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An der Au in Wedel : Falscher Vogel vertreibt Gänse am Mühlenteich

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Bürger monieren Vergrämungsmaßnahme im FFH-Gebiet. Stadt sieht keine Rechtsverstöße.

Wedel | Sie war in den vergangenen Jahren zum Tummelplatz für Graugänse geworden, Schauplatz für tierische Familienszenen mit staksigem Nachwuchs. Gelegentlich schaute auch Nilgans-Besuch auf der Wiese in der ZOB-Verlängerung zwischen Mühlenteich und An der Au vorbei. Das ist Vergangenheit. Wer jetzt am Rande des Fuß- und Radwegs zwischen Bahnhof und Autal-Bahnübergang auf gefiedertes Getümmel hofft, wird enttäuscht. Stattdessen weite Wiesenfläche, frisch gemäht, gähnend leer. Einzig ein falscher Vogel flattert an einer rund vier Meter hohen Stange, wenn der Wind über das Feld streift. Eine Vergrämung, die offenkundig volle Wirkung gezeigt hat.

Wie passt denn sowas in ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet), wollte nicht nur Ralf Sonntag, Fraktion Die Grünen, von der Verwaltung wissen. Auch Bürger meldetet sich bei der Stadt, ebenso in der Tageblatt-Redaktion, beim Nabu – irritiert, echauffiert, zweifelnd, ob so etwas denn rechtens ist. Ist es, heißt es nun auf Tageblatt-Anfrage aus der Abteilung Bauen und Umwelt der Verwaltung. Es handle sich bei der Fläche um ein Privatgrundstück, das an einen Landwirt aus Sülldorf verpachtet sei. Der nutze das Feld zur Grünfuttergewinnung. Durch die Gänse habe es dabei große Verluste gegeben – daher nun die Vergrämungsmaßnahme. So etwas sei ordnungsgemäß und stehe nicht im Widerspruch zu den geltenden Bestimmungen für ein FFH-Gebiet, heißt es von Behördenseite. Eine rechtliche Handhabe gegen ein solches Vorgehen gebe es nicht.

Das bestätigt auch Marco Sommerfeld, Leiter der Carl Zeiss Vogelstation des Nabu Hamburg in der Wedeler Marsch. Er kennt das Feld. „Die Graugänse“, sagt er sofort am Tageblatt-Telefon, wissend um die aktuelle Entwicklung. Vor drei bis vier Jahren seien die ersten Paare aus Hamburger Populationen am Öjendorfer See und dem Ohlsdorfer Friedhof auf die Wiese gekommen und hätten dort gebrütet. Zuletzt waren dort rund 30 Paare mit ihrem Nachwuchs. „Da war ordentlich was los“, sagt der Referent für Vogelschutz beim Nabu. „Es ist bedauerlich, dass in einem FFH-Gebiet die Vogelwelt keinen Vorrang hat, sondern so sehr gestört wird, dass es zur Aufgabe einer großen Grauganskolonie kommen konnte“, so Sommerfeld. Auch für das Naturerlebnis der Bürger in der Stadt sei dies ein Verlust.

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erstellt am 16.Jun.2016 | 10:00 Uhr

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