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Wedel-Schulauer Tageblatt

13. Dezember 2017 | 10:25 Uhr

Schüleraustausch : Fremde werden Freunde

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Zehn Schüler aus Istanbul sind in Wedel zu Gast. Mit dem Projekt sollen vor allem Vorurteile aus der Welt geschafft werden.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2014 | 13:30 Uhr

Wedel | Das erste Mal organisierte die Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule (EBG) einen Schüleraustausch mit der FMV Ayazaga Isik ilkokulu, einer Schule in Istanbul. Im März hatten zehn Achtklässler der EBG die 14-Millionen-Metropole am Bosporus erkundet. Jetzt gab es den Gegenbesuch.

Den 13- bis 15-jährigen türkischen Gästen wurde ein vielfältiges Programm geboten: Nachdem die Rolandstadt erkundet war, ging es mehrmals nach Hamburg. Dazu gehörte ein Besuch im „Phantom der Oper“, des Michels und ein Picknick in Steinwerder mit Spaziergang am Hafen. Außerdem waren die Jugendlichen im Heide-Park-Soltau. „Das hat mir am meisten Spaß gemacht“, sagte Aygen Berk Gürlü (13). Und gestern Nachmittag ging es bei bestem Wetter nach St. Peter Ording zum Wattwandern in der Dämmerung. „Ebbe und Flut, das kennen unsere Schüler gar nicht“, berichtete Lehrerin Elif Blaszczyk aus Istanbul.

Ziel des Projekts „Meine unbekannten Nachbarn“: Die Schüler sollten das jeweils andere Land nicht nur aus Schulbüchern oder dem Fernsehen kennen lernen. Es gehe darum Vorurteile abzubauen oder gar nicht erst entstehen zu lassen, so der stellvertretende EBG-Schulleiter Stephan Krumme: „Mit verklärtem Blick entstehen solche Vorurteile wie ’die nehmen uns den Job oder das Geld weg’.“ Krumme wechselte zum 1. Februar von Uetersen nach Wedel. Den Kontakt zur FMV hatte er bereits 2013 geknüpft. An der türkischen Schule wird Deutsch als Zweitsprache angeboten. Nachdem er zu einem Vorbesuch in Istanbul war und sich mit den Lehrerinnen unterhielt, war schnell klar: Das wird gemacht. Die Möglichkeit zum kulturellen Austausch bot auch die Förderung durch die „Robert Bosch Stiftung“. Konrektor Krumme möchte das Projekt gern dauerhaft anbieten.

Vor Abflug sollten die Schüler jeweils aufschreiben, was sie in dem anderen Land erwarten. „Ich dachte, es wäre hier viel strenger als bei uns in der Türkei“, sagte die 14-jährige Ipek Avcibasi. Und stellte jetzt in Wedel fest: „Dabei ist meine Familie zuhause viel strenger.“ Und der EBG-Schüler Bjarne Becker ging von „starkem Glauben und vielen Großfamilien“ aus. Manches stimmte, manches nicht.

Beiden Aufenthalten gemeinsam war, dass die Schüler vor Ort Straßen-Umfragen machten. In Deutschland sollten das vor allem Menschen mit Migrationshintergrund sein. Sie wollten wissen: Warum habt ihr eure Heimat verlassen? Was unterscheidet Türken von den Westeuropäern, was vermisst ihr? Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden ausgewertet und in beiden Schulen im Rahmen einer Ausstellung präsentiert.

Am Sonntag geht es nach einer ereignisreichen Woche gen Heimat. „Ich werde traurig sein, wenn wir fahren“, sagte Avcibasi. Und die Schüler beider Nationen sind sich einig: „Wir sind Freunde geworden, wollen uns wieder besuchen.“ So werden aus Fremden Freunde.

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