Ganz oben bei den großen Mädchen

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10. Oktober 2012, 01:14 Uhr

Wedel | Katharina Kühn wird am 1. Oktober 1980 als Tochter der Lehrerin Annette Kühn und des Arztes Dr. Detlef Kühn in Hamburg-Rissen geboren. Sie wächst mit ihrem ein Jahr älteren Bruder Christian in Wedel auf; zunächst in der Wiedetwiete, später zieht die Familie in den Egenbüttelweg. Eingeschult wird sie in der nahegelegenen Moorwegschule. Als hier eines Tages eine Basketball-Schüler-AG angeboten wird, entdeckt sie diese Sportart für sich. "Es hat einfach Spaß gemacht", sagt Katharina Kühn als Begründung, warum sie sich gerade für diese Sportart entschieden hat.

1989 wechselt sie zum Johann-Rist-Gymnasium und wird im selben Jahr Mitglied im Basketballverein SC Rist Wedel. Bereits zu dieser Zeit lernt sie, Sport und Schule zu verbinden und zeitlich zu koordinieren, so wie sie es später auch beruflich tun muss. Sie beginnt, schrittweise zu planen, "von Saison zu Saison", wie sie sagt. Bei ihren Schulkameraden ist Katharina beliebt, sie gehen ganz natürlich damit um, dass ihre Verpflichtungen im Sport und der Stundenplan nicht immer übereinstimmen. Katharina gelingt der Spagat zwischen Schule und Sport problemlos, sie macht 1999 ihr Abitur und besucht danach zunächst für ein Jahr die Fremdsprachenschule Colon in Hamburg. Im Anschluss studiert sie Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Personalwirtschaft und erhält 2007 ihr Diplom als Kauffrau.

Beim SC Rist durchläuft sie alle Jahrgangsstufen, spielt bereits mit 13 Jahren in der Jugendnationalmannschaft und an ihrem 15. Geburtstag das erste Mal in der 2. Bundesliga. Ein besonderes Ereignis in ihrer Sportlaufbahn ist für sie 1999 der Aufstieg ihres Heimatvereins SC Rist Wedel in die 1. Bundesliga.

Fünf Jahre lang spielt sie in der 1. Liga und wird bei Heimspielen in der Steinberghalle stets von vielen Wedelern, Freunden und ihrer Familie angefeuert. Nach dem Abstieg des SC Rist in die 2. Bundesliga wechselt Katharina Kühn während eines Urlaubsemesters 2004 als Profispielerin für ein Jahr nach León, 300 Kilometer nördlich von Madrid, direkt am Jakobsweg gelegen. Ihr gefällt die Lebensart und -freude der Spanier und die gute Gemeinschaft in ihrem neuen Team. Sie findet sich schnell zu-recht und schließt Freundschaften, die bis heute bestehen. Auch nutzt sie diese Zeit, um ihre Spanischkenntnisse zu erweitern.

2005 wechselt Katharina Kühn nach Wasserburg am Inn, dem Firmensitz des Hauptsponsors des aktiven deutschen Meisters im Damen-Basketball. Hier kann sie Beruf und Sport gut verbinden und findet zunächst durch ein Praktikum und später durch flexible Arbeitszeiten den Einstieg in ihre berufliche Laufbahn. Sie spielt in der 1. Bundesliga beim TSV 1880 Wasserburg, im Europapokal und parallel seit dem Jahr 2005 im A-Kader der Nationalmannschaft. Zwei Jahre ist sie Kapitän des Meisterteams. Mit der deutschen Nationalmannschaft qualifiziert sie sich im Sommer 2011 erneut für die Europameisterschaft in Polen. Für Katharina Kühn ein perfekter Zeitpunkt, um mit dem Leistungssport aufzuhören und nach Norddeutschland zurückzukehren.

Im Oktober 2011 beendet sie ihre Karriere nach über 200 Länderspielen im Jugendbereich und 70 Länderspielen im A-Kader der Nationalmannschaft, davon fünf Europameisterschaften. Sie wurde viermal deutsche Jugendmeisterin (SC Rist Wedel 1995 bis 1998), dreimal Deutsche Meisterin im Damenkader (TSV 1880 Wasserburg 2007, 2008, 2011), zweimal Pokal- und einmal Vizepokalsiegerin. Für ihren letzten Trainer Hans Brei war sie "eine der besten Centerinnen der Liga" und "eine der härtesten und kämpferischsten Spielerinnen, die der TSV Wasserburg je hatte." Für diesen Erfolg hat sie hart trainiert. Trotz mehrfacher Verletzungen hat sie sich immer wieder auf das Feld zurückgekämpft. Sie hat es geschafft, weil sie es wollte. Ihre Eltern haben sie dabei immer unterstützt, sie auf Reisen begleitet und bei Spielen im In- und Ausland mit der ganzen Familie besucht. Besonders gern jedoch hat ihr Vater bei Heimspielen oder Trainingsstunden in der Steinberghalle zugesehen. Katharina Kühn hat durch den Mannschaftssport Freunde fürs Leben gefunden. Egal, für welchen Verein sie gespielt hat und unabhängig von dem jeweiligen Standort - dadurch, dass sie immer in einer Gemeinschaft war, hat sie sich nie allein gefühlt.

Seit Oktober 2011 wohnt Katharina Kühn in Hamburg-Othmarschen und arbeitet als Personalreferentin in Glinde, beides jetzt "saisonunabhängig". Es ist ungewohnt für sie, Zeit zu haben - Zeit für sich und ihren Freund, für die Familie und für Freunde. Nach nur einigen Monaten offizieller Pause vom Basketballsport hatte Katharina Kühn bereits schon wieder Pläne: Um ihre Erfahrungen aus den 22 aktiven Basketballjahren an junge Spielerinnen weiterzugeben, trainiert sie seit August gemeinsam mit ihrem langjährigen Trainer Marc Köpp in Ahrensburg den weiblichen Nachwuchs der Bundesliga (WNBL) zieht seit September wieder das Trikot ihres Heimatvereins SC Rist Wedel an. Darauf freute sie sich besonders, denn die Gemeinschaft, die sie hier kennengelernt hat, hatte sie sonst nirgendwo wiedergefunden.

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