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Filmpremiere mitten in Harlem : Filmemacher aus Wedel zeigt Hip Hop-Doku im Big Apple

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Maximilian Spohr zeigt seinen Film „Thirsty“ über Vancouvers Musikszene beim Hip Hop Film Festival in New York.

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2017 | 13:00 Uhr

Harlem | Maximilian Spohr steht in der 5th    Avenue in New York direkt vor dem Ort, wo er seine große Premiere feiern wird: dem „National Black Theatre“ im Herzen von Harlem. „Das ist ein unglaubliches Gefühl“, sagt der Dokumentarfilmer aus Wedel, der als Krankenpfleger im Rissener Asklepios Klinikum arbeitet. Sein Film „Thirsty Hip Hop Vancouver Retro“ wird heute um 13 Uhr Ortszeit – in seiner Heimatstadt Wedel ist es dann bereits 19 Uhr – im ersten Block des „Hip Hop Film Festivals“ laufen. Das Festival ist das einzige weltweit, das sich ausschließlich mit Filmen rund um die Musikrichtung beschäftigt, die ihre Wurzeln in der afroamerikanischen Funk- und Soul-Musik hat.

Neun Jahre lag „Thirsty“ – zu deutsch: durstig – in der Schublade. Es ist der zweite Teil seiner Hip-Hop-Dokumentation. Der erste Teil trug den Titel „Hungry“ – zu deutsch: hungrig. Das Material für beide Filme nahm Spohr im kanadischen Vancouver auf, wo er studierte und arbeitete. „Die Namen sind für mich bezeichnend für die Szene damals. Hip Hop war damals neu in Kanada. Es gab tolle neue tolle Künstler, aber niemand ist auf sie aufmerksam geworden, weil niemand danach gesucht hat“, erläutert Spohr. Er war mit der Kamera dabei und dokumentierte die damalige Zeit. „Thirsty“ ist ein Zusammenschnitt von Musik, Interviews, Partys. Weit entfernt von den hochauflösenden Bildern aus Hollywood, nicht perfekt ausgeleuchtet, sondern ein Blick in eine Szene, die sich damals im Untergrund bewegte. „Ich habe das Material genommen, weil es nicht perfekt ist“, sagt Spohr. Damit will er in Harlem das Publikum und die Jury überzeugen. Doch wie sieht eigentlich der Weg von Wedel nach New York aus?

Alles begann in Freiburg, wo Spohr das Licht der Welt erblickte. Da seine Geschwister studierten, wollte er diesen in nichts nachstehen. Er ging nach Vancouver, studierte an der Filmhochschule. Schon während des Studiums nahm er Material auf, das heute im „National Black Theatre“ zu sehen sein wird – bis Sonntag laufen dort insgesamt 80 Wettbewerbsbeiträge. Schon nach seinem Filmproduktionskursus drehte Spohr seinen ersten Auslandsfilm– ausgerechnet in Deutschland. „Ein Auto für eine Mark – Das Phänomen Trabant“ lautet der Titel der Dokumentation, die er 2005 veröffentlichte. Der Film lief laut Spohr bei N-TV, ZDF History und ZDF Doku. Zudem wurde er in Island, Schweden, Polen, der Tschecheslowakei, Ungarn, Spanien und Kanada gezeigt. „Der Film ist etwa 500 Mal im Fernsehen gelaufen. Ein geiles Gefühl“, erläutert Spohr. Er arbeitete an verschiedenen Kurzfilmen und TV-Serien mit – zumeist als Beleuchter. „Ich habe viele Regisseure gesehen und wie sie arbetiten – unter anderem bei X-Men und Riddick mit Vin Diesel“, erläutert Spohr. Er war dort angekommen, wo viele hinwollen, in Hollywood. Allerdings hinter der Kamera. Er hat einen eigenen Eintrag in der „Imagedatabase“ (IMDb), eine Art Enzyklopädie für Film-Fans. „Zwei Superbabies starten durch“, „Dark Water“ oder „White Noise - Schreie aus dem Jenseits“ stehen in seiner Filmografie. Doch etwa 2005 war Schluss mit Film und Hollywood.

„Filme machen war immer meine Leidenschaft, doch als mein erstes Kind auf die Welt kam, wollte ich etwas anderes machen. Etwas sinnvolles“, sagt Spohr. Er schulte um zum Altenpfleger. 2008 kehrte er mit seiner Familie nach Deutschland zurück. „Das Filmbusiness war mir mit einem Neugeborenen zu stressig. Hollywood ist eine Ellenbogenindustrie, in der du dich Kokainsüchtigen fügen musst“, sagt Spohr rückblickend. Kokain und Gras seien am Set normal gewesen. Ebenso wie die Begrüßung mit „Heil Hitler“. „Das war ganz normal – schließlich bin ich ja Deutscher. Da herrscht ein sehr spezieller ,Humor’ am Set.“

Spohr arbeitete nach seiner Rückkehr nach Deutschland in der mobilen Pflege. „Mein Examen als Krankenpfleger reichte nicht“, sagt er. Er bildete sich weiter. Mittlerweile ist er Krankenpfleger in Rissen. Die Liebe am Film hat er aber ebenso wenig verloren für die Begeisterung für Hip Hop. „Filme machen ist meine Leidenschaft“, sagt er.

Als Spohr vom Festival erfuhr, nahm er die alten Bänder und begann sie zu schneiden. Schon vor dem Festival fand er einen Vertrieb in New York. „Zukünftig kann man meine Filme in Hip-Hop-Läden kaufen. Das finde ich schon krass“, sagt Spohr so gar nicht altersgerecht. „Ich hätte nie gedacht, dass es klappt.“

Eine Freundin aus Cincinnati wird Spohr heute zu seiner Filmpremiere begleiten. Nicht nur die Premiere findet in Harlem statt, sondern Spohr hat sich dort bei einer Wildfremden per Internet einen Schlafplatz gesucht. „Übernachten bei einer Fremden mitten in Harlem. So fangen doch Horrorfilme an, oder?“, fragt Spohr lachend. Etwa 3000 Besucher werden beim Hip Hop Film Festival erwartet. „Ich hoffe, dass viele zu meinem Film kommen“, sagt Spohr. Er will sich danach möglichst viele der insgesamt 80 Filme anschauen. Sein Wunsch: „Ich hoffe, dass mein Film besonders viel Aufmerksamkeit bekommt.“ Wie viele Zuschauer zur Premiere kommen, wird er heute ab 13 Uhr wissen.

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