„Es wird immer Kritik geben“

Die Holmer Jagdhornbläser, im vergangenem Jahr erstmals Bundessieger, eröffneten die Jahreshauptversammlung des Hegerings V.
1 von 3
Die Holmer Jagdhornbläser, im vergangenem Jahr erstmals Bundessieger, eröffneten die Jahreshauptversammlung des Hegerings V.

Jahreshauptversammlung des Hegerings V in Holm / Diskussion um Bejagung von Raubwild im Fokus

shz.de von
06. März 2018, 16:00 Uhr

„Prädatoren sind ein Riesenproblem in unseren Revieren“, sagte Detlef Kleinwort, Leiter des Hegerings der Kreisjägerschaft Pinneberg, der sieben Reviere in Wedel, Holm und Hetlingen umfasst. Nach den Rebhühnern seien auch die Fasane komplett aus den Revieren verschwunden. „Wir wissen bisher nicht warum“, so Kleinwort. Seine Vermutung: Prädatoren, also Raubwild wie Füchse oder Marder, würden die Tiere verdrängen. Diese Theorie bestätigte auch Christopher von Dollen, Leiter des Lehr- und Versuchsreviers Grönwohld in Schwedeneck im Kreis Rendsburg-Eckernförde, der als Gastredner bei der Jahreshauptversammlung in Holm auftrat.

„Wenn Sie wieder Fasane in ihren Revieren haben wollen, müssen Sie Marder bejagen“, sagte von Dollen. Diese würden die Gelege der Fasane plündern. Da die Legezeit 15 bis 20 Tage und die Brut weitere 23 Tage dauere, seien die Bodenbrüter oft Opfer der Raubtiere. „Ohne Jagd ist das Problem nicht in den Griff zu bekommen. Da sind alle Tierschutzorganisationen mit uns konform“, sagte von Dollen, machte aber klar: „Es ist eine Fleißarbeit mit den Mardern“.

Mehr als 2500 Eier hat von Dollen im vergangenen Jahr als Köder eingesetzt, um Marder in seinem Revier zu bejagen. „Man muss sich Zeit nehmen“, betonte er. Zudem müsse es für Jäger interessanter werden, Raubwild zu jagen. „Viele finden es spannender einen großen Hirsch zu erlegen. Aber unser Augenmerk muss auf das Raubwild gerichtet sein. Dafür muss die Wertigkeit erhöht werden.“ Jäger, die zeitintensive Fallen stellen und pflegen, könnten bei der Pacht entlastet werden. Zudem sei das Projekt „Fellwechsel“ des Deutschen Jagdverbands (DJV), der die Felle der gejagten Tiere verarbeitet, eine Möglichkeit, den Anreiz für die Jäger zu erhöhen.

„Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, Fasane anzusiedeln. Aber als Jäger müssen wir in Vorleistung gehen und das Raubwild in den Griff bekommen, sonst macht das alles keinen Sinn“, betonte von Dollen. Zwischen den Jahren 2011 und 2016 habe sich die Zahl der erlegten Marderhunde im Hegering V von zehn auf 70  erhöht. „Damit ist klar, dass wir das zur Lösung des Problems in den Griff bekommen müssen“, sagte auch Kleinwort. Doch stoße er bisher auf wenig Gegenliebe. „Wir haben mit dem Elbmarschenhaus Gespräche geführt, die Marderhunde verstärkt zu bejagen, aber da ist keine Einsicht. Ich weiß nicht, was diese Leute antreibt.“

„Es wird immer Kritik am jagdlichen Handeln geben. Prädatoren in Naturschutzgebieten nicht zu bejagen, ist aber Denken von vorgestern“, sagte Kreisjägermeister Wolfgang Heins, der auch Vorsitzender des Landesjagdverbands Schleswig-Holstein ist. „Die Gesellschaft braucht uns mehr als viele glauben.“ Der Lebensraum für Bodenbrüter könne nur durch aktives Handeln der Jägerschaft geschützt werden. Das gelte auch bei einem anderen Thema: Dem Wolf. „Die Gesellschaft wird auf uns zukommen, egal, ob es Angriffe auf Menschen gibt oder nicht. Dann müssen wir Jäger das richten“, sagte Heins.

„Auf die Urkunde habe ich sehr, sehr lange gewartet“, sagte Kleinwort als Marco von Hellms über die Erfolge der Jagdhornbläser berichtete. Diese gewannen als erstes Team aus Schleswig-Holstein die Bundesmeisterschaft. „15 Jahre haben wir auf diesen Moment gewartet. Ich verspreche, dass wir heute das letzte Mal damit angeben“, sagte Hellms. Mit 970  von 975 Punkten hatte sich die von Kleinwort betreute Gruppe im vergangenen Jahr den Titel gesichert. „Das war das schönste Geschenk zu meinem 65. Geburtstag“, so Kleinwort.

Jörn Krause wurde auf der Jahreshauptversammlung zum neuen Schießwart des Hegerings V gewählt. Dennis Knop bestimmte die Versammlung zum neuen stellvertretenden Hundeobmann.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen