„Es gibt sehr viele Betroffene“ : Gottesdienst für Demenzerkrankte in Haseldorf

Mit Seidentüchern werden die Gottesdienstbesucher zum Mitmachen animiert: Pastor Helmut Nagel (von links), DRK-Ortsverein-Vorsitzende aus Hetlingen Bettina Seifert, Altentherapeutin Nina Berg und DRK-Ortsverein-Vorsitzende aus Haseldorf Angelika Nielsen möchten Betroffenen Mut, Freude und Trost spenden.
Mit Seidentüchern werden die Gottesdienstbesucher zum Mitmachen animiert: Pastor Helmut Nagel (von links), DRK-Ortsverein-Vorsitzende aus Hetlingen Bettina Seifert, Altentherapeutin Nina Berg und DRK-Ortsverein-Vorsitzende aus Haseldorf Angelika Nielsen möchten Betroffenen Mut, Freude und Trost spenden.

Kirchengemeinde St. Gabriel veranstaltet Gottesdienst für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen in Haseldorf.

shz.de von
14. März 2018, 16:00 Uhr

Haseldorf | „Wir möchten die Angst nehmen, die viele Leute aus ganz naheliegenden Gründen haben“, sagt Nina Berg, Altentherapeutin aus Hetlingen. „Demenz sieht man keinem Menschen an. Das macht es so schwierig, damit umzugehen.“ In einem Gottesdienst speziell für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen möchte die Kirchengemeinde Haseldorf-Hetlingen den Betroffenen Mut machen. Los geht es am kommenden Sonntag, 18. März, um 15 Uhr in der Haseldorfer St.-Gabriel-Kirche, Marktplatz 1a.

Kein weiterer Gottesdienst wird an diesem Tag in dem Gotteshaus gefeiert. „Es soll eine Art Tankstelle für alle sein. Wir würden uns freuen, wenn alle Besucher unserer regulären Gottesdienste sich auch diesem besonderen anschließen, dann können wir alle gemeinsam feiern und die Zeit genießen“, erklärt Pastor Helmut Nagel. Im Anschluss sind alle Teilnehmer zu Kaffee, Kuchen und netten Gesprächen in das Gemeindehaus eingeladen.

Rund 1,2 Millionen Deutsche sind an Demenz erkrankt. „Das Thema ist seit einigen Jahren virulent, besonders seit der Erscheinung des Filmes „Honig Im Kopf. Ich finde, dort ist sehr schön gezeigt, dass diese Krankheit das Leben nicht nur verdunkelt. Demenzerkrankte sind so unglaublich ehrlich, auf eine sehr liebenswürdige Weise“, so die Altentherapeutin. Die Idee zu dieser Veranstaltungsform hatte Berg selbst vor drei Jahren. Seitdem findet der Gottesdienst zwei Mal im Jahr statt. „Ich habe durch meine Arbeit als Altentherapeutin logischerweise mit älteren Menschen zu tun, viele davon sind an Demenz erkrankt. Und viele äußerten mir gegenüber immer wieder den Wunsch, noch einmal in einen Gottesdienst gehen zu können.“ Die Idee des Demenzgottesdienstes war geboren. Berg wandte sich an Nagel, der das Thema von Anfang an unterstützte. Nagel: „Ich denke, das Wichtigste ist, dass die Leute die Schwellenangst überwinden. Sich trauen, zu diesem Gottesdienst zu kommen. Und hier werden sie dann merken, dass sie nicht alleine sind. Es gibt sehr viele Betroffene. Wir möchten trösten, aber nicht nur das Traurige an diesen besonderen Situationen unterstreichen, sondern auch Freude übermitteln.“ Die Ortsverbände des Deutschen Roten Kreuzes wurden mit ins Boot geholt und sorgen stets vor, während und nach des Gottesdienstes für die Betreuung. „Das ist eine der großen Stärken auf dem Land: Das Miteinander steht bei uns an erster Stelle“, sagt Nagel.

Der Gottesdienst selbst wird nicht gewöhnlich sein. „Die Länge ist angepasst auf zirka 30 bis 35 Minuten. Zudem wird es interaktiv. Wir bekommen unter anderem von Sportvereinen Seidentücher gestellt, mit denen Sitztanz gemacht werden kann“, schildert der Pastor. Berg führt aus: „Außerdem werden wir mit einem Beamer Bilder zeigen, mit denen Bewegungen assoziiert werden, die wir alle dann zusammen ausführen.“ Auch ein Fahrservice steht zur Verfügung. Bis Freitag, 16. März, können sich Interessierte unter Telefon (0 41 29) 2 41 anmelden.

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