Gemeinsam gegen Plastik

Sieht so Bioabfall aus? Mit der Initiative wollen Unternehmen auf das Problem des Mikroplastiks im Müll aufmerksam machen.
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Sieht so Bioabfall aus? Mit der Initiative wollen Unternehmen auf das Problem des Mikroplastiks im Müll aufmerksam machen.

23 Abfallwirtschaftsbetriebe aus Norddeutschland starten Kampagne „#wirfuerbio“ für saubere Bioabfälle

shz.de von
16. Mai 2018, 15:10 Uhr

Norddeutschlands Abfallwirtschaftsbetriebe räumen auf in der Biotonne. Erstmalig wird gemeinsam eine große Informations- und Aufklärungskampagne gestartet, um die Plastiktüte und die kompostierbare Plastiktüte aus den Biotonnen zu verbannen. Denn nach wie vor bilden diese noch immer den größten Störstoffanteil im Bioabfall.

„Damit wird ein eigentlich zu 100 Prozent biologischer und verlustfreier Energiekreislauf maßgeblich gestört“, erklärt Jens Ohde, Geschäftsführer des Umwelt Service der Gesellschaft für Abfallwirtschaft (GAB) in Tornesch. Er ergänzt: „Aus Plastiktüten wird weder Bioenergie noch Qualitätskompost.“

Aktuell 23 Betriebe aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern starten seit gestern gleichzeitig die Kampagne unter dem Motto „#wirfuerbio – Biomüll kann mehr“. Unterstützt wird die Aktion auch seitens der Politik: Schirmherr der Kampagne ist Robert Habeck (Grüne), Umweltminister und stellvertretender Ministerpräsident Schleswig-Holsteins.

Die Betriebe wollen ihre Kräfte bündeln. Gemeinsam soll die Verunreinigung des mit Mikroplastik verseuchten Bioabfalls – beispielsweise auf Äckern oder im Grundwasser – minimiert werden. Außerdem soll die Qualität der gewonnenen Komposterde verbessert werden.

„Auch uns ist bewusst, dass es nicht zu den angenehmsten Aufgaben im Haushalt zählt, den Bioabfall zu entsorgen“, heißt es seitens der GAB. Um die Menschen aber wachzurütteln, habe man sich gemeinsam mit der Agentur Schweitzermedia einiges überlegt: Aufkleber für Tonnen, klassische Plakate, aber auch Videos und Beiträge für die sozialen Medien sowie ein Radiospot werden geschaltet. Auch die Lebensmittelbranche ist dabei. So unterstützt beispielsweise Ex-St. Pauli-Coach Holger Stanislawski mit seinem Rewe-Markt in Hamburg die Abfallwirtschaftsbetriebe.

„Wir werden im Zuge der Kampagne eine Menge erleben“, ist sich Geschäftsführer Ohde sicher. Außer der Initiative hat die GAB zudem gestern seine neue Vergärungsanlage eingeweiht. Das Zehn-Millionen-Euro-Projekt soll ebenfalls dabei helfen, hochwertigen Kompost aus Bioabfällen zu erzeugen – und zudem Biostrom für die Region zu produzieren.

Tobias Goldschmidt, Staatssekretär für Energiewende, zeigte sich beeindruckt: „Die Kampagne und die neue Anlage sind ein wichtiger Schritt im Umweltschutz.“ Seite 10

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