Theater : Feuerwerk hinterlässt Gänsehaut

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Jane Hopcroft (Andrea Schultze, von links) hat die Küche der Gastgeber etwas sauberer gemacht. Ehemann Sidney (Tim Feindt) bangt um benötigte Kredite, Eva Jackson (Nele Bieringer) bleibt mit ihren Selbstmordversuchen erfolglos, Geoffrey (Marco Messal) ist nach einem Stromschlag ohnmächtig, Marion Brewster-Wright (Anne Wrage) hat ihren Ehemann abgeschüttelt und kann sich unbehelligt dem Alkohol hingeben.
Jane Hopcroft (Andrea Schultze, von links) hat die Küche der Gastgeber etwas sauberer gemacht. Ehemann Sidney (Tim Feindt) bangt um benötigte Kredite, Eva Jackson (Nele Bieringer) bleibt mit ihren Selbstmordversuchen erfolglos, Geoffrey (Marco Messal) ist nach einem Stromschlag ohnmächtig, Marion Brewster-Wright (Anne Wrage) hat ihren Ehemann abgeschüttelt und kann sich unbehelligt dem Alkohol hingeben.

Die bitterböse Komödie „Frohe Feste“ des Briten Sir Alan Ayckbourn begeistert auf dem Theaterschiff Batavia.

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17. November 2019, 16:00 Uhr

wedel | „Jetzt spricht Hannes“, prophezeite ein Zuschauer. Das Publikum auf dem Theaterschiff Batavia verstummte, Hausherr Hannes Graber postierte sich vor dem Vorhang. Aber er sprach kein einziges Wort. Trotzdem verstanden ihn alle. Ein hochgehaltenes Handy, dazu entschiedenes Kopfschütteln, das hieß, stumm- oder abschalten. Fingerzeig an die Bar und an die Decke: In der Pause gibt es hier oder oben was zu trinken. In die Hände klatschen: Bühne frei, das Spiel beginnt, Zeit für den ersten Applaus.

Dann summt Jane Hopcroft (Andrea Schultze) auch schon „God save the Queen“. Dabei rackert sie sich mit Schrubbern und Lappen ab, ihre Küche auf Hochglanz zu bringen. Alles ist zwar längst blitzblank, aber für die Putzsüchtige nie sauber genug. Ehemann Sidney (Tim Feindt) bedrängt sie verzweifelt, sich endlich in Schale zu werfen und die Gäste zu bewirten, die im Wohnzimmer auf den Beginn der Weihnachtsparty warten.

Die Wichtigsten trudeln gerade ein, Architekt Geoffrey Jackson (Marco Messal) mit Ehefrau Eva (Nele Bieringer) sowie Bankier Ronald Brewster-Wright (Lorenz Schmidt) mit Frau Marion (Anne Wrage). Vom Bankier erhofft Sidney sich den Kredit, um aus seinem Tante-Emma-Laden herauszukommen und sich zum Herrn eines Einkaufszentrums zu machen. Geoffrey, ein Protegé des Bankiers, soll es bauen.

Das ist die erste von insgesamt drei Weihnachtspartys, die alle unter mühsam gewahrter Fassade Neid und Missgunst wuchern lassen, deren Protagonisten lächelnd giftigste Sticheleien abfeuern.

Jedes Jahr ist die Küche des jeweiligen Gastgebers Schauplatz der Boshaftigkeit. Nach den Hopcrofts sind Eva und Geoffrey dran, sie eine drogenabhängige Selbstmord-Kandidatin, er ein Frauenbetörer, dessen berufliche Zukunft gerade zerfällt, genau wie sein Prestigebau, Sidneys einstürzendes Einkaufszentrum. Ein Jahr später hat das fertiggestellte Einkaufsparadies seinen Besitzer Sidney bereits zum reichen Mann gemacht. Der Bittsteller von einst kann jetzt den Bankier wie auch den Architekten wie Tanzbären vorführen. Wie dumm nur, dass seine Frau Andrea inzwischen total dem Alkohol verfallen ist.

Eine bitterböse Komödie ist dem Briten Sir Alan Ayckbourn da gelungen, so witzig, dass man dauernd lachen möchte, so pechschwarz, dass es zur Gänsehaut reicht, auf jeden Fall ein intensives Theater-Erlebnis.



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