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Elektromobil in Wedel : „Es ist auch Hobby und Spinnerei“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Umweltschonend unterwegs: Birgit und Bertold Sunke sind überzeugte Elektromobil-Fahrer. Tour in den Harz als Abenteuer.

Wedel | Eine Mountainbiketour im Harz. Berthold Sunke gefiel der Vorschlag seines Sohnes, und im Kopf malte er sich schon die Bahnverbindung aus. Dann schlug sein Filius vor: „Lass uns doch das Auto nehmen.“ Sunke musste kurz überlegen, bevor er zusagte. Dann begann er im Internet mit der Recherche: Wo sollte er einen Zwischenstopp einlegen, um seinen BMW i3 aufzutanken? Sunke fährt ein Elektroauto.

„Junior war ganz entspannt. Bei mir war es so eine Sache“, erinnert sich der Wedeler an die Tour über 300 Kilometer nach Thale im Ostharz. Bis zu 150 Kilometer Reichweite hat das mit 170 PS ausgestattete und bis zu 150 Kilometer schnelle Gefährt. „Geschwindigkeit geht überproportional in den Verbrauch“, weiß Sunke aus Erfahrung. Von Wedel ging es erst nach Lüneburg. Dort wurden 8,7 Kilowattstunden (kW/h) getankt. Preis: 2,20 Euro. Wartezeit: 1,5 Stunden. Genauso lange dauerte es in Braunschweig, wo der Batterie 17,3 kW/h zugeführt wurden.

An der Jugendherberge angekommen, kam das Auto an die normale Steckdose – die nächste Ladestation war 30 Kilometer entfernt. Eine Station versagte ihren Dienst, weil sie der Vornutzer nicht richtig ausgeschaltet hatte. „Da fängt man an zu grübeln und überlegt, wo man übernachten kann, wenn eine Station nicht funktioniert“, sagt Sunke. Seine Frau Birgit verzichtete auf die Reise: „Ich hätte das nie gemacht. Ich habe es mal bis Lüneburg versucht. Nie wieder.“ Ihr Mann sieht es entspannter: „Ich würde es aus Spaß an der Freude wieder machen, aber nicht mit Termindruck.“ Doch stellt er klar: „Elektroautos sind bis auf einen Tesla nicht fürs Reisen gemacht. Es geht, aber würde es nicht empfehlen. Aber in den Urlaub fliegt man ja eh meistens.“

Bertold Sunke hat mit seinem BMW i3 die 300 Kilometer von Wedel bis in den Harz absolviert. Eine Tour, die allerlei Logistik erforderte. (Foto: Fröhlig)
Bertold Sunke hat mit seinem BMW i3 die 300 Kilometer von Wedel bis in den Harz absolviert. Eine Tour, die allerlei Logistik erforderte. (Foto: Fröhlig)
 

2011 entscheiden sich die Sunkes für eine 25.000 Euro teure Solaranlage mit 34 Modulen und einer Fläche von 43 Quadratmetern für das Süddach ihres Hauses in der Rolandstadt. „Sie produziert mehr, als wir trotz fünf Personen im Haus verbrauchen“, erläutert Berthold Sunke. Zumindest im Durchschnitt. 5500 kW/h verbrauchte die Familie im vergangenen Jahr. 3100 musste sie zukaufen. Den Rest produzierte die Solaranlage selbst. Zudem wurden 4000 kW/h ins öffentliche Netz eingespeist, die nicht verbraucht wurden. „Unsere Grundidee war, uns selbst mit Strom zu versorgen“, erinnert sich Birgit Sunke. „Ich habe immer gezweifelt, ob es eine Alternativen zu Atomkraft- oder Kohlekraftwerken gibt. Als Privatmann kann man eigentlich nur eine Solaranlage nutzen. Wir können uns ja kein Windrad aufs Dach stellen“, sagt ihr Mann.

Als im März 2014 der Kauf eines neuen Autos anstand, fiel die Entscheidung nach vielen Testfahrten und Überlegungen für ein Elektroauto. „Wir haben über Stromspeicher nachgedacht, um die Energie, die wir am Tag produzieren, nachts zu nutzen. Aber die waren extrem teuer, und dann haben wir lieber in einen Speicher mit vier Rädern und Lenkrad investiert“, so der 50-Jährige. 40 Kilometer pendelt er täglich nach Hamburg und zurück. Geladen wird das Auto nachts oder am Wochenende tagsüber. „Wenn man einmal Elektroauto gefahren ist, will man keinen Verbrenner mehr“, ist sich Sunke sicher, der auf den Komfort schwört. Vor allem auf das fehlende Geräusch des Elektromotors. Komfort – Lautstärke und Rollgefühl. Auch seine Frau ist ein halbes Jahr später umgestiegen – auf einen VW eUp – 140 Kilometer Reichweite, 130 Kilometer pro Stunde als Spitzengeschwindigkeit. 25  000 Kilometer sind die beiden Autos mittlerweile gelaufen. 3,5 Tonnen CO2 wurden dadurch eingespart. „Das hätte ich am Anfang gar nicht gedacht. Es summiert sich schnell“, sagt Berthold Sunke.

„Es ist auch Hobby und Spinnerei, wenn man sich darauf einlässt“, sagt Birgit Sunke. Denn ohne Planung geht Nichts: „Man darf nicht zu spontan sein.“ Immer müssen Ladestationen eingeplant werden. Sechs bis acht Stunden dauert eine vollständige Ladung bei Wechselstrom. Bei der Schnellladung für ihre Fahrzeuge sind es 30 Minuten – für 80 Prozent Füllmenge. Doch diese Stationen sind rar. „Es gibt zwei in Hamburg, die nächsten sind in Bremen und Wolfsburg. Auf der Strecke Richtung Berlin gibt es keine einzige.“

Ohne entsprechende Infrastruktur werde sich die Elektro-Mobilität nicht durchsetzen, sind sich die Sunkes sicher. 3,50 Euro kostet es, wenn sie die Autos unterwegs laden. Viele Stadtwerke – wie in Wedel – bieten kostenlose Zapfsäulen an. Allerdings seien immer neue Karten dafür nötig. „Mein ganzes Portemonnaie ist voll davon“, sagt Berthold Sunke. Auf eine Karte wartete er acht Wochen. Da war seine Fahrt bereits beendet. Trotz vieler Startschwierigkeiten bleibt Sunke bei seiner Meinung: „Ich finde es blöd, Öl zu verbrennen, mit dem man Sinnvolleres anstellen könnte.“

„Mobilität der Zukunft - schon heute?“, lautet der Titel des Vortrags, den Berthold Sunke am Sonnabend, 19. September, ab 11 Uhr in der Volkshochschule (VHS) Wedel hält. Mindestens zwei Elektro-Fahrzeuge werden zum Angucken und Anfassen vor Ort sein. Der Eintritt ist frei. www.sunke-wedel.de
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erstellt am 17.Aug.2015 | 10:00 Uhr

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