Gemeinsam gegen das Grundwasser

Untersuchung von Möglichkeiten der Absenkung und Krisengipfel beschlossen

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24. November 2018, 16:00 Uhr

Durchfeuchtete Keller und Tiefgaragen: Nicht nur zahlreiche Bürger, auch die Stadt selbst hat am ZOB und im Rathaus mit gestiegenem Grundwasser zu kämpfen. Der Bauausschuss hat der Problem jetzt raus aus dem Untergrund und auf die Agenda der Verwaltung gehoben: Einstimmig haben sich die Fraktionen hinter einen Vorstoß der SPD gestellt, wonach die Stadt beauftragt wird, das Grundwasser auf das Niveau vor der Schließung der Brunnen des Möller-Wasserwerks im Jahr 2015 dauerhaft abzusenken. Dazu soll es spätestens im Februar einen Grundwasser-Gipfel geben, an dem neben der Interessengemeinschaft betroffener Bürger auch die zuständige Umweltbehörde des Kreises eingeladen werden soll. Zudem soll die Verwaltung alle bisherigen Erkenntnisse über die Ursachen, Auswirkungen und mögliche Gegenmaßnahmen darlegen.

Einen Teil davon hatte Bauamschefin Gisela Sinz bereits während der Sitzung verlauten lassen. Unter anderem durch Zitate aus einem Schreiben an Ute Heldt, die für die Interessengemeinschaft noch einmal den Ernst der Lage schilderte und dafür warb, gemeinsam Lösungen zu finden und zügig umzusetzen. „Wir fürchten um unsere Häuser, unser Zuhause“, so Held. Sie machte deutlich, dass sich Betroffene von Stadt und Kreisbehörden alleingelassen fühlen. Es müsse etwas Grundsätzliches geschehen, Einzellösungen seien für die Hausbesitzer „ausgesprochen teuer und nur Flickwerk“, mahnte Heldt.

Sinz machte ihrerseits mit besagtem Schreiben deutlich, dass es bereits erste Erkenntnisse gebe. Etwa dass angesichts komplexer geologischer Gegebenheiten im Wedeler Stadtgebiet unterschiedliche Ursachen für den Grundwasseranstieg anzunehmen seien. Eine sei die Stilllegung der Möller-Brunnen. Auch jede Baugrube führe jedoch zu Veränderungen in den Grundwasserleitern, die ebenfalls zu durchfeuchteten Kellern führen könnten. Zudem spiele auch das Wetter eine Rolle. Eine Ableitung des Wasser habe die Untere Naturschutzbehörde auf Nachfrage ausgeschlossen, ebenso eine künstliche Absenkung des Grundwasserpegels. Was bleibe, seien Einzelmaßnahmen etwa mithilfe von Pumpen und Drainagen.

Ein Hoffnungsschimmer sei indes die Suche von Hamburg Wasser nach Möglichkeiten, neue Brunnen in Betrieb zu nehmen. Bürgermeister Niels Schmidt habe bereits Gespräche mit dem Versorger geführt. Aktuell würden städtische Flächen auf mögliche Quellen untersucht.

Petra Kärgel (Grüne) merkte zu einem von Heldt angeführten Gutachten der Pharmafirma Medac an, die ebenfalls Durchfeuchtungsprobleme hat: „Das wäre eine Grundlage, die wir bräuchten. Insbesondere wenn das Ergebnis ist, dass der Anstieg durch die Brunnen-Stilllegung kommt. Ich denke, wir wollen alle eine Lösung und möchten, dass die Verwaltung solche Erkenntnisse mit uns teilt.“

Sinz machte klar, dass die Stadt das Gutachten aus Datenschutzgründen nicht herausgeben dürfe. Heldt wies darauf hin, dass es auch ein Konzept zum Ausstieg aus der Wasserförderung von Möller gebe, das dem Kreis vorliege. Auch der gebe das Papier nicht frei.

Stephan Schwartz (CDU) drängte darauf, „Transparanz zu schaffen.“ Zumal das Thema „zu spät in den Ausschuss getragen wurde“, kritisierte Kärgel und pochte auf einen zeitnahen Sitzungstermin. Wolfgang Rüdiger (SPD) erinnerte daran, dass seine Partei das Thema bereits vor einem halben Jahr vorgebracht habe. „Schlimm, dass die Leute allein gelassen werden“, so Rüdiger.

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