„Es lohnt sich, sich zu wehren“

3,5 Jahre Haft nach versuchter Vergewaltigung im Krückaupark / Anwältin: Nur die Gegenwehr der 19-Jährigen verhinderte Schlimmeres

shz.de von
17. April 2018, 16:00 Uhr

Drei Jahre und sechs Monate Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung: So lautete gestern das Urteil des Landgerichts Itzehoe im Prozess um eine brutale Attacke auf eine 19-Jährige im Elmshorner Krückaupark. Das Gericht sah es als erwiesen, dass der 39-jährige Oliver K. die junge Frau am 29. August 2017 im Park unweit des Schwimmbads gesehen und dann mit der Absicht, sie zu missbrauchen, angegriffen haben soll. Das Gericht sah den Straftatbestand der versuchten Vergewaltigung in besonders schwerem Fall als erfüllt an.

Wie berichtet, hatte Oliver K. bei Vernehmungen und auch gegenüber seinem psychiatrischen Gutachter angegeben, dass er am Tattag frustriert gewesen sei und in den Park ging, um den „Kopf frei zu kriegen“, wie er im Prozess zitiert wurde. Dann sah er die 19-Jährige und habe sich gedacht: „Die gefällt mir, die will ich haben“, wie ihn der psychiatrische Gutachter im Prozess zitierte. Knapp fünf Minuten soll er ihr dann von der Elsa-Brandström-Schule bis zu einem Seiteneingang des Badeparks gefolgt sein. Dann griff er sie von hinten an, riss sie zu Boden und würgte sie. „Die Verletzungen haben wir eigentlich nur bei Opfern gesehen, die dann gestorben sind“, wurde ein medizinischer Gutachter im Prozess zitiert. Die Frau aber wehrte sich. Sie trat dem Täter unter anderem ins Gesicht. Und sie konnte fliehen.

Für die Anwältin des Opfers – diese war als Nebenklägerin im Prozess beteiligt – liegt bei aller Grausamkeit der Tat genau darin eine positive Botschaft. Rechtsanwältin Franziska Hammer sagte nach dem Urteil im Gespräch mit unserer Zeitung: „Aus diesem Fall wird deutlich, dass es sich lohnt, sich gegen Angriffe zu wehren. Denn sonst hätte meine Mandantin nie diesen günstigen Moment zur Flucht nutzen können. Allein dank des Verhaltens meiner Mandantin ist hier nicht noch Schlimmeres passiert.“

Oliver K. hatte den Angriff zum Auftakt des Prozesses im Kern gestanden. Der Gutachter attestierte ihm zudem eine „hohe Rückfallgefahr“. Der Täter war bereits wegen zwei Übergriffen verurteilt worden und war zur Zeit des Krückaupark-Vorfalls nur auf Bewährung draußen. Er hatte 2003 seine damals dreijährige Nichte missbraucht und war außerdem 2017 verurteilt worden, weil er in Hamburg eine Elfjährige gepackt und in einen Kellerraum gesperrt hatte. Er wollte ihr nach eigenen Angaben „einen Schrecken einjagen“. Diese Rückfallgefahr ist einer der Gründe, warum die Richterin zusätzlich zum Urteil eine Verwahrung angeordnet hatte. Das heißt: Nach Verbüßung der Haftstrafe bleibt Oliver K. in einer geschlossenen Einrichtung und es wird regelmäßig überprüft, ob er weiterhin als gefährlich einzustufen ist.

Mit ihrem Urteil von 3,5 Jahren liegt das Gericht zwischen dem, was Staatsanwaltschaft und die Anwältin der attackierten Frau auf der einen und der Anwalt des Täters auf der anderen Seite gefordert hatten. Diese hatten nach ihren Plädoyers fünf Jahre und zwei Monaten beziehungsweise ein Jahr und sechs Monate als gerechte Strafe benannt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Oliver Ks. Anwalt hat die Möglichkeit, in Revision zu gehen. Dieser war gestern nach dem Prozesse telefonisch nicht zu erreichen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen