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Wedel : Europatag an der Gebrüder-Humboldt-Schule

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Einwanderung ein Gesicht geben: Der Tag steht unter dem Motto „Fremd in der Fremde“. Erlebnisberichte von Flüchtlingen.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Wedel | Eine Million syrische Flüchtlinge sollen kurzfristig aus dem Libanon in die EU weiterreisen. Der europäische Ministerrat tritt zur Krisenkonferenz zusammen. Welches Land kann wie viele Menschen aufnehmen? Griechenland? Von der Wirtschaftskrise gebeutelt. Irland? Hohe Arbeitslosigkeit. Finnland? Das dünn besiedelte Land in Nordeuropa hätte noch Kapazitäten. Das dramatische Szenario ist ebenso fiktiv wie die Konferenz. Ein Planspiel an der Wedeler Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS), bei dem Jugendliche in die Rollen der EU-Politiker schlüpfen. Doch das große Finale des Europatags an der GHS zeigt den Wedeler Schülern die Komplexität der Einwanderungsdebatte.

„Wir wollen das theoretische Thema Europa in die Schule hineinholen“, beschreibt der verantwortliche Lehrer Peter Wessel die Idee hinter der jährlichen Veranstaltung. 2015 lautete das Motto „Fremd in der Fremde“. „Wir wollen Migration ein Gesicht geben“, so Wessel. Ein besonderer Schwerpunkt liege dabei auf dem Schicksal von Menschen, die vor Kriegen und Armut nach Europa fliehen. Zwar hätten 50 Prozent der Schüler an der GHS einen Migrationshintergrund. Doch selbst wenn es in den Familien solche dramatischen Fluchtgeschichten gibt – viele Eltern und Kinder wollen nicht darüber sprechen. Die Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migranten in Schleswig-Holstein vermittelte daher Männer und Frauen aus Iran, Syrien, Afghanistan, Jemen und Eritrea, die ihren schwierigen Weg nach Europa mit den Schülern teilen und dabei den ganzen Vormittag verschiedene Klassen besuchen. „Es ist beindruckend zu sehen, wie ganze Klassen gebannt zuhören“, sagt Wessel. Gleichzeitig erzählen auch Schüler mit Migrationshintergrund den anderen Kindern und Jugendlichen von ihren Erfahrungen. Der anschließende Arbeitsauftrag lautete, sich selbst Gedanken zu machen, wie es wäre, plötzlich in einem anderen Land leben zu müssen.

Die Siebtklässler besuchten am 9. März das Theaterstück „Über die Grenze ist es nur ein Stück“, das von den Erfahrungen des jungen Afrikaners Dede Afful handelt. Während des Europatags setzen sich die Schüler dann mit dem Gesehenen auseinander und stellen Szenen nach. Nachdem die Elftklässler bereits Bilder zum Thema Flucht nach Europa angefertigt hatten, malten sie gemeinsam mit Schülern der fünften Klasse Comics zum gleichen Thema.

Die Teilnehmer am Planspiel Europapolitik beschäftigten sich den ganzen Tag mit der Wirtschaftslage und den Einwanderungsgesetzen der EU-Staaten, bevor sie diskutierten. Eine lehrreiche Erfahrung – auch wenn bei einem Zeitlimit von 30 Minuten keine endgültige Lösung gefunden werden konnte.

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