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Wedel-Schulauer Tageblatt

24. November 2017 | 21:41 Uhr

Freie Plätze bei den Wurzelkindern

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Waldkindergarten Noch vier Kinder können in der Heistmer Einrichtung mitmachen / Betreuungszeit von 8 bis 13 Uhr

„Ich mach einen Zwerg für meinen Geburtstag.“ Behutsam führt Mascha die Schneide des Schnitzmessers von ihrem Körper weg. Aus einem aufgelesenen kleinen Ast schneidet die Fünfjährige einen Zwerg mit Zipfelmütze und Nase, den sie anschließend kunstvoll bemalt. Als das Vorschulkind vor zwei Jahren in die Heistmer Waldkita Wurzelkinder kam, sprach sie kein Wort Deutsch, sondern nur Russisch und Armenisch. Heute kommuniziert sie akzentfrei mit den Spielkameraden, sehr zur Freude von Regina Kattoll. Derzeit betreut Katoll gemeinsam mit ihren Kolleginnen Katja Hirdes, einer ausgebildeten Waldorf-Erzieherin und Maren Mehrens 15 Jungen und Mädchen. Ergänzt wird das Team seit Jahren von Vera Nagel, die einen Außenarbeitsplatz von der Lebenshilfe hat.

Die Wurzelkinder erleben im Wald an der frischen Luft nicht nur ganzjährig kleine Abenteuer, sondern haben auch Kunstunterricht. Gerade haben sie Apfelmotive im Kartoffeldruck in Arbeit. Auch die Lampions für das traditionelle Laternenfest sind selbst gemacht. Auf die Grundschule werden die Mädchen und Jungen natürlich auch vorbereitet, sagt Kattoll, wie in herkömmlichen Kindergärten. „Bei uns gehen sie allerdings in die Waldschule“, sagt sie verschmitzt lächelnd.

Während andere Kitas meist Wartelisten führen, gibt es in Heist noch Platz für vier Wurzelkinder. „Unser Problem ist, dass immer mehr Eltern berufstätig sind“, berichtet Kattoll. Die Lütten werden zwar von 8 bis 13 Uhr betreut, aber vielen Eltern reiche das nicht. Wer sich dennoch für den etwas anderen Kindergarten entscheidet, ist familiär gut aufgestellt. „Ich habe meistens mit Omas und Opas zu tun“, sagt Kattoll. Auch helfen sich Mütter gegenseitig bei der Abholung.


Entspannt und entstresst


Bürgermeister Jürgen Neumann (CDU) steht hinter dem Konzept. „Ich bin ein absoluter Fan“, gesteht er. Seine beiden Enkel Jonne und Oke haben die Einrichtung auch besucht. „Sie sind entstresst und entspannt“, erläutert Neumann. Auch die Chefin der örtlichen Grundschule sei voll des Lobes. Sie könne deutlich erkennen, welche Kita ihre Schüler besucht hätten, berichtet der Bürgermeister. Er findet es super, dass es keine Schutzhütte gibt und die Kinder die Zeit unter einem Sonnensegel verbringen, das zugleich ein Regenschutz sei. Einziges Manko sei die Öffnungszeit. „Es ist organisatorisch nicht möglich, sie bis 17 Uhr zu verlängern bei unserer Struktur“, bedauert er. Neumann macht Eltern Mut, ihren Nachwuchs in der Waldkita anzumelden: „Es ist schon was Besonderes.“

Das Spielzeug der Wurzelkinder stammt meist aus der Natur. „Dadurch bilden sie ihre Fantasiekräfte aus“, sagt Kattoll. Wer die Gruppe besucht, kann sich auch davon überzeugen, wie leise Kinder sein können, einfach weil sie im Spiel versinken und es keine räumliche Enge gibt. „Hier kann man noch richtig Kind sein“, sagt sie. Kattoll weiß noch einen weiteren Vorteil in die Waagschale zu werfen: „Die Kinder sind fast nie krank – und wir sowieso nicht.“

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