Steinhardt-Wulffs Vermutung diesmal: Der kalte, trockene Wind habe im Frühjahr über die Pflanzen „gezaust“. Seine Stimme wurde dabei mitleidend zärtlich.

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