„Codewort Doppelkopf“ : Gelungene Uraufführung in Wedel: Spiel mit den Klischees

Bei bohrenden Nachfragen der Polizei laufen die Altenheimbewohner phantasietechnisch zu Hochtouren auf.
Bei bohrenden Nachfragen der Polizei laufen die Altenheimbewohner phantasietechnisch zu Hochtouren auf.

Unter den Augen von Autorin Ise Papendorf wurde im Theater Wedel erfolgreich Premiere gefeiert.

shz.de von
28. Mai 2018, 12:00 Uhr

Wedel | Für die erste Aufführung ihres Stücks „Codewort Doppelkopf“ war Autorin Ise Papendorf extra aus Köln nach Wedel gekommen. Schon 2015 hatte sie das Stück beim Karl Mahnke Theaterverlag eingereicht, doch erst jetzt wurde es zum ersten Mal aufgeführt. Laut der 31-Jährigen sei dies bei noch wenig bekannten Autoren aber nicht ungewöhnlich. „Ich hatte zwei Jahre nichts mehr mit dem Stück zu tun und bin ganz aufgeregt, wie es jetzt inszeniert wird“, sagte sie vor der Premiere.

Das Stück überzeugte vor allem durch die starken Charaktere. Besonders der fast taube und sehr vergessliche Opa Hajo (Michael Reimer) brachte das Publikum immer wieder mit seiner liebenswürdigen Art zum Lachen. Die anderen Hauptpersonen verkörperten ebenfalls alle ein bestimmtes Alte-Leute-Klischee, wie den griesgrämigen Opa, die alte Frau am Fenster, die fürsorgliche Oma oder den dickbäuchigen Golfer. 

Gezielte Überspitzung

Durch die gezielte Überspitzung der Charaktere entstand eine Komik, der sich keiner der 112 Zuschauer im ausverkauften Theater entziehen konnte. Gelungen abgerundet wurde das Zusammenspiel durch den hilfsbereiten Pfleger Jens, der es immer schaffte, im ungünstigsten Moment aufzutauchen. Auch die eigentlich absurd klingende Geschichte, dass fünf Senioren eine Bank überfallen, um genug Geld beisammen zu bekommen, damit die demente Freundin Gerda im Heim bleiben kann, passte zum Charakter des Stückes.

Bei der Planung für den Banküberfall bewältigten die fünf Senioren allerlei Schwierigkeiten des Alters: „Wer soll das Fluchtauto fahren? Ich habe meinen Lappen vor 15 Jahren nach dem dritten Herzinfarkt abgegeben“, fragte Walter, der sich immer wieder so aufregte, dass das Gefühl entstand, der nächste Infarkt könnte bald folgen.

Oma Rosi in Höchstform

Nach dem gelungenen Banküberfall gerieten die Charaktere auch mal aneinander, standen aber direkt wieder zusammen, als eine Polizistin im Altenheim auftauchte. Doch auch diese Situation meisterte die Gruppe, weil die eigentlich schüchterne Oma Rosie auf einmal zur Höchstform auflief und der Beamtin mehrmals dreist ins Gesicht log.

„Wenn man weiß, dass die Autorin zur Prämiere kommt, dann ist man natürlich noch einmal extra nervös“, sagte Regisseur Günter Hagemann. Laut Papendorf gab es dazu aber keinen Grund: „Ich finde das Stück wurde sehr schön und professionell umgesetzt.“

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