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Wedel-Schulauer Tageblatt

20. August 2017 | 22:00 Uhr

Gemeinsam gegen die Abhängigkeit

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Wedeler Guttempler-Gruppe unterstützt seit 35 Jahren Menschen beim Kampf gegen Alkohol- und Drogensucht

Seit fast genau zehn Jahren ist Joachim Markgraf trocken. Dennoch betont der Wedeler: „Ich bin immer noch alkoholkrank.“ Die Sucht wird ihn ein Leben lang begleiten. Die Kontrolle über sein Leben hat er mit Hilfe anderer Menschen wieder erlangt. Auch deswegen unterstützt er nun andere Süchtige bei ihrem langen Weg. Markgraf ist Leiter der Wedeler Guttempler-Gruppe, die seit 35 Jahren in der Rolandstadt tätig ist.

Die Gesprächsgruppe gründete Inge Jakisch im Februar 1981. Inge Petersen war damals schon dabei, sie wollte sich informieren, wie ihren Mann bei seinem Kampf gegen die Alkoholsucht unterstützen könnte. Sie erinnert sich: „Am Anfang habe ich mich kaum getraut, etwas zu sagen. Aber ich habe zugehört und mir irgendwann gedacht: Wenn alle anderen das schaffen, kann ich mich auch äußern.“

Bis heute bietet die Guttempler-Gesprächsgruppe auch Angehörigen von Suchtkranken eine Anlaufstelle. Das Thema ist keineswegs nur Alkohol. Auch wer von anderen Substanzen oder von Glückspiel abhängig ist, findet ein offenes Ohr. Das Grundprinzip der Arbeit hat sich in den vergangenen 35 Jahren kaum geändert. Zuhören, über eigene Probleme sprechen, gegenseitige Hilfe. „Unsere Tür steht immer offen“, betont Markgraf. Wer Unterstützung brauche, müsse nur über die Schwelle treten und zunächst zuhören. „Der Rest kommt dann von allein“, so der Gruppenleiter. Alles was in der Sitzung besprochen werde, sei absolut vertraulich.

Die meisten neuen Mitglieder der Gruppe haben zunächst eine stationäre Entgiftung hinter sich. „Das dauert meist 21 Tage“, so Markgraf. Nachdem die massiven körperlichen Entzugssymptome überwunden seien, beginne der lange Weg zur Trockenheit. Eine Faustregel sei, dass die jetzt trockenen Alkoholiker zirka ein Jahr bräuchten, um ihr Leben wieder in Ordnung zu bringen. In den Kliniken werde den Patienten bereits empfohlen, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Die Guttempler in Wedel erhalten so im Durchschnitt 15 Neuzugänge im Jahr. Wer unter dem Entzug leidet oder Angst hat, rückfällig zu werden, kann diese Probleme ansprechen und erhält moralische Unterstützung sowie Ratschläge von Personen, die Ähnliches selbst durchgemacht haben.

Die Gruppenleiter erhalten alle außerdem eine qualifizierende Suchthelferausbildung. „Wir besuchen insgesamt 130 Stunden an Seminaren, später gibt es immer wieder Auffrischungskurse“, sagt Markgraf. Fortbildungen werden über den Landesverband der Guttempler organisiert. Die Gruppe steht außerdem in engem Kontakt mit der Sucht- und Drogenberatung. Wer intensivere Hilfe benötige, werde für Einzelgespräche weitervermittelt. Für akute Notfälle gibt es bei den Guttemplern ein Telefon, das 24 Stunden am Tag besetzt ist. Falls es doch einmal zu einem Rückfall kommt, ist die Maxime klar: Das kann passieren. Die Gruppe bereite ihre Mitglieder auch auf solche Situationen vor. Toleranz und Vertrauen seien wichtig. Markgraf ist vom Grundsatz überzeugt: „Es ist keine Schande suchtkrank zu sein, es ist nur eine Schande, nichts dagegen zu tun.“

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erstellt am 26.Feb.2016 | 16:00 Uhr

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