Ganz unten - Obdachlose bekommen Hilfe

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19. Juni 2013, 01:14 Uhr

Wedel | Zurzeit ergeht es den Obdachlosen in Hamburg den Umständen entsprechend gut. Zahlreiche Tafelangebote, Beratungsstellen oder Hilfesysteme wie zum Beispiel Hinz & Kunzt helfen den Obdachlosen auf dem Weg in einen erträglichen Alltag.

Schweigen kam auf, als wir Michelle (20) fragten, wie es zur Obdachlosigkeit kam. Erst nach kurzer Stille kam die Antwort: ,,Ich hatte viele Familienprobleme. Mein Vater ist abgehauen, als ich 14 war." Erschrocken hörten wir zu. Mit 16 Jahren kam sie auf die Straße. "Eigentlich wollte ich meinen Schulabschluss noch machen. Aber, nun ja. So läuft das Leben." Als ihr Vater ihre Familie verlassen hatte, kamen immer mehr Probleme auf. Ihrer Mutter ging es in dieser Zeit sehr schlecht, und Michelle fühlte sich mit der Sorge um ihre Mutter überfordert. "Ich beschloss, abzuhauen und versuchte, mich in der Schweiz durchzuschlagen. Das Leben dort war unerträglich und so beschloss ich, nach Freiburg zu gehen. Nachdem ich dort Mist gebaut hatte, ging ich zurück in die Schweiz. Nach einem halben Jahr erzählte mir meine Freundin, dass sie auf ihrem Bahnticket nach Hamburg noch einen Platz frei hat, ich beschloss diese Chance zu ergreifen. Seitdem lebe ich in Hamburg und bin hier sehr glücklich. Mein Ehemann Alex, der ebenfalls obdachlos war, unterstützt mich sehr, da ich ja hier in Deutschland kaum Rechte habe. Hinz & Kunzt hat mir bei diesem Aufstieg geholfen."

Michelles Fall ist nur einer von vielen Obdachlosenfällen in Hamburg, denn eine aktuelle Studie besagt, dass rund 1030 Menschen, darunter 766 Männer und 218 Frauen, obdachlos sind. Jeder vierte Obdachlose stammt nicht aus Deutschland. Jeder dritte hat keine Krankenversicherung. Die Zahlen sprechen für sich. Zum Vergleich: zirka 1,802 Millionen Menschen leben in Hamburg.

Aufgrund der miserablen Lebensverhältnisse suchen viele Obdachlose Unterstützung bei der Hilfsorganisation Hinz & Kunzt. Das ist ein Straßenmagazin, das von obdach- oder wohnungslosen Menschen in der Region Hamburg vertrieben wird und seit November 1993 monatlich in dem gemeinnützigen Verlag Hinz & Kunzt GmbH erscheint. Neben der Straßenzeitungsverkaufbranche gilt Hinz & Kunzt unter anderem als gemeinnützige Einrichtung, die Obdachlosen auf dem Weg in einen erträglichen Alltag unterstützt.

Die Idee kam aus London. Dort verkaufen Obdachlose das Magazin The Big Issue. Bei Hinz & Kunzt verkaufen Wohnungs- und Obdachlose ein professionell geschriebenes und gestaltetes Magazin. Der Erlös wird zwischen dem Projekt und dem Verkäufer geteilt. Statt Almosen zu empfangen, verkaufen sie ein Produkt, das alle Menschen anspricht und miteinander ins Gespräch bringt. Bislang sind mehr als 14 Millionen Zeitungen verkauft und rund 5500 Verkäuferausweise ausgestellt worden. Hinz & Kunzt hat gut 500 Verkaufsplätze akquiriert und ebenso viele Verkäufer.

"Dank Hinz & Kunzt habe ich nun endlich wieder eine Wohnung", sagt Alex (26), Mann von Michelle, glücklich. Gründe für die Wohnungslosigkeit sind meist in jedem Fall individuelle Geschichten, zum Beispiel bei Jugendlichen ist es Streit im Elternhaus. Sie kommen zunächst bei Freunden unter, finden aber auf Dauer keine eigene Wohnung beziehungsweise haben kein Einkommen für diese.

Bei Männern sind meist berufliches Scheitern oder Beziehungsprobleme Auslöser für die Obdachlosigkeit. Außerdem gibt es in Hamburg eine ansteigende Verknappung von Wohnraum. Dort lebt auch eine stark wachsende Gruppe von osteuropäischen Obdachlosen, zum Beispiel aus Polen, Bulgarien oder Rumänien. Diese kommen meist auf Arbeit suche nach Hamburg, doch sie finden meist nur Arbeit zu niedrigen Arbeitslöhnen, mit denen sie keine Wohnung finanzieren können. Trotz zehn bis 20 Euro Einkommen pro Tag können sich Michelle und ihr Ehemann Alex mit Hilfe von Hinz & Kunzt eine Wohnung leisten. Nun leben sie gemeinsam in einer Wohnung und führen ein besseres Leben als auf der Straße.

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