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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. November 2017 | 23:28 Uhr

Frischer Wind im Kästner-Klassiker

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

„Drei Männer im Schnee“ Publikum bejubelt Premiere im Theater Wedel / Hotelszenen mit herrlich schrägen Typen angereichert

Erich Kästner schrieb seinen Roman „Drei Männer im Schnee“ im Jahre 1934, die Weltwirtschaftskrise mit ihrer jahrelangen Massenarbeitslosigkeit war gerade vorüber. Da war die Geschichte vom hoch begabten jungen Werbefachmann, der keinen Job finden konnte, durchaus glaubwürdig. Und dann als armer Schlucker eine millionenschwere Braut zu finden, war sicher ein populärer Wunschtraum. Aber kommt die rührselige Story heute noch an? Darauf ließ es das Theater Wedel mit Günter Hagemanns Inszenierung der Bühnenversion ankommen.

Die Begeisterung des Publikums gab der Truppe Recht. Klatschend, johlend und trampelnd wurde die Premiere gefeiert. Die Freizeitmimen hatten sich diesen Lohn aber auch redlich verdient. Überzeugend der Geheimrat Schlüter (Wolfgang Mutschter), seines Zeichens Großindustrieller, der im Preisausschreiben seines Unternehmens Ferien in einem vornehmen Alpenressort gewonnen hatte und sich in den Kopf setzte, dort als armer Schlucker verkleidet einzuchecken. Ann-Marie Speer war die perfekte Besetzung für seine forsche Tochter Hilde, die den Papa vor schlechter Erfahrung bewahren will und deshalb die Hotelleitung alarmiert. Hoteldirektor Kühne (Fritz Peleikis) und sein Portier Polter (Hans Kall) sind aber die hochnäsigen Tollpatsche des Stücks und halten prompt einen weiteren Gewinner, den arbeitslosen Dr. Hagedorn (Alexander Jakimcio), für den Millionär. Den bedienen sie entsprechend fürstlich. Schlüter dagegen landet in einer kalten Dachkammer und muss alle möglichen Dienstleistungen erbringen.

Schlüters Kammerdiener Johann (Marko Lohmann) ist seinem Chef zwar sicherheitshalber nachgereist, wird von ihm aber zum Schweigen vergattert. In seiner Verzweiflung meldet er die Verwechslung an die Familie. Sofort machen sich Tochter Hilde und die resolute Hausdame Funkel (Angelika Reimer) auf den Weg ins Gebirge. Und da verliebt sich die junge Dame als erstes in den armem Dr. Hagedorn. Dessen schüchterne Reaktion ist geradezu rührend.

Umrahmt wird diese Haupthandlung von köstlichen Hotelszenen mit herrlich schrägen Typen, den exzentrischen Damen von Mallebré (Christine Küng) und Casparius (Sabine Semprich), dem stoischen Skilehrer Graswander Toni (Michael Reimer), dem cleveren Pagen Franz (Tim Landsberger oder René Zonak). Weitere Mitspieler sind Gerta Hellriegel, Renate Steinbach, Jens Lumpe und Bernd Ockelmann. Hagemann hat sie alle mit witziger Regie zusammengefügt. Sogar auf den Fahrstuhlführer hat er nicht verzichtet. Der sitzt stumm und brav in seiner Kabine und drückt die Etagenknöpfchen.

Das alles begeisterte die Zuschauer. Applaus gab es aber schon, als sich der Vorhang zum ersten Mal hob. Der galt den Bühnenbildern von Frank Dostal und Dittmar Tetzlaff.

 

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