Musikzyklus nach Erich Kästner komponiert : Große Resonanz auf „Die dreizehn Monate“ in Wedel

Freuten sich über Applaus und schöne Rosen: Pianistin Irmgard Treutler (von links), die Sängerinnen Marie Krawietz und Alena Bruhin sowie Komponist Professor Wolfgang-Andreas Schultz.
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Freuten sich über Applaus und schöne Rosen: Pianistin Irmgard Treutler (von links), die Sängerinnen Marie Krawietz und Alena Bruhin sowie Komponist Professor Wolfgang-Andreas Schultz.

Große Resonanz auf öffentliche Premiere der Kästner-Gedichte-Komposition von Professor Wolfgang-Andreas Schultz.

shz.de von
24. Januar 2018, 12:00 Uhr

„Erich Kästner kannte ich eigentlich nur durch seine Kinderbücher“ gestand Professor Wolfgang-Andreas Schultz bei der öffentlichen Premiere zu seiner Vertonung des Kästner-Gedichtzyklus „Die 13 Monate“ im Wedeler Musikzentrum Schulauer Hof. Musikzentrums Inhaberin Julia Bernhardt hatte vor Beginn noch ordentlich Stühle schleppen müssen, so viele musikbegeisterte Besucher waren gekommen, um das jüngste Werk des renommierten Wedeler Komponisten mitzuerleben.

Ob es nun die Begeisterung für die zeitgenössische Schöpfungen des Professors oder die Verehrung für Kästners heiter-melancholische Gedichte, die die vielen Gäste in den eher sachlichen Raum mit der Neonbeleuchtung lockte, konnte nicht geklärt werden. Fest steht, dass das Konzert für beide Liebhaber spannende Aspekte bot. Schultz hat sich sorgfältig den 13 Monaten genähert, sie ganz auf seine persönliche Art mit Tönen, Rhythmik, seinen Gedanken, Höhen und Tiefen umwoben. Da klirren im Januar hörbar die Eiskristalle: „Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege. Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald . . .“

April mit spirituellem Choral

Den April unterlegt der Komponist mit einem spirituellen Choral „Christ ist erstanden“, obwohl Kästner im April Gedicht sich über die Osterhasen amüsiert, die Eier aus Nougat, Krokant und Marzipan legen und „der Tapferste“ sogar eine Bonbonniere. Der Mai bekam mit Improvisationen von Mozarts „Komm, lieber Mai, und mache“ seinen besonderen Ausdruck. Er habe versucht, den Humor Kästners einzufangen, so Schultz, und sei sich dabei wie ein Renaissance-Maler vorgekommen. Die voluminöse Dramatik seiner Komposition beeindruckte, unterstrichen von den beiden Sängerinnen, die allerdings die heitere Seite der Kästnerschen Lyrik mit strengem Trauerfeier-Ausdruck auf den Gesichtern auch nicht aufhellen konnten.

Eine großartige Leistung von Alena Bruhin und Marie Krawietz, beide Studentinnen an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, an der auch Schultz lehrte, war das Lernen der 13 durchaus nicht leichtgewichtigen und eingängigen Texte, die sie ohne Text- und Notenbuch vortrugen – leider nicht immer gut verständlich. Da wurden vor allen Dingen bei Bruhin schon mal „Zeiten“ zu „Zoiten“.

Bemerkenswert auch das Klavierspiel von Irmgard Treutler, die sich mit viel Empathie zu Schultz’ Komposition einbrachte. Denn der mochte das Spiel am Flügel nicht übernehmen, einige Stellen seines Werkes seien doch „eine echte Herausforderung“.

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