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Giftige Pointen im Gepäck : Finale des Kleinkunstfestivals auf der Batavia

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kabarettist Sebastian Schnoy nimmt in Wedel den Adel aufs Korn. „Restlos ausverkauft“, strahlte der Theaterschiff-Kapitän.

Wedel | Hannes Grabau fand ein Plätzchen nach dem anderen, wo er noch einen Stuhl hinklemmen konnte. Denn das Boot war voll. „Restlos ausverkauft“, strahlte der Theaterschiff-Kapitän. Mit tiefer Verneigung begrüßte er den Star des Abends auf der Bühne der Batavia, Sebastian Schnoy, Kabarettist, Schriftsteller, Geschichtsjournalist und Moderator. Der hatte blaublütige Gehässigkeiten im Gepäck: „Von Stauffenberg zu Guttenberg – der Adel patzt immer kurz vor Schluss“, hieß sein Programm.

Vor verstaubten Porträts nobler Vorfahren – sogar ein adliges Hündchen war dabei, „Runter von Sofa“ mit Namen – schoss Schnoy seine manchmal recht giftigen Pointen ins Publikum. „Noch immer leben mitten in Europa Großfamilien, abgeschottet vom Rest der Gesellschaft. Sie heiraten unter sich und essen wilde Tiere, die sie in unseren Wäldern selber erlegen“, wunderte sich der Komiker. Und alsbald sprang er wild durch die Jahrtausende, um dem Adels-Phänomen auf den Grund zu gehen. Die Queen, Queen Mum und selbst die legendäre Victoria mussten herhalten, alte Römer und Griechen ebenfalls, Germanen nicht zu vergessen, vor allem solche aus Niedersachsen. Aber auch missverstandene Angeln und behäbige Mecklenburger wurden zu Klischee-Lieferanten, ebenso wie biedere Durchhalte-Deutsche und unzuverlässige Südländer in ihrer Prunksucht. Dazu wurden Baudenkmäler analysiert, von Stonehenge bis zum Amtssitz des Bundespräsidenten. Es gab eigentlich Nichts, das Schnoy nicht durch den Kakao zog. Und das Publikum hatte genug zu lachen. „So ähnlich wie die Opelfahrer endlich wieder“, kommentierte der Mann auf der Bühne das Gelächter und zugleich den VW-Abgas-Skandal. Viel Beifall war ihm sicher. Hausherr Grabau nutzte die Stunde, um für die nächste große Premiere an Bord zu werben, für „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“. Am 20. und 21. November bringt das Ensemble diesen von komischer Eitelkeit köstlich überschatteten Versuch einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf die Bühne.

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erstellt am 10.Nov.2015 | 16:00 Uhr

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