Flüchtlingshelfer werden rarer

Der Sozialausschuss der Gemeinde Holm und interessierte Bürger besichtigten die Flüchtlingsunterkünfte. Informationen aus erster Hand gab es von Wolfgang Aschert (Zweiter von links), Flüchtlingskoordinator des Amts Geest und Marsch Südholstein (Gums).
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Der Sozialausschuss der Gemeinde Holm und interessierte Bürger besichtigten die Flüchtlingsunterkünfte. Informationen aus erster Hand gab es von Wolfgang Aschert (Zweiter von links), Flüchtlingskoordinator des Amts Geest und Marsch Südholstein (Gums).

Holmer Sozialausschuss besichtigt Unterkünfte / Im Dorf sind 29 Asylbewerber in fünf Mietobjekten untergebracht / Mäuseplage beklagt

shz.de von
05. September 2018, 16:00 Uhr

Der Sozialausschuss der Gemeinde Holm begann seine jüngste Sitzung mit einer Besichtigung der drei Fertighäuser im Lehmweg, die 2015 / 16 zur Unterbringung von Flüchtlingen errichtet worden sind. Viele interessierte Bürger, zumeist ehrenamtlich Tätige, nahmen an dem Rundgang teil.

Jedes Gebäude besteht aus sechs Schlafzimmern, zwei Badezimmern, einer Küche und einem Wohnraum. Rein äußerlich schienen sie in ordentlichem Zustand zu sein. Allerdings beklagten anwesende Bewohner, dass die Mäuseplage überhand nehme. Da hier auch kleine Kinder untergebracht sind, darf kein Gift ausgelegt werden. Es sei aber bereits eine Firma beauftragt, für Kinder ungefährliche Fallen aufzustellen, so die Informationen vom Kreis Pinneberg, der für die Flüchtlingsunterbringung zuständig ist.

In einem Gebäude durften auch die Innenräume besichtigt werden, da die Bewohner, mehrere alleinstehende Männer, gerade einen Besuch bei Freunden in Köln machten. Die Eingangstür ließ sich nur schwer öffnen und schließen, denn sie hing schief in den Angeln. Beim Betreten der Wohnung schlug den Interessierten eine Hitzewelle entgegen: Die Verreisten hatten die Heizung voll aufgedreht hinterlassen. Das sei ganz normal bei Leuten, die aus sehr heißen Heimatländern stammen, erklärten Flüchtlingshelfer. Auch die Sauberkeit ließ zu wünschen übrig. In den Herkunftsländern der Bewohner sei es nun einmal nicht üblich, dass Männer Hausarbeit verrichten, hieß es dazu.

Im Haus der Gemeinde trug der Flüchlingsbeauftragte des Amts Geest und Marsch Südholstein (Gums), Wolfgang Aschert, anschließend einen ausführlichen Bericht vor. Dieser diente als Diskussionsgrundlage. Aschert beklagte, dass das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingsbetreuung stark zurückgegangen sei. Das liege aber auch am veränderten Verhalten der Flüchtlinge. Angebote wie das „Flüchtlingscafé“ als regelmäßiger Treffpunkt oder auch ehrenamtlicher Sprachunterricht würden kaum noch wahrgenommen. Hinzu komme, dass Flüchtlingsfrauen, vielfach Analphabetinnen, immer wieder daran gehindert werden, an Deutschunterricht teilzunehmen.


Versorgungsmentalität macht sich breit

Aus dem Kreis der Bürger waren dazu Einzelheiten zu hören. Unter den Flüchtlingen mache sich eine Versorgungsmentalität breit. Es werde nur noch gefordert. Manche wollen beispielsweise immer wieder ein neues Fahrrad. Dazu wurde die Vermutung geäußert, dass die Räder billig verkauft werden, um zu Bargeld zu kommen.

Die Fraktion der Grünen trug schließlich einen Fragenkatalog vor. Wie viele Flüchtlinge wohnen in Holm, wollten sie wissen. Zurzeit gibt es hier 29 Asylbewerber, verteilt auf fünf Mietobjekte, antwortete Aschert. Sie erhalten eine Grundsicherung, die den Hartz 4-Sätzen entspreche. Wo die Leute sich informieren können, war eine weitere Frage. Antwort: Dazu stehen die beiden Flüchtlingsbeauftragten des Amtes, Aschert und Dieter Norton (Foto), zur Verfügung. Allerdings seien die meisten Flüchtlinge inzwischen untereinander so gut vernetzt, dass sie keine ehrenamtliche Beratung mehr in Anspruch nehmen.

Gibt es dann überhaupt noch eine funktionierende Integration, wurde aus dem Publikum gefragt. Eine eindeutige Antwort darauf gab es nicht, nur den eindringlichen Appell, im alltäglichen Umgang mit den Geflüchteten mit gutem Beispiel voranzugehen, um Ausgrenzung zu verhindern.

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