GHS setzt auf Fördern und Fordern

In der Oase und der Oase + werden temporär Schüler individuell betreut, die entweder Hilfe oder Anregung benötigen

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01. Februar 2018, 16:00 Uhr

Die Vision: eine Individualisierung des Lernens. Der Weg dorthin: Oase und Oase +. „Jeder Schüler muss authentisch lernen können“, fordert Andreas Herwig-Soroka, Leiter der Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS). Um dem gerecht zu werden, setzt die Wedeler Gemeinschaftsschule nicht nur auf Förderung, sondern seit Beginn dieses Schuljahrs auch aufs Fordern.

Seit aus der Integration die Inklusion für die Regelschulen geworden ist, müssen die Einrichtungen mit den Schülern mit besonderem Förderbedarf im Unterricht umgehen. Die Lösung heißt in der Regel Doppelbesetzung. Sonderschulpädagogen aus der ehemaligen Pestalozzi-Förderschule betreuen ihre Schützlinge jetzt innerhalb der Regelklassen. Aber auch darüber hinaus ermöglichen die Schulen, dass immer wieder zwei Lehrkräfte den Unterricht gestalten.

Dem Kollegium der GHS war das allerdings nicht genug. Die Schule suchte nach einem weiteren Konzept, die Inklusion voranzutreiben – und erfand die so genannte Oase. „Wir haben schon immer mehr gemacht“, sagt Katharina Werner, Koordinatorin der Oase, und lacht. Die Oase sind zwei extra Räume neben der Schulsozialarbeit gelegen, in der Kinder temporär gezielte Förderung bekommen. On Top zur Doppelbesetzung, erklärt die Lehrerin. Der Extraunterricht für eine bestimmte Zeitspanne ist in den meisten Fällen kurzfristig geplant und angemeldet, kann aber auch als Soforthilfe in Anspruch genommen werden.

Eine Win-Win-Situation für alle, erläutert Werner. Die Schüler mit besonderem Förderbedarf können sich auch einmal unter Gleichen vergleichen, die Sondersituation in der Regelklasse, die auch ein Stempel sein kann, entfällt. „Und auch für den Rest der Regelklasse ist das Konzept ein Gewinn“, versichert die Koordinatorin. „Auch die Binnendifferenzierung gerät an Grenzen“, gibt Schulleiter Herwig-Soroka zu bedenken.

Da die Individualisierung des Lernens nicht nur in eine Richtung geht, war es der „absolut logische Schluss“ für die GHS, dass es neben der Fördermaßnahme Oase auch eine zweite Anlaufstelle geben muss, die sich um besonders begabte Schüler kümmert: eine Oase +. Immer nur Extraaufgaben verteilen, damit sich die Kinder im Unterricht nicht langweilen, wird denjenigen, die besonders auffassungsstark sind und schnell lernen, nicht gerecht. Die Lösung liegt nicht nur im Mehr. Sie liegt mitunter im Anders. Das gelte es durch individuelle Beratung herauszufinden, erläutert Werner.

Bei Luca Marie Saß (15) und Janina Ngoyen (16), zwei von 17 Schülern, die zurzeit in der Oase + betreut werden, hat das gut funktioniert. Sie sind mit den Anregungen sehr zufrieden, die sie bekamen. Saß hat sich besonders im Deutschunterricht gelangweilt. Sie besitze einen weit größeren Wortschatz als Gleichaltrige, erzählt sie selbstbewusst. Zurzeit bringt die 15-Jährige sich die Gebärdensprache bei. Ihr Interesse an Sprache und Kultur kann sie in einem von der Schule vermittelten Kontakt zu einer Studentin in Myanmar ausleben, der sie auch hilft, das Englisch zu verbessern. Ngoyen langweilte sich generell, berichtet die 16-Jährige. Ihre naturwissenschaftlichen Interessen finden jetzt neue Nahrung in Astrophysik und Astronomie, dem sie im schleswig-holsteinischen Enrichment-Programm nachgeht.

Die Verbesserung der Kommunikation innerhalb des Kollegiums und zwischen Lehrerschaft und Schülern ist ein positiver Nebeneffekt, der sich mit der Einführung von Oase und Oase + eingestellt hat. „Unser oberstes Ziel bleibt, dass alle in einer Klasse unterrichtet werden“, betont Herwig-Soroka. Aber der Schulleiter mahnt auch: „Wir haben es mit einer großen Heterogenität zu tun.“ Der soll mit der Idee vom Fördern und Fordern Rechnung getragen werden.

Dass der Weg „nicht so verkehrt“ sein kann, wie Werner es bescheiden formuliert, zeigt eine Auszeichnung, die der Schule heute Nachmittag überreicht wird. Die GHS hat den Metaplan Innovationspreis 2018 für ihr Oasen- Konzept bekommen. Ob es allerdings Bronze, Silber oder Gold wird, steht noch nicht fest.

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