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Ausstellung in Wedel : Gesellschaft und Werte im Wandel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ernst Barlach Museum eröffnet am Sonntag, 31. August, neue Doppelausstellung: „Wang Shugang“ und „Beijing Berlin Projekt“.

Wedel | Im Wedeler Ernst Barlach Museum stehen am Sonntag, 31. August, gleich zwei wichtige Punkte auf dem Programm: Zum einen wird die Doppelausstellung „Wang Shugang, Skulpturen“ und „Beijing Berlin Projekt“ eröffnet. Zum anderen erhält der chinesische Künstler Shugang den mit 5000 Euro dotierten Ernst Barlach Preis 2014.

Beiden Ausstellung gemein ist die Auseinandersetzung und Verschmelzung europäischer und asiatischer Kultur. Shugang setzt sich in seinen Werken mit dem kulturellen Dialog zwischen China und Europa auseinander sowie mit dem Verhältnis von Individuum und Kollektiv in der Gesellschaft. Shugang, Jahrgang 1960, studierte an der Central Academy of Fine Arts in Peking Bildhauerei. Nach seinem Abschluss wurde er als Mitarbeiter des Pekinger Stadtplanungsbüros verpflichtet. Doch er wollte als freier Künstler wirken und entschied sich nach nur einem Jahr zu kündigen. 1989 zog es ihn nach Deutschland, rund zehn Jahre lebte und arbeitete er als Bildhauer im Ruhrgebiet. 2000 kehrte er – mit seiner deutschen Frau Julia – in seine Heimat zurück. Über seinen Aufenthalt in Deutschland sagte er später, er habe hier gelernt, „was es heißt, einsam zu sein“.

Individuum und Kollektiv als Thema

Unter dem Titel „Das Ich im Wir“ wurden seine Werke 2010 in der Deutschen Botschaft in Peking ausgestellt. Dieses zentrale Thema – gemeinsam und einsam, Kommunismus und Kapitalismus – formuliert der Künstler mit klaren, reduzierten Formen.

„Sein Leben in Deutschland hat ihn geprägt und schmerzlich erleben lassen, dass die individuelle Freiheit des Einzelnen gleichzeitig auch den Verlust von Gemeinschaft und Zusammenhalt bedeutet“, sagt Museumsleiterin Heike Stockhaus. In China gebe es nach Shugangs Auffassung diese Art von Verlust noch nicht. „Der Preis der Geborgenheit besteht eben in dem Uniformitätsdruck des Kollektivs“, sagt der Künstler. Der Bildhauer nähere sich den rasanten Umbrüchen der chinesischen Gesellschaft aus vielen Perspektiven. „Mit seinen Werken diskutiert er die Entwicklung, die zu einer drastischen Veränderung ökologischer, urbaner und sozialer Landschaft geführt hat und durchleuchtet die Möglichkeiten und Grenzen eines solch immensen Wandels kritisch“, so Stockhaus.

Dabei erfinde er eine symbolhafte Farben- und Formensprache: Der Bildhauer fertigt seine Skulpturen aus Polyester in rot oder schwarz sowie aus Marmor oder Bronze an. „Einerseits erinnern sie an seriell hergestellte Industrieprodukte, andererseits sind sie sowohl von europäischer Figuration des 20. Jahrhunderts als auch von buddhistischer Ikonografie beeinflusst“, sagt Stockhaus.

Beim „Bejing Berlin Projekt“ wirken die Künstler Andreas Amrhein, Tan Ping, Rüdiger Schöll und Kang Jianfei mit. Sie lernten sich 1989 an der Hochschule der bildenden Künste Berlin kennen. Sie strebten eine „Zusammenarbeit im weltumspannenden Sinn“ an. Gemeinsam schaffen sie seither graphische Arbeiten mit Druckplatten, in Deutschland Radierungen, in China Holzschnitte. Größe und Anzahl der Druckplatten ist festgelegt, um sie beim Druckprozess übereinanderzulegen. Das Spannende daran: Das Zufallsprinzip bestimmt die Kompositionen, die einzelnen Werke auf den Druckplatten verschmelzen zu einer.

Am Sonntag, 31. August, um 12 Uhr erhält Shugang bei der Vernissage den Ernst Barlach Preis. Die Laudatio hält Gregor Jansen, der Direktor der Kunsthalle Düsseldorf. Der Botschafter der Volksrepublik, China Shi Mingde, wird anwesend sein. Jürgen Doppelstein von der Ernst Barlach Gesellschaft und Bürgermeister Niels Schmidt begrüßen die Gäste. Der Kurator des „Beijing Berlin Projekts“, Alexander Ochs, wird in die Ausstellung einführen.

Öffnungszeiten: Das Ernst Barlach Museum, Mühlenstraße 1, in Wedel ist  Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18  Uhr geöffnet. Für angemeldete Gruppen und Schulklassen von 9 bis 19 Uhr. Anmeldungen werden telefonisch unter (0 41 03) 91 82 91 oder per E-Mail an kontakt@ernst-barlach.de entgegengenommen.

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erstellt am 06.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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