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„Wir hatten Angst vor einem neuen Krieg“ : Friedensbewegung: 35 Jahre Ostermarsch in Wedel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Aufrüstung treibt die Menschen auf die Straßen.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 12:25 Uhr

Wedel | Seit 35 Jahren gibt es den Wedeler Ostermarsch. 1982 demonstrierten so erstmals Menschen für Frieden und eine waffenfreie Welt. Von Anfang an mit dabei: Marianne (87) und Günther Wilke (86).

„Die Wurzeln der Bewegung liegen in England“, erinnert sich Günther Wilke. 1958 marschieren Demonstranten von London zur Atomwaffenfabrik Aldermaston. Für die 80-Kilometer-Strecke benötigen sie vier Tage. Zwei Jahre später sind auch Deutsche auf den Beinen. Unter ihnen: die Wilkes. „Von Hamburg-Harburg ging es zum Truppenübungsplatz nach Bergen-Hohne in Niedersachsen und zurück“, erinnert sich Günther Wilke. Es ist die Geburtsstunde der deutschen Ostermärsche. „Auf der viertägigen Tour haben wir in Jugendherbergen, Turnhallen und Scheunen geschlafen“, sagt Marianne Wilke. Etwa 1000 Demonstranten nehmen an der Schlusskundgebung in Harburg teil. Die Stimmung ist fröhlich. Viele nehmen ihre Kinder mit. Auch die Wilkes haben ihren eineinhalbjährigen Sohn dabei. „Im Gegensatz zu den Brockdorf-Blockaden hat es bei den Ostermärschen nie Gewalt gegeben“, sagt Marianne Wilke.

Trotzdem ist die Sorge groß. „Konrad Adenauer hat die Atomwaffen verharmlost. Er hat sie als ,Weiterentwicklung der Artillerie’ bezeichnet. Der wusste nicht, wovon er redet. Die Blockkonfrontation spitzte sich zu. Wir hatten alle Angst vor einem neuen Krieg“, erinnert sich Günther Wilke. Tagelange Märsche übers Land sind schnell passé. „Das waren Demos für die Kühe“, lacht Marianne Wilke. Stattdessen protestieren sie in den Städten.

Musik ist eine wichtige Sache während der Demos. Diese undatierte Aufnahme stammt aus den 70ern. Sie entstand in Wedel.

Musik ist eine wichtige Sache während der Demos. Diese undatierte Aufnahme stammt aus den 70ern. Sie entstand in Wedel.

Foto: Friedenswerkstatt/Repro: Thieme
 

1982 ist es auch in Wedel so weit. Dort findet fortan einer von drei Märschen in Schleswig-Holstein statt. Es ist der Höhepunkt der Friedensbewegung. Die Menschen haben Angst vor der Neutronenbombe und vor Pershing-II-Raketen. Bis zu 700  000 Menschen gehen deutschlandweit auf die Straßen. Zwischen 100 und 200 sind es in Wedel. Von den 90ern an flaut das Intersse etwas ab. Doch Irmgard Jasker von der Wedeler Friedenswerkstatt sagt: „Die Themen Aufrüstung und Frieden sind wieder aktuell. Im letzten Jahr waren 250 Menschen dabei.“

Eine Farbaufnahme von 1983: In Wedel versammeln sich Demonstranten für den Ostermarsch.

Eine Farbaufnahme von 1983: In Wedel versammeln sich Demonstranten für den Ostermarsch.

Foto: Friedenswerkstatt/Repro: Thieme
 
Friedensnetzwerk ruft zur Demo auf

Der Kampf gegen Aufrüstung ist für die Friedensbewegung nötiger denn je. „Wir stehen vor einer Aufrüstungswelle“, sagt Peter Brandt, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Er wird einer der Redner sein, die beim Wedeler Ostermarsch am Sonnabend, 15. April, ans Mikrofon gehen.
Los geht es um 10 Uhr mit der Auftaktkundgebung. Außer Brandt sprechen Propst Thomas Drope und Uta Amer vom Friedensnetzwerk Kreis Pinneberg. Um 11 Uhr setzt sich der Protestzug in Bewegung. Unterwegs gibt es eine Friedenstauben-Luftballonaktion. Um 12 Uhr beginnt auf der Batavia das Friedensfest mit Diskussionsrunde, Kinderprogramm und Musik von der Oster-Körner-Band.
Irmgard Jasker von der Wedeler Friedenswerkstatt meint: „Nach Ende des kalten Krieges hatten wir auf eine Friedensdividende gehofft. Heute müssen wir stattdessen wieder auf die Straße gehen.“ Amer sagt: „Im Januar hat die Nato zahlreiche Panzer von Bremerhaven aus ins Baltikum geschickt. Es war die größte Truppenverlegung seit den 90ern.“

 
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