zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

23. Oktober 2017 | 10:41 Uhr

Wedel : Glanzvolle Premiere im Theater

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Rosengarten-Mimen überzeugen mit dem Stück „Der Biberpelz“.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Wedel | „Man muss nicht nur seinen Text auswendig können, sondern seine Rolle wirklich spielen“, erklärte eine Besucherin der Premiere von „Der Biberpelz“ im Theater Wedel an der Theaterstraße und fügte hinzu: „Das macht sie grandios.“ Das Sonderlob ging in Richtung von Erika Wildgruber, die als Hauptfigur Waschfrau Wolff in der Adaption der Diebeskomödie von Gerhart Hauptmann überzeugte.

„Ich habe Erika so ziemlich von Anfang an als Mutter Wolff gesehen. Das war etwas, was ich schon seit Jahren machen wollte“, erklärte Intendant und Regisseur Günter Hagemann. Mit „Der Biberpelz“ erfüllte er sich einen lang gehegten Regiewunsch – musste aber einiges am Stück ändern. Im Original von Hauptmann ist die Geschichte im Brandenburgischen Land angesiedelt. Hagemann verlegte das Stück in das kleine Dorf Stör – 15 Kilometer nordöstlich von Neumünster – und baute entsprechende plattdeutsche Passagen ein. Diese kamen immer dann zum Einsatz, wenn keine preußischen Bediensteten wie Amtsvorsteher von Wehrhahn (gespielt von Marko Lohmann) oder Amtsschreiber Glasenapp (gespielt von Wim Remmers) anwesend waren, oder um diese zur Verzweiflung zu bringen. Wo im Original über die Bundeshauptstadt Berlin gelästert wird, hieß es bei der Premiere: „Was hier gestohlen wird, geht alles nach Hamburg. Da wurde der Pelz schon verkauft, bevor wir wussten, dass er gestohlen wurde.“

Hauptmanns Komödie gilt als sozialkritisches Drama und Millieustudie, die der Epoche des Naturalismus zugeordnet wird. Für diesen typisch wird in dem Stück, das 1893 uraufgeführt wurde, die soziale Wirklichkeit ungeschönt wiedergegeben. Mittendrin ist „Mutter Wolff“, die schlagfertig, schlau und listig versucht, ihr Einkommen aufzubessern, damit sie das eigene Haus abbezahlen und ihrer Familie etwas gönnen kann.

Sie ist die zentrale Figur, die die Familie lenkt und vor allem ihren schwerfälligen und ängstlichen Ehemann Julius Wolff (gespielt von Bernd Weber) klar im Zaum hat. Zunächst versorgt sie ihre Familie mit „Knüppelholz“ und später macht sie einen entwendeten Biberpelz zu Geld. Die preußischen Ermittler stürzen sich lieber auf den von Kai Nerger gespielten Privatgelehrten Dr. Fleischer, um ihm Majestätsbeleidigung nachzuweisen, statt sich um den Pelzdiebstahl zu kümmern. In einer grotesken, parodistischen Verhandlung kann Mutter Wolff mit Pfiffigkeit jeglichen Verdacht von sich abwenden. Die Diebstähle werden nicht aufgeklärt.

Zu seiner Hauptdarstellerin, die durch das gesamte Stück führt, sagte der Regisseur: „Ein bisschen Glück gehört auch dazu. Erika ist gesund und munter, hatte keine Urlaubspläne.“ Denn das Ensemble am Theater Wedel ist groß wie selten. Zwölf Darsteller sind während der zwei Stunden auf der Bühne zu sehen. Zehn weitere werkeln hinter den Kulissen und sorgen unter anderem für die beiden Bühnenbilder, die während der Aufführung drei Mal wechseln. „Für ein Amateurtheater wie uns ist das eine echte Herausforderung“, erklärte Sabine Semprich, Zweite Vorsitzende des Theaters Wedel. Da nicht alle Darsteller dauerhaft verfügbar sind, muss das Stück, das bis zum 20. Dezember aufgeführt wird, vom 7. bis 15. November pausieren. Dann wird noch einmal „Gretchen 89 ff.“ aufgeführt. Bis dahin wird „Der Biberpelz“ wohl noch einige Male Standing Ovations ernten – wie bei der Premiere.

Es spielen: Kirsten Cok, Doris Jankowski, Marko Lohmann, Wolfgang Muschter, Kai Nerger, Hans-Michael Reimer, Wim Remmers, Gerhard Seel, Wolfgang Siegmund, Ann-Marie Speer, Bernd Weber, Erika Wildgruber; Beleuchtung/Ton: Tim Landsberger, Tobias Röhling, Jonas Sorgenfrei; Regie: Günter Hagemann. „Der Biberpelz“ wird am 3., 10., 11., 12., 17., 18., 24., 25. Oktober sowie 14., 15., 21. und 22. November aufgeführt. Die Karten kosten 14,50 Euro. Auszubildende und Studenten zahlen neun Euro. www.theater-wedel.de
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen