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„L’art pour L’art“ : Gewagte Gitarrenexperimente

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Musikschulleiter Michael Schröder veröffentlicht mit dem Ensemble „L’art pour L’art“ das neue Album „Some kind of way out of here“.

Jede CD, die Michael Schröder, Leiter der Musikschule Wedel, in den Händen hält, ist ein Unikat. „Sowas gab es vermutlich noch nie“, sagt der Musiker des Ensembles „L’art pour L’art“ (Kunst um der Kunst willen), das mit seiner neusten Veröffentlichung zunächst optisch für einen Hingucker sorgt. Die Front wurde vom Künstler Wolfgang Kahle gestaltet. Jede Hülle wurde individuell mit Thermofarbe bemalt. „Wenn man das Cover mit dem Föhn erwärmt, soll es seine Farbe ändern“, sagt Schröder und ergänzt: „Ausprobiert habe ich es allerdings noch nicht.“

Die CD, die als Titel das Jimi-Hendrix-Zitat „Some Kind of way out of here“ trägt, entstand im Frühjahr 2014 im alten Sendesaal von Radio Bremen. „Der hat eine wunderschöne Akustik“, schwärmt Schröder. Rund eine Woche dauerten die Aufnahmen. Zwei Tage spielte er seine Parts auf einer akustischen und einer E-Gitarre ein. Besonders sei ihm aber ein Experiment mit zwei Framus-Gitarren im Gedächtnis geblieben. „Wir haben die tiefen Saiten beider Gitarren mit einer dünnen Saite verbunden, mit der wir uns gegenseitig und unser Spiel beeinflussen konnten“, so Schröder. Was schon in der Produktion ausgefallen klingt, ist auch musikalisch etwas anders, als der Titel verspricht.

„Anstellen und nebenbei Frühstück machen, geht bei dieser Form der Musik nicht“, warnt Schröder und fügt grinsend hinzu: „Dann kann sie echt nerven.” Die Zuhörer müssten sich auf die Musik einlassen. „Die Sounds sind schon cool“, ist sich der Gitarrist sicher. Die Musik sei von Menschen gemacht. „Auch wenn es oft anders klingt und viele meinen, es wäre elektronisch eingespielt.“ Sechs Stücke sind auf der CD zu finden – 8:22 Minuten bis 18:24 Minuten lang. Also dezent über der Maximallänge für Radiohits von 3:30 Minuten. „Ins Radio werden wir es wohl nicht schaffen. Das ist keine Rock-CD, sondern richtig experimentelle Musik“, erläutert Schröder. Warum dann das Hendrix-Zitat als Titel? Schröder schaut erstaunt: „Jimi Hendrix nicht zu mögen, das wäre schräg!“ Gleiches gelte übrigens für Frank Zappa – eine Leidenschaft, die ihn mit Schlagzeuger Matthias Kaul verbinde, der die Idee zu der aktuellsten Produktion hatte. In der CD findet sich mit dem Schriftzug „Zapp“ auch ein Hinweis auf Zappa. Zudem sind die Konturen von Ex-Beatle John Lennon zu erkennen. Zumindest in der Version, die Schröder in diesem Moment in den Händen hält. Für ihn beginne der künstlerische Prozess damit, sich mit dem Komponisten auseinanderzusetzen. Daher habe das Ensemble oft Werke lebender Künstler interpretiert: „Da kann ich fragen, was er oder sie sich gedacht hat. Den ollen Bach kann ich nicht mehr fragen. Da muss jeder Musiker spekulieren oder recherchieren wie andere meinen, wie Bach seine Stücke gesehen hat.“

Schröder gründete das Ensemble zusammen mit Kaul vor 31 Jahren. Seitdem habe das Ensemble, das derzeit aus sechs Mitgliedern besteht, einmal die Welt umrundet, hunderte Konzerte spielte. Zuletzt tourten die Musiker durch Asien und spielten vor allem vor Kompositionsstudenten an den Universitäten. „Was die dort an den Unis für Konzertsäle haben, ist der Wahnsinn“, erinnert sich Schröder. Vor zwei Jahren spielten sie in New York und San Francisco. Die Eintrittskarte für den Klub „Roulette“ in Brooklyn steht noch bei Schröder im Büro. „Hinzu kamen kleine Festivals der Avantgarde-Szene“, so der Wedeler. Die Produktion ist die zehnte Produktion der Musiker. „Walking north.north“ mit Werken von Makiko Nishikaze war 2009 die letzte Veröffentlichung. Schröder stutzt und greift in einen CD-Stapel. „Stimmt nicht. 2013 kam ja noch ‚Haltbar gemacht‘“, sagt Schröder und hält die Kinderkompositions-CD in den Händen, die 2013 mit dem Echo ausgezeichnet wurde. Zudem gab es für das Album den „Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik“. Die aktuelle Produktion ist übrigens für den „Kritikerpreis Stiftung Musik“ nominiert. „In den nächsten Tagen soll da die Entscheidung fallen“, freut sich Schröder. Ein anderes Engagement geht gerade zu Ende: Schröder spielt heute im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel Gitarre und begleitet als Teil des Orchesters den oscarprämierten Stummfilm „The Artist“ ein letztes Mal auf der Gitarre.

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