Frauen im Ausnahmezustand

Theater Wedel spielt als nächste Produktion „Schietwetter“ von Brigitte Buc / Premiere ist am Freitag, 23. Februar

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03. Februar 2018, 16:00 Uhr

Drei Frauen, ein Mann und eine Autorin – die nächste Produktion des Theaters Wedel ist dem weiblichen Geschlecht gewidmet. „Schietwetter“ von der französischen Schauspielerin, Regisseurin und Schriftstellerin Brigitte Buc ist ein Stück über moderne Frauen – mit hohem Unterhaltungswert und einer Moral, die nicht mit dem Holzhammer daherkommt. Kein Schenkelklopfer und kein ausgearteter Zickenkrieg, erläutert Theaterleiter Günter Hagemann, sondern eine feine psychologische Studie, in der der Weg das Ziel ist und die ganz auf die Dialoge setzt.

Weil die deutsche Übersetzung ziemlich grauenvoll und zum Teil mit krassen Übersetzungsfehlern durchsetzt sei, hat die Wedeler Theatercrew die Vorlage einfach umgeschrieben und angepasst. Drei Frauen mit drei unterschiedlichen Biografien treffen wegen Schietwetters im Café zu einer Zwangsgemeinschaft zusammen. Eigentlich mögen sich die Damen nicht sehr, aber aus Höflichkeit kommt man doch ins Plaudern. Was die drei eint, ist eine belastete Kindheit, mit deren Schwere man sich zu übertrumpfen versucht. Die eine kommt aus einer reichen Familie, hat aber ihre Eltern eigentlich nie zu Gesicht bekommen. Die andere wanderte von einer Pflegefamilie in die nächste. Und die Dritte im Bunde musste eine überfürsorgliche Mutter aushalten, die aber zu echter Zuneigung nicht fähig war.

Was die drei noch gemeinsam haben, ist der Umgang mit ihren Problemen. Keine von ihnen hat es gelernt, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Alkohol und Tabletten, Sexsucht und das Bild der perfekten Mutter und Karrierefrau sind die Methoden, mit der das Unglück verdrängt wird.

Die Mechanismen der Unterhaltung aber sind hingegen ausgefeilt. „Jede Schwäche der anderen wird sofort aufs Korn genommen“, erläutert Hagemann. Ein absolut übellauniger Kellner, der wiederum eine perfekte Kindheit hatte, heizt das Psychokarussel obendrein ordentlich an. „So leicht an der Marmel hat jeder was“, resümiert Hagemann und lacht. Am Ende dann hätten aber alle durch die Auseinandersetzungen dazugelernt.

Neben der psychologischen Rollenfindung – die Frauendarstellungen sollen nicht ins Klischee abrutschen – sei besonders das Szenische im dem Stück eine Herausforderung. Die allermeiste Zeit sitzen die Spielerinnen am Cafétisch, der Kellner serviert und pöbelt nur. „Aber es passiert trotzdem was“, versichert der Regisseur. Bei der Aufbereitung der Dialoge komme es hier auf die Gesten an.

Am Freitag, 23. Februar, wird Premiere gefeiert. Aus organisatorischen Gründen kann das Stück nur zwölf mal gespielt werden. Wer es sehen möchte, sollte also nicht lange zögern. Wie üblich führt eine Sonntagsmatinée in die Komödie ein. Schauspieler und Regisseur erzählen am 18. Februar ab 11 Uhr von den Proben und zeigen kurze Ausschnitte aus der Produktion. Der Eintritt ist frei.

www.theater-wedel.de

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