Sandabtrag am Strand : Giftschlick in Wedel? Die Grünen schlagen Alarm

Durch anhaltenden Sandabtrag wird zunehmend zäher, schwarzer Schlick im Strandbad freigelegt. Die Grünen fordern eine unverzügliche Untersuchung auf mögliche Gesundheitsrisiken.
Durch anhaltenden Sandabtrag wird zunehmend zäher, schwarzer Schlick im Strandbad freigelegt. Die Grünen fordern eine unverzügliche Untersuchung auf mögliche Gesundheitsrisiken.

Die Verwaltung soll Proben für elbetypische Problemstoffuntersuchung ziehen lassen.

shz.de von
06. März 2018, 12:45 Uhr

Wedel | Sandabtrag an Wedels Elbufer und kein Ende: Die Grünen schlagen Alarm, weil die Fluten mittlerweile nicht nur in rasantem Tempo Strand mit sich nehmen, sondern damit auch etwas freilegen, was sie mit tiefer Sorge betrachten: zähen schwarzen Schlick.

„Er ist von komplett anderer Konsistenz als der Strandsand“, sagen Grünen-Ratsfrau Petra Kärgel und ihre Mitstreiterin Inge Zeißler. Sie macht bereits seit vergangenem Sommer auf das Problem aufmerksam. Mittlerweile sei das Niveau am Ufer so niedrig, dass sich auch Schlick aus der Fahrrinne ablagere, so die Beobachtung der Wedelerinnen. Sie konstatieren: „Es ist Fakt, dass Elbschlick unter anderem durch ungefilterte Einleitung aus Industrieanlagen des ehemaligen Ostblocks hoch belastet sein kann. Wie weit sich dieser mit marinen Sedimenten aus der Nordsee bei Wedel mischt, ist unklar. Der freiliegende Schlick könnte also ein Gesundheitsrisko darstellen. Das muss dringend ergründet werden.“

Strandsaison naht

Denn mit dem Frühling naht die Strandsaison, in der „wieder viele Familien und Touristen unseren (ehemals) schönen Elbstrand besuchen, barfuß im Wasser herumschlendern, Kleinkinder sich Schlammschlachten liefern“. Vor diesem Hintergrund beantragen die Grünen unverzüglich eine Schadstoffuntersuchung von Schlick und Sand am Strandbad vorzunehmen, „um eventuelle Gesundheitsrisiken abschätzen zu können“, so Kärgel und Zeißler.

„Wir hoffen natürlich, dass alle Ergebnisse unbedenklich sind. Falls der Schlick aber doch zu hohe Schadstoffgehalte aufweisen sollte, müsste die Verwaltung zügig Maßnahmen ergreifen, um eine Gefährdung von Mensch, Tier und Umwelt auszuschließen.“

Ein entsprechender Antrag geht in den nächsten Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss. Besonders vom freiliegenden schwarzen Schlick im Bereich zwischen Hafenmole und Beachclub sollten Proben für eine elbetypische Problemstoffuntersuchung gezogen werden, fordern die Grünen, und nennen PCB, Dioxine, DDT sowie giftige Schwermetalle als Beispiele.

Wohin ist der Sand verschwunden?

Zudem wollen die Grünen von der Verwaltung Auskunft darüber, wie viel Strand und wohin der Sand verschwunden ist. Ferner sollen Ursache das Abtrags und mögliche Maßnahmen zur Verlangsamung oder Verhinderung aufgezeigt werden. Und schließlich soll die Stadt auch die Kostenfrage beleuchten, respektive die der finanziellen Zuständigkeit für notwendige Sandaufspülungen oder Uferbefestigungsmaßnahmen.

Die haben Wedel in jüngerer Vergangenheit schon einmal eine Stange Geld gekostet: In der Januar-Sitzung des Bauausschusses hatte die Verwaltung die jüngste Aufspülung vor wenigen Jahren mit 250 000 Euro beziffert. Auf die Grünen-Forderung nach neuen Aufspülungen und Drängen auf eine Kostenbeteiligung von Hamburger Seite hatte Bauamtschefin Gisela Sinz-König in dem Ausschuss erklärt: Zunächst müsse der Sandabtrieb gestoppt und eine nachhaltige Lösung gefunden werden, um wiederkehrende teure Sandaufschüttung zu vermeiden.

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