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Wedel-Schulauer Tageblatt

19. August 2017 | 09:45 Uhr

Feine Ironie, pointiert vorgetragen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Torsten Voss liest in der Stadtbücherei aus Uwe Johnsons „Jahrestage“ / Publikum lobt schauspielerische Fähigkeiten

Stimmungsvolle Sätze aus berufenem Munde: Anlässlich des diesjährigen Frauentags hatte die Stadtbücherei den Literatur-Interpreten Torsten Voss in ihre Räumlichkeiten eingeladen, Auszüge aus dem Hauptwerk des Schriftstellers Uwe Johnson „Jahrestage“ vorzulesen.

Im Mittelpunkt des Geschehens der vier Bände und fast 2000 Seiten umfassenden Romanfolge, die größtenteils in Tagebuchaufzeichnungen verfasst ist und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Mecklenburg und New York spielt, steht das Leben der Protagonistin Gesine Cresspahl und ihrer Verwandtschaft.

Trotz zurückhaltendem Publikumszuspruch war die Stimmung bei den Anwesenden mehr als zufrieden und sowohl Text als auch Vortrag kamen gut an. Voss, der schon häufiger mit Shakespeare-Lesungen vor und mit Schülern zu Gast in der Rolandstadt war, genoss sichtlich die gespannte Aufmerksamkeit des Publikums und gab mit seiner einfühlsamen Lesekunst den Texten Johnsons die nötige Bedeutung.

Man merkte dem Vorleser an, dass er den Texten viel abgewinnen kann. „Sätze, so schön, dass man da erst einmal drauf kommen muss“ unterbrach er einmal seine Lesung, um den gerade gelesenen Absatz noch einmal vorzutragen und den aufmerksam gewordenen Zuhörern die ganze Feinheit der Formulierung genießen zu lassen.

Der 70-jährige Hamburger versteht sich als Kenner der „Jahrestage“. „Ich habe es 1984, als Johnson starb, das erste Mal in einem Rutsch gelesen und dann in den Neunzigern nochmal.“ Seit dem war er schon häufiger mit diesem Trumm von einem Roman auf Lesetour.

Immer wieder führte Voss die genaue Beobachtungsgabe, den präzisen Sprachausdruck und auch die feine Ironie Johnson gekonnt vor. Mit sonorer Stimme intonierte er die Sätze getragen und pointiert bis zu ihren Ausläufen.

Das kam an: „Ich genieße es total, wenn mir gerade so schöne Literatur vorgelesen wird“, so Zuhörerin Christa Grodt in der Pause der Lesung. Und Sitznachbar Reinhard Krapp ergänzte: „Bemerkenswert, wie Johnson Stimmungen ausdrücken konnte, ohne sie direkt beim Namen zu nennen.“ Uwe Johnson wäre mit seinem Vorleser Voss zufrieden gewesen. Das Publikum in der Stadtbücherei war es jedenfalls.

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