Abschied in Moorrege : Flashmob für den Lehrer des Vertrauens

Nach dem Shakira-Titel „Waka Waka“ tanzten drei Neuntklässlerinnen auf dem Schuldach für ihre Mitschüler auf dem Schulhof die Schritte vor.
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Nach dem Shakira-Titel „Waka Waka“ tanzten drei Neuntklässlerinnen auf dem Schuldach für ihre Mitschüler auf dem Schulhof die Schritte vor.

Nach 36 Jahren an der Gemeinschaftsschule Moorrege geht Arne Claußen in den Ruhestand. Geschätzt von Schülern und Kollegen.

shz.de von
18. Juli 2015, 16:00 Uhr

Wedel | Arne Claußen ist eigentlich ein Mann der leisen Töne. Nach 36 Jahren an der Gemeinschaftssschule Moorrege (GemsMo) ist der 63-Jährige gestern in den Ruhestand verabschiedet worden. Mit einem fröhlich-lauten Flashmob zu „Waka Waka“ der kolumbianischen Sängerin Shakira. So ehrten die knapp 500 Kinder und Teenager ihren Vertrauenslehrer, der bei ihnen und den Lehrerkollegen gleichermaßen beliebt ist.

Die Vorbereitungen für die Tanzvorführung auf dem Schulhof liefen ab wie ein Geheimkommando. Während die Vortänzerinnen Merle (15), Isabel (16) und Hannah (17) auf das Schuldach kletterten und ihre Helferinnen die Musikanlage auf dem Hof aufbauten, wurde Claußen von Schulleiterin Karen Frers in ein langes Gespräch verwickelt. Dann wurde er ebenfalls aufs Dach gebeten – und war von der Darbietung der gesamten Schülerschaft zu Tränen gerührt.

Dass der Lehrer der Herzen Abschied feiert, hatte sich auch bei Ex-Schülern herumgesprochen, wie beispielsweise bei Isabelle Bürger, die zum Lebewohlsagen gekommen war. Auf die Frage, was das Besondere an Claußen ist, antwortete sie: „Dass er fair ist. Er ist einfach unbeschreiblich.“

Unbeschreiblich ist auch Claußens Karriere als Vertrauenslehrer. Kaum ist der Junglehrer in Moorrege angekommen, wird er zum Vertrauenslehrer gemacht. Das war 1979. Seitdem hat er den Job mit kurzen Unterbrechungen ausgefüllt. Seine Aufgaben: vermitteln und trösten, sogar bei Liebeskummer. Verschmitzt sagt Claußen: „Immer wenn ich kandidiert habe, bin ich gewählt worden – und das jetzt noch, als alter Lehrer.“

Claußen stammt aus einer Lehrer-Familie, Großvater Otto Stubbe war Lehrer einer einklassigen Dorfschule in Schönwohld bei Kiel, sein Vater Ernst Claußen Lehrer in Hohen im Kreis Rendsburg. „Ich wurde über einem Klassenzimmer geboren“, erzählt Claußen. Seine Mutter war bei ihren Eltern, weil der Vater in nur einem Zimmer wohnte. Er studierte Theologie und Geschichte an der pädagogischen Hochschule Kiel. Künftig will er sich v um seinen 1400 Quadratmeter großen Garten in Haselau kümmern, reisen – und noch ein wenig unterrichten. Als Senior-Experte, Geschichte in den höheren Klassen. Denn seine GemsMo mit dem sehr guten Zusammenhalt liegt Claußen einfach am Herzen.

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