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Frauenfussball in Moorrege : Frauen sind keine Weicheier

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Peter Eberhardt, Trainer der Damen des Moorreger SV, steht lieber selbst an der Linie, als dem schwächelnden HSV zuzusehen.

Moorrege | Die Klagen seiner Spielerinnen kommentierte Peter Eberhardt süffisant: „Wenn Ihr schneller lauft, verdampft der Regen.“ Dabei zog sich der neue Trainer der Damenmannschaft des Moorreger SV (MSV) die Kapuze seiner Trainingsjacke tiefer ins Gesicht. „Mein schütteres Haupthaar muss ja geschützt werden“, sagte er grinsend.

Für den 57-Jährigen aus Uetersen war es die zweite Trainingswoche mit seinen neuen Spielerinnen. 1988  übernahm er die E-Jugend beim TSV-Uetersen und begleitete das Team bis zur A-Jugend. Ein Jahr assistierte er bei der Hamburger Auswahl an der Linie. 2005 wechselte Eberhardt vom Jugendbereich zu den Damen und trainierte die erste Frauenmannschaft des Vereins. „Danach kommt man halt ein wenig rum“, sagt Eberhardt. Er trainierte die Verbandsligafrauen des FC Union Tornesch und die Kickerinnen des SC Pinneberg. Zuletzt sprang er kurzzeitig beim SV Halstenbek-Rellingen ein.

„Eigentlich hatte ich mit dem Trainerleben abgeschlossen. Mir gefiel es auf dem Sofa ganz gut, aber Matthias Doll hat mich auch durch seine Beharrlichkeit überzeugt“, erinnert er sich an die ersten Gespräche mit dem Frauen- und Mädchen-Obmann des MSV. Eberhardt schaute sich das Training vier Mal an und vor allem auch die Strukturen. „Ich mag es familiär, und ich habe das Gefühl, dass der Verein gut organisiert ist. Ich wollte mal gucken, ob es mir noch Spaß bringt, und es sieht ganz so aus“, erläuterte der neue Coach und ergänzte: „Wo gibt es schon einen Co-Trainer und einen eigenen Obmann? Früher habe ich alles selbst gemacht – vom Bälleaufpumpen bis zur Spielansetzung.“ Unterstützt wird er auf der Bank und beim Training von Peter Witt. Doll kümmert sich um das Organisatorische rund ums Team. Seine Frau hätte ihm zum fußballerischen Ruhestand geraten, doch Eberhardt entschied sich anders und sagt lachend: „Wenn der HSV so schlecht spielt, ist ja schön, wenn man zur Bundesligazeit unterwegs sein kann.“

Ende August steht der erste Härtetest an

Am Sonnabend, 29. August, steht um 17 Uhr im Oddset-Pokal der erste Härtetest an. Dann kommt der Bezirksligist Grün-Weiß Eimsbüttel nach Holm. Bis dahin will Eberhardt seine Mädels in Form bringen. „Biss und Einsatz sind da. Einstellung und Wille stimmen, aber technisch und taktisch gibt es noch das eine oder andere Problemchen“, so der Coach. Vor allem im taktischen Bereich warte viel Arbeit, denn zur neuen Saison starten die Damen des MSV wieder auf dem Großfeld. „Das ist ein ganz anderes Spiel als auf dem 7er Feld. Da müssen wir uns erstmal akklimatisieren“, so Eberhardt.

Aktuell stehen 19 Spielerinnen in seinem Kader. Zwei Neuzugänge sollen noch kommen. Ideal seien aus seiner Sicht 24 Spielerinnen. Seine Zielsetzung: „Wir wollen nicht ewig in der Kreisliga bleiben, aber für die kommende Saison plane ich mit einem gesicherten Mittelfeldplatz und hoffe, dass wir mehr gewinnen als verlieren.“ Dabei sei am wichtigsten, dass „die Mädels das Gefühl haben, dass sie alles gegeben haben.“ Muss das Gefühl nicht der Trainer haben? „Das ist bei Frauen anders“, sagt Eberhardt und scherzt: „Ich übertreibe mal, aber wenn du ein Jahr eine Frauenmannschaft trainierst, dann hast du das Gefühl, Männer und Frauen passen nicht zusammen.“

Männer seien froh, wenn der Trainer spricht. „Denn dann spricht zumindest einer“, so der Damencoach. Frauen würden deutlich mehr diskutieren. Dennoch stellt Eberhardt klar: „Weicheier sind Frauen nicht. Sie klagen weniger als Männer. Geschnattert wird über andere Sachen.“ Auch der Umgang und die Wortwahl am Spielfeldrand sei anders: „Frauen fassen viele Dinge eher als Beleidigung auf. Da muss man aufpassen.“ Dafür sei der soziale Gedanke im Team ausgeprägter: „Männer wollen alle gewinnen. Frauen schauen auch darauf, dass jede Mitspielerin mal zum Einsatz kommt.“ Über Einsatzzeiten muss sich Eberhardt aber beim ersten Saisonspiel am Sonntag, 6. September, um 10.45  Uhr gegen St. Pauli II noch keine Gedanken machen.
 

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