Größter und letzter Sieg der Indianer

Den Anstoß, das Buch zu schreiben, bekam Arne Köhler von einem Crow-Indianer.
Den Anstoß, das Buch zu schreiben, bekam Arne Köhler von einem Crow-Indianer.

Arne Köhler hat sein Wissen in ein Buch gepackt

shz.de von
20. Januar 2018, 16:00 Uhr

„Wenn man sich für Indianer interessiert, landet man zwangsläufig bei der berühmtesten Schlacht des Wilden Westens“, das ist für Arne Köhler selbstverständlich. Der Wedeler begeistert sich von klein auf für Indianer. Und hat die Leidenschaft nie verloren. Jetzt hat der Familienvater, der im echten Leben im Armaturenhandel für den Schiffsbau tätig ist, ein Buch über den „Mythos Little Bighorn“ geschrieben – und selbst herausgegeben. Nach seinen Recherchen die erste Publikation in Deutschland, die sich vollumfänglich und ausschließlich um die vernichtende Niederlage dreht, die die Sioux und Cheyenne am 25. / 26. Juni 1876 der US-Armee bereiteten. „Die Armee ist aufgerieben von ein paar wilden Indianern“: Ein Trauma für die Amerikaner, das Köhler in der Wucht der Erschütterung, die es auslöste, mit dem heutigen 9 / 11 vergleicht. „Fast jeder Amerikaner fährt da einmal im Leben hin“, weiß der 48-Jährige.

„Ich habe Fußball oder Cowboy und Indianer gespielt und schon immer sehr viel gelesen“, berichtet der Indianer-Fan über seine Kindheit. Nicht nur durch Bücher, auch über die Fernsehserien aus den 1980er Jahre habe er viel über den Wilden Westen gelernt. Der junge Köhler hatte also Interessen, wie eigentlich alle Kinder sie damals hatten. Was bei ihm allerdings anders war: Er hat dieses starke Interesse an den Indianern nie verloren. Seine Leidenschaft ist nicht versiegt. „Ich war auch als Jugendlicher schwer damit beschäftigt“, sagt er und lacht.

Dann kamen Beruf, Freundin, Frau und Kind, die ihn doch zu einer Zwangspause nötigten. Aber das Internet und eine Amerikareise 2006 brachten ihn auf die Spur zurück. Neben Los Angeles und San Francisco stand damals auch Montana auf dem Routenplan der Familie. Der zweiteilige Nationalpark dort, der mitten im heutigen Crow-Indianer-Reservat liegt, beherbergt die Gedenkstätten der Schlacht um Little Bighorn. „Das Gebiet ist übersät von weißen Grabsteinen“, erzählt Köhler. Denn jeder Soldat bekam an die Stelle einen Stein hingesetzt, an der er gefallen war. Die Aura sei unbeschreiblich. „Wenn man einmal an dem Ort war, lässt einen das nicht mehr los“, sagt Köhler beeindruckt.

Die Idee, ein Buch über das Thema zu schreiben, entstand während des zweiten Amerikaaufenthalts. Eigentlich ist das Crow-Gebiet zwischen den zwei Nationalparkflächen nicht zugänglich, erzählt Köhler. Es sei denn, man bekommt eine Einladung von einem Indianer, dort gemeinsam hindurchzureiten. „Das war ein Traum von mir.“ Mit seinem Sohn zusammen macht Köhler den Traum wahr.

Mit seinem Gastgeber kam er dabei ins Fachsimpeln. Bücher über die Schlacht gebe es in Amerika mehrere Hundert. „Wieviele gibt es in deutscher Sprache?“, fragte ihn der Indianer. „Nach meiner Meinung kein einziges“, antwortete Köhler. „Dann schreib es doch selbst, weil du so viel weißt“, forderte der ihn auf. „Das war der Auslöser“, erinnert sich der Wedeler.

2017 ist er zum Abschluss des Buches ein drittes Mal hingereist. Um Fotos zu machen und sich mit anderen Autoren auszutauschen. Kontakt besteht Dank der sozialen Medien bereits seit längerem. Köhler ist natürlich viel in Diskussionsgruppen und Foren unterwegs, die sich um sein Herzensthema kümmern. Über das Netz hat er auch bereits fünf Wochen nach Erscheinen 50 Exemplare von „Mythos Little Bighorn“ verkauft. „Reich werden will ich damit nicht“, bekennt der Autor. Neben der vielen Recherchearbeit habe ihm in allererster Linie das Schreiben sehr viel Spaß gemacht.

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